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Dioxin: Aus der Pommes-Produktion ins Tierfutter

18.11.2004

Mit Dioxinen belasteter Kaolinton darf bei der Futtermittel-Herstellung nicht verwendet werden. Wohl aber in der Lebensmittelproduktion. Belastete Abfälle von Kartoffeln werden dann an Futtermittel-Hersteller verkauft. Über diesen Umweg kann Dioxin in die Nahrungskette gelangen.

Kaolinit ist ein Silikat-Mineral, hat eine weiße bis leicht gelbliche Farbe und ist in unterschiedlichen Anteilen Bestandteil praktisch aller in Deutschland abgebauten hochwertigen Tonvorkommen. Fast die Hälfte der rund vier Millionen Tonnen  in Deutschland gewonnenen Tonerden werden in Rheinland-Pfalz, davon der größte Teil im Westerwald, abgebaut. Kaolintone werden eingesetzt als Streichmittel in der Papierindustrie, in der keramischen Industrie und dürfen unter der EG-Registernummer E 559 als Bindemittel und Fließhilfsstoff für die Tierernährung und als Trenn- und Klärungsmittel in der Lebensmittelindustrie eingesetzt werden.

Verwendung belasteter Tone als Hilfsstoff

Seit 1999 ist bekannt, dass insbesondere die Tongruben im Westerwald extrem hoch mit Dioxin belastet sein können. Den am stärksten mit Dioxin belasteten Tongruben wurde 1999 von den zuständigen Landesregierungen die Lieferung des Kaolintons an der Futtermittelindustrie untersagt. Alle anderen Gruben müssen seitdem einen Grenzwert von 0,5 Nanogramm pro Kilo Kaolinton einhalten, wenn sie an die Futtermittelindustrie liefern. Der Einsatz als technischer Hilfsstoff in der Lebensmittelindustrie oder in anderen Verwendungen wurde jedoch weder eingeschränkt noch mit Grenzwerten versehen.

Dioxinbelastete McCain-Abfälle landen im Futter

Die für Lieferungen an die Futtermittelindustrie gesperrte Tongrube WBB Fuchs GmbH aus Ransbach im Westerwald durfte deshalb vollkommen legal an einen Produktionsbetrieb des Pommes-Frites-Herstellers McCain in den Niederlanden liefern. Der nutzte den mit bis zu 910 Nanogramm belasteten Kaolinton in einem Kartoffelwasserbad. Durch die Beigabe des Tons sinken die guten sehr stärkehaltigen Kartoffeln nach unten, die schlechteren bleiben oben und werden abgeschöpft. Die guten Kartoffeln werden geschält, wodurch die Kaolinitrückstände von den Kartoffeln weitgehend entfernt werden. Die - kaolinitbelasteten - Kartoffelschalen und die schlechten Kartoffeln wurden von McCain dann an die Futtermittelindustrie vermarktet. So gelangte das Dioxin letztendlich doch ins Futter und damit in die Nahrungskette.

Firma widerrechtlich mit Caolinton beliefert

Etwas anders liegt der Fall bei der Firma Kartoffel Centrum Bayern aus dem bayerischen Rain am Lech, die ebenfalls von WBB Fuchs beliefert wurde. In dem gelieferten Ton maß die bayerische Futtermittelaufsicht 248 Nanogramm Dioxin pro Kilo - das Fünfhundertfache des Grenzwertes. Zum Tätigkeitsfeld des Kartoffel Centrums gehörte laut Handelsregisterauszug auch "die Vermarktung von Übermengen, Sondergrößen und Sortierabgängen von Kartoffeln". Ein klarer Hinweis auf eine Tätigkeit in der Futtermittelbranche. Die Firma hätte also von der belasteten Tongrube gar nicht beliefert werden dürfen - die Staatsanwaltschaft Koblenz nahm Ermittlungen auf.

Das Kartoffel Centrum gab die sortierten "guten" Kartoffeln weiter an den Pommes Frites Hersteller Aviko, ebenfalls mit Werk in Rain am Lech. Aviko schälte die Kartoffeln vor der Weiterverarbeitung und gab die Schalen genau wie McCain an landwirtschaftliche Mastbetriebe weiter. Im Kartoffel Centrum wurde die sortierten Kartoffeln vor der Weitergabe aber offenbar noch einmal gründlich gewaschen, so dass Kartoffeln und Schalen nur geringfügig belastet waren. Das im Kaolinton enthaltene Dioxin dürfte über die Klärschlämme des Unternehmens seinen Weg in die Umwelt gelangt sein.

Nach eigenen Angaben setzen alle genannten Unternehmen seit Ende Oktober 2004 keinen Kaolinton mehr ein.