EHEC-Krise 2011 völlig unzureichend aufgearbeitet

Bild: niceday/fotolia.com

Das ist das Problem

Zwischen Mai und Juli 2011 erkrankten mindestens 3.842 Menschen in Deutschland an einer Infektion mit dem gefährlichen Darmkeim EHEC. Bei 855 von Ihnen stellte sich eine lebensgefährliche Komplikation ein, das hämolytisch-urämische Syndrom (HUS), das sich unter anderem in Blutarmut und Nierenversagen äußert. Deutschlandweit starben 53 Menschen an den Folgen dieser Erkrankung. Die Epidemie gilt als der größte EHEC-Ausbruch, der je in Deutschland beschrieben wurde. Betroffen waren vor allem die fünf nördlichsten Bundesländer Niedersachsen, Hamburg, Bremen, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern.

Das ist der Stand

Von offizieller Seite heißt es: Die Krise wurde erfolgreich bewältigt, die Ursache ist geklärt. Die Bundesregierung vermeldete im Mai 2012, die Ursache des EHEC-Ausbruchs sei „mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit“ identifiziert worden: Bockshornkleesamen aus Ägypten, die von einem niedersächsischen Gartenbaubetrieb gekeimt und weiterverkauft worden waren. Für diese vermeintlich erfolgreiche Aufklärung der Epidemie fehlen jedoch die Beweise. foodwatch-Recherchen zeigen: Weder sind die EHEC-Ursache und der Ausbruch aufgeklärt, noch wurden die Schwachstellen in Lebensmittelüberwachung und Infektionsschutz offen analysiert, geschweige denn konsequent behoben.

Das fordert foodwatch

  • Über EHEC-Krise aufklären: Die Bundesregierung muss die tatsächliche Faktenlage über die EHEC-Krise 2011 offenlegen und klarstellen, dass es weder für die ägyptische Sprossentheorie noch für die Rolle des niedersächsischen Sprossenerzeugers Belege gibt.

  • Hygiene- und Überwachungsstandards anpassen: Die Bundesregierung muss die Hygiene- und Überwachungsstandards für sensible Rohkost wie Sprossen und vorgeschnittene Salate denen für leicht verderbliche tierische Lebensmittel anzupassen und regelmäßige Untersuchungen vorschreiben.

  • Meldefristen verkürzen: Die Meldefristen für Erkrankungen an dem von EHEC ausgelösten HU-Syndrom müssen erheblich verkürzt werden. Nach der Reform vom März 2013 in Kraft getretenen  Reform können noch immer drei Tage vergehen, bis das Robert-Koch-Institut (RKI) von Krankheitsfällen erfährt. Denn die lokalen Gesundheitsämter informieren das RKI bisher nicht direkt, sondern geben die Informationen an die Länderbehörden, welche sie dann wiederum ans RKI weitergeben. 

  • Rückverfolgbarkeit durchsetzen:  Während der EHEC-Krise ging zu viel Zeit für die Rekonstruktion von Lieferwegen und Warenströmen verloren. Die von der EU bereits seit 2005 (!) gesetzlich vorgeschriebene Rückverfolgbarkeit muss endlich durchgesetzt werden – und zwar nicht nur für Sprossen, wie seit Juli 2013 vorgeschrieben, sondern für alle Lebensmittel. 

  • Struktur der Lebensmittelüberwachung globalen Warenströmen anpassen: Die Struktur der Lebensmittelüberwachung muss endlich den globalen Warenströmen im Lebensmittelmarkt angepasst werden, indem auf Landesebene die Fach- und Dienstaufsicht für sämtliche Überwachungstätigkeiten zusammengefasst und die konsequente Veröffentlichungspflicht über Tätigkeiten und Erkenntnisse vorgeschrieben wird. 
Zuletzt geändert am 22.06.2016
 
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