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foodwatch-Report „Klimaretter Bio?“

Bio ist nicht automatisch besser: Wer oft Bio-Rindfleisch isst, schadet dem Klima mehr als Freunde von konventionellem Schweinefleisch. Der foodwatch-Report auf Basis einer Studie des Instituts für Ökologische Wirtschaftsforschung hat interessante Ergebnisse geliefert – und die Schwachstellen der Klimapolitik offengelegt.

Der Klimaeffekt von Lebensmitteln lässt sich besser verdeutlichen, wenn man ihn mit dem CO2-Ausstoß beim Autofahren vergleicht. Ein Kilogramm Weizen, konventionell erzeugt, verursacht genauso viel Treibhausgase als ob man mit einem Auto (Modell BMW 118d) 3,4 Kilometer fährt (siehe Abbildung). Bei einem Kilogramm Öko-Weizens sind es nur 1,5 Kilometer. Ein Kilogramm Rindfleisch aus ökologischer Ochsenmast hat dagegen eine Klimabilanz, die einer Strecke von 113 Kilometern entspricht. Bei konventioneller Produktion wären es 69 Kilometer. Für 10 Liter Milch, die für ein Kilogramm Käse benötigt werden, würde man 71 Kilometer (konventionell) oder 66 Kilometer (ökologisch) weit kommen.

Größter Klimasünder: Der Bio-Rindfleisch-Esser

Wer herkömmliches Schweinefleisch isst, ist für weit weniger Klimagase verantwortlich als Konsumenten von ökologischem Rindfleisch oder ökologischen Milchprodukten. Ein Kilogramm Ochsenfleisch aus ökologischer Produktion verursacht die vierfache Menge an Treibhausgasen wie ein Kilogramm Schweinefleisch aus einem konventionellen, effizient geführten Betrieb. Das bedeutet, dass ein Konsument von ökologischem Rindfleisch in einem Jahr so viele Treibhausgase verantwortet wie jemand mit der gleichen Menge Nicht-Bio-Schweinefleisches in vier Jahren.


Diese und weitere Ergebnisse hat die Klima-Studie erbracht, die das Institut für Ökologische Wirtschaftsforschung im Auftrag von foodwatch erstellt hat. Die Wissenschaftler haben dazu auf Grundlage anderer Studien Klimabilanzen der landwirtschaftlichen Produktion ermittelt. Berücksichtigt wurden die Treibhausgase Kohlendioxid, Methan und Lachgas. Die Studie untersucht systematisch den Unterschied von konventioneller und ökologischer Landwirtschaft in ihren Klimawirkungen (Treibstoffe, Dünge- und Pflanzenschutzmittel, Verdauungsprozesse von Nutztieren, Anbau von Futtermitteln, Abbauprozesse in Mooren und Feuchtwiesen).

Die aktuellen Fakten

  • Die Landwirtschaft ist mit 133 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente pro Jahr für über 13 Prozent der in Deutschland emittierten Treibhausgase verantwortlich. Rechnet man den Transport von importiertem Futtermittel hinzu, sind es 139 Mio. Tonnen.
  • Ackerbau auf entwässerten Moorböden ist die klimaschädlichste Form der landwirtschaftlichen Landnutzung. Auf fünf bis acht Prozent der landwirtschaftlichen Flächen entstehen 28 Prozent der direkten Treibhausgasemissionen der deutschen Landwirtschaft. In entwässerten Moorböden wandeln Mikroorganismen organische Substanz in Klimagase um. Regionale Schwerpunkte der Moornutzung sind Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg.
  • Die Tierhaltung inklusive der für sie angebauten Futterpflanzen ist für 71 Prozent der Treibhausgasemissionen der deutschen Landwirtschaft verantwortlich, darunter die Rinderhaltung (zur Milch- und Fleischerzeugung) mit Abstand am stärksten. 29 Prozent der Emissionen entstehen aus der pflanzlichen Produktion (ohne Futtermittel).
  • Mit 10,6 Millionen Hektar werden auf 62 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzflächen in Deutschland Futtermittel für die Tierproduktion angebaut.
  • Der Einsatz von mineralischem Stickstoffdünger im konventionellen Landbau erweist sich als besonders klimaschädlich.

Die Klima-Studie im Detail

Details zur Vorgehensweise bei der Studie

  • Untersucht wurden die repräsentativen Produktgruppen Milch, Winterweizen, Schweinefleisch und Rindfleisch. Beim Rindfleisch wurde dabei unterschieden zwischen Bullen/Ochsenmast aus Milchviehhaltung bzw. aus Mutterkuhhaltung sowie Altkuhfleisch aus Milchviehhaltung bzw. aus Mutterkuhhaltung.)
  • Bei der Klimabilanzierung werden die einzelnen Stufen der Produktion (einschließlich der Vorprodukte und Betriebsmittel) von Durchschnitts-Bauernhöfen und besonders gut geführten ("klimaeffizienten") Betrieben untersucht.
  • In die Klimabilanzierung der Studie gehen alle Umweltwirkungen des Produktionsprozesses sowie der vorgelagerten Produktionsschritte (z. B. Energieerzeugung, Produktion von Hilfs- und Betriebsstoffen) mit ein. Die Wirkung der Treibhausgase wird in Form von CO2-Äquivalenten angegeben; Methan ist 23-mal wirksamer als CO2, Lachgas 296-mal.
  • Um nicht nur den derzeitigen Status quo abzubilden, wurde neben Durchschnittsbetrieben des konventionellen und des ökologischen Landbaus auch jeweils ein Betrieb definiert, der sich in der Gruppe der leistungsmäßig führenden 10 Prozent der konventionellen und ökologischen Betriebe befindet. Damit kann die Analyse aufzeigen, wo weitere Potenziale zur Reduzierung von Treibhausgasemissionen liegen, wenn in Zukunft verstärkte Anstrengungen zum Klimaschutz in der Landwirtschaft in Angriff genommen werden.
  • Gesondert berücksichtigt werden in der Studie die für die Klimabilanz der deutschen Landwirtschaft besonders relevanten Emissionen aus der Bodennutzung. Landwirtschaftliche Produktion auf entwässerten Moorflächen verursacht durch Abbau der im Boden vorhandenen Kohlenstoffvorräte ein Vielfaches der Treibhausgasemissionen, die bei der Bewirtschaftung "normaler" (mineralischer) Acker- und Grünlandböden entstehen.

Der Klimaeffekt verschiedener Ernährungsweisen

Vergleicht man die Klimaeffekte verschiedener Ernährungsweisen, würde eine Rangfolge der Klimaschützer unter den Konsumenten landwirtschaftlicher Produkte so aussehen: Größte Klimasünder sind die konventionellen und ökologischen Allesesser. Der von ihnen durch den Verzehr landwirtschaftlicher Produkte verursachte Ausstoß von Treibhausgasen entspräche pro Jahr bei konventionellen Lebensmitteln einer Autostrecke von 4.758 Kilometer, also der Strecke Helsinki- Florenz hin und zurück. Der ökologische Allesesser wäre nicht viel besser; er käme auf 4.377 km. Besser als der ökologische Allesesser schneidet ein konventioneller Allesesser ab, der Schweinefleisch, anstatt Rindfleisch verzehrt. Sein Konsum entspricht einer Strecke von 4.209 km.

Beim Verzicht auf Fleisch, nicht aber auf Milchprodukte, entspräche die Strecke im konventionellen Fall 2.427 km oder 1.978 km bei der ökologischen Variante.

Veganer dürfen Porsche fahren

Die besten Klimaschützer sind diejenigen, die weder Fleisch noch Milchprodukte verzehren. Ihre Ernährungsweise ergibt eine Strecke von 281 km pro Jahr (ökologisch), also der Strecke Hamburg-Hannover und zurück, oder 629 km bei konventionellen Nahrungsmitteln.

Ernährungsweise wichtiger als Bio-Essen

Für den Ausstoß von Klimagasen ist also weniger relevant, ob Verbraucher sich ökologisch oder konventionell ernähren. Viel wichtiger ist die Menge an Rindfleisch und Milchprodukten, die sie konsumieren, unabhängig davon, ob diese ökologisch oder konventionell hergestellt wurden. Verbraucher, die sich konventionell ernähren, aber wenig Rindfleisch und Milchprodukte verzehren, belasten das Klima weitaus weniger als Konsumenten, die einen hohen Konsum an ökologisch hergestellten Rindfleisch- und Milchprodukten aufweisen.

Bio versus konventionell

Die konventionelle Agrarlobby argumentiert, höhere Erträge und Produktionsleistungen würden pro Kilogramm Getreide oder Fleisch geringere Treibhausgasmengen erzeugen und deshalb das Klima schützen. Demgegenüber fordern die Grünen einen „Ökobonus“ vor allem für die ökologische Landwirtschaft.

Sowohl Bio- als auch konventionelle Landwirtschaft belasten das Klima

Sowohl die konventionelle Landwirtschaft als auch der Ökolandbau emittieren erhebliche Mengen an Treibhausgasen. Zwar weist die ökologische Landwirtschaft pro Kilogramm Getreide um etwa 60 Prozent geringere Treibhausgasemissionen auf als die konventionelle Produktion. Sie emittiert auch insgesamt in der Landwirtschaft wegen der deutlichen Vorteile beim Pflanzenbau etwa 15 bis 20 Prozent weniger Treibhausgase. Ökologische Betriebe verursachen jedoch bei der Milch- und  Rindfleischproduktion teilweise mehr Treibhausgase als bei der konventionellen Herstellung. Das Argument von Grünen und Ökoverbänden, die Ökolandwirtschaft sei ein Klimaretter und verdiene deshalb einen „Klimabonus“, ist daher nicht haltbar. Ebenso wenig haltbar ist allerdings die Behauptung der konventionellen Agrarlobby, die konventionelle Landwirtschaft belaste wegen höherer Erträge bzw. besserer Effizienz das Klima weniger als der Ökolandbau.

Tabelle: Treibhausgasemissionen durch die Erzeugung von 1 kg Rindfleisch (inkl. der Vorprodukte)

Form der Tierhaltung

konventionell kg CO2-Äquivalent pro kg Schlachtgewicht Rinder

bio kg CO2-Äquivalent pro kg Schlachtgewicht Rinder

Kuhfleisch von Altkühen aus Milchviehhaltung

6,04

3,93

Rindermast aus Milchviehhaltung

8,40

13,50

Kuhfleisch von Altkühen aus Mutterkuhhaltung

14,54

12,25

Rindermast aus Mutterkuhhaltung

16,76

16,28

 

Biosiegel gibt keine ausreichende Orientierung

Das Biosiegel gibt Verbrauchern, die sich ökologisch ernähren und das Klima schützen wollen, keine ausreichende Orientierung. Denn die Treibhausgasemissionen sind nicht Bestandteil der Kriterien für das Biosiegel. Die Herstellung ökologischer Milch verursacht beispielsweise mehr Treibhausgase, wenn die Milch von einem ökologischen Durchschnittsbetrieb stammt, als Milch von klimaoptimierten konventionellen Milchviehhaltern. Die Produktion von ökologischem Rindfleisch (Ochsenmast) verursacht bis zu 60 Prozent mehr Treibhausgase als eine konventionelle Herstellung (Bullenmast).

Ökologische Landwirtschaft: Kein Klimaretter

Der Ökolandbau an sich ist kein Klimaretter. Theoretisch könnte eine vollständige Umstellung auf klimaoptimierte ökologische Landwirtschaft die Emissionen um 15 bis 20 Prozent reduzieren. Das würde jedoch nicht ausreichen, um die langfristigen Klimaziele für die Industrieländer, eine Reduktion um 60 bis 80 Prozent bis zur Mitte des Jahrhunderts, zu erreichen. Zudem würde eine vollständige Umstellung bei gleicher Produktionsmenge 60 Prozent mehr Fläche, etwa 10 Millionen Hektar, erfordern. Diese steht in Deutschland (und in Europa) jedoch nicht zur Verfügung.

Komplette Umstellung auf Öko-Landbau nur mit weniger Tierhaltung

Ökologische Landwirtschaft ließe sich also nur dann auf der bisherigen Fläche betreiben, wenn die Produktion und der Verzehr von Fleisch (vornehmlich Rindfleisch) und Milch um etwa 70 Prozent zurückgehen. Entsprechend würden sich auch die Treibhausgasemissionen in der Landwirtschaft verringern. Ausschlaggebend für den Klimabeitrag des Ökolandbaus wäre also vor allem die verminderte Produktion aufgrund geringerer Erträge auf gleicher Fläche, weniger die emissionssparenden Methoden des Ökolandbaus.

Alternative: Klimatechnische Optimierung des konventionellen Landbaus

Eine alternative Klimastrategie bestünde in der klimatechnischen Optimierung der konventionellen Landwirtschaft, vor allem über einen geringeren Einsatz von Mineraldünger. Diese Optimierung brächte etwa 7 Prozent Einsparungen an Treibhausgasen. Der hierfür erforderliche zusätzliche Flächenbedarf wäre mit etwa einer Million Hektar vergleichsweise gering. Verbunden mit einer Reduktion der Produktion und des Konsums von Fleisch ließen sich die Emissionen in der Landwirtschaft ebenfalls deutlich reduzieren. Allerdings hätte diese Umstellung weniger positive Nebeneffekte auf die Umwelt als die vollständige Umstellung auf Ökolandbau, der zu einem verbesserten Gewässer- und Artenschutz und zur Landschaftspflege beiträgt.

Genug Platz für Bio?

Ökologische Landwirtschaft hat vor allem Klimavorteile im Pflanzenbau: Pro Kilogramm Weizen verursacht der ökologische Landbau weniger als halb so viel Treibhausgasemissionen wie der konventionelle Weizenanbau. Aber weil der ökologische Pflanzenbau ohne die Ausbringung von Mineraldünger zurechtkommen muss, liegen die die Ernteerträge pro Hektar in der Regel um 10 bis 40 Prozent niedriger als in der konventionellen Landwirtschaft. Das heißt im Umkehrschluss, dass die ökologische Landwirtschaft zur Erzeugung einer Tonne Weizen mehr Ackerfläche benötigt als der konventionelle Pflanzenbau. Da über die Hälfte der pflanzlichen Produktion in Deutschland als Futtermittel in der Tierhaltung eingesetzt wird, haben diese Ertragsdifferenzen auch Auswirkungen auf den Flächenbedarf der verschiedenen Tierhaltungsverfahren. Zusätzlich kommen in der Tierhaltung unterschiedliche Leistungsniveaus in der Futterverwertung hinzu, die den Flächenbedarf weiter differenzieren.

Bio-Weizen braucht doppelt so viel Fläche wie konventioneller

Hinsichtlich der Nutzung von landwirtschaftlichen Flächen hat Weizen aus durchschnittlichen ökologischen Betrieben mit 2,8 m² je Kilogramm Weizen einen doppelt so hohen Flächenbedarf wie der Weizen aus durchschnittlichen konventionellen Betrieben (mit 1,3 m² je Kilogramm Weizen). Bei den ertragsmäßig führenden Betrieben ist der Abstand zwischen ökologischem und konventionellem Pflanzenbau etwas geringer. Ähnliches gilt ebenso für den Anbau anderer Feldfrüchte.

Tabelle: Bedarf an landwirtschaftlicher Flächefür verschiedene Tierhaltungs- und Pflanzenbauverfahren

konventionell m²/kg

bio m²/kg

Milch

1,2

2,3

Winterweizen

1,3

2,8

Schweinefleisch

7,0

11,8

Altkuhfleisch aus Mutterkuhhaltung

18,2

31,4

Rindermast aus Mutterkuhhaltung

21,0

41,7

 

Bio-Schweinehaltung: Weniger Treibhausgase, aber mehr Fläche

Während in der ökologischen Schweinemast deutlich weniger Treibhausgase pro Kilogramm Schweinefleisch anfallen als in der konventionellen Landwirtschaft, erfordert die ökologische Produktion zugleich den Einsatz von deutlich mehr landwirtschaftlicher Fläche. So liegt der Flächenbedarf für den Anbau der Futtermittel in den beiden Modellbetrieben der ökologischen Landwirtschaft um rund 70 Prozent höher als in den Betrieben der konventionellen Landwirtschaft.

Bio-Milch braucht fast doppelt so viel Fläche

Auch für die Erzeugung von Milch haben Ökobetriebe einen höheren Flächenbedarf. So benötigen die Ökobetriebe aufgrund der geringeren Erträge und der niedrigeren Milchleistung zur Produktion von 1 kg Milch knapp doppelt soviel landwirtschaftliche Fläche wie die konventionellen Betriebe, was auf den deutlich höheren Einsatz von Grün- und Raufutter zurückzuführen ist.

Bio-Rinder brauchen zum Teil dreifache Fläche

Die extremsten Unterschiede im Flächenbedarf zwischen ökologischen und konventionellen Betrieben zeigen sich bei der Mast von Bullen und Ochsen, die als Kälber von Milchkühen in die Mast überführt wurden. Hier liegt der Flächenbedarf der Ökobetriebe um z. T. bis zu dreimal höher als der in der konventionellen Mast – auch hierfür ist in erster Linie der extensiv erzeugte Grün- und Raufutteranteil verantwortlich.

Für die Produktion von 1 kg Rindfleisch aus Mutterkuhhaltung ist der Bedarf an landwirtschaftlicher Fläche in der ökologischen Ochsenmast etwa zwei Drittel höher als in den konventionellen Bullenmastbetrieben.

Die Mutterkuhhaltung mit der Aufzucht der Absetzer ist für einen bedeutenden Anteil des Flächenbedarfs verantwortlich. Auch bei der Bullenmast hat der Flächenbedarf für die Kälberaufzucht (einschließlich der anteiligen Berücksichtigung der Milchviehhaltung) einen hohen Anteil. Zu beachten ist hierbei jedoch, dass diese flächenextensiven Mastverfahren auf marginalen Böden häufig die einzige noch lohnende Form der Landbewirtschaftung darstellen. Extensive Weidehaltung kann außerdem landschaftspflegerische Funktionen haben. Lediglich bei der Produktion von Kuhfleisch liegt der Flächenbedarf der ökologischen Betriebe im Vergleich zu den konventionellen Betrieben „nur“ um etwa 40 Prozent höher.

Klimakiller Nr. 1: Landwirtschaft auf Moorböden

Die Hauptemissionsquelle von Treibhausgasen sind Moorböden, die entwässert und landwirtschaftlich genutzt werden. Knapp 30 Prozent aller Emissionen, rund 37 Millionen Tonnen, entfallen auf derartige Böden, obwohl sie lediglich 1,4 Millionen Hektar oder 8 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche in Deutschland ausmachen. Der Streit, welche Produktionsform, konventionell oder ökologisch, das Klima besser schütze, vernachlässigt die wirksamste und wirtschaftlichste Form des landwirtschaftlichen Klimaschutzes: die Wiedervernässung von landwirtschaftlich intensiv genutzten Moorflächen und ihrer Umwidmung für den Natur- und Artenschutz.

Bio-Landbau auf Moorböden schlechter als konventioneller

Auf entwässerten Moorböden schneiden die Verfahren des ökologischen Landbaus generell schlechter ab als die konventionellen Verfahren, da sie deutlich mehr Fläche pro Kilogramm Getreide, Fleisch, Milch etc. benötigen. Es ergeben sich bei der ökologischen Viehhaltung auf Moorböden und auch in der Getreidehaltung etwa doppelt so hohe Emissionsmengen wie in der konventionellen Produktion.

Niedrige CO2-Vermeidungskosten bei Stopp der Nutzung von Moorböden

Ein Stopp der landwirtschaftlichen Nutzung von Moorböden und eine Umwidmung dieser Flächen für den Natur- und Artenschutz wären ausgesprochen wirtschaftlich. Pro Hektar dieser Flächen verursacht der Ackerbau 40 Tonnen Treibhausgase und die Viehhaltung 18 Tonnen pro Jahr. Die durchschnittlichen Nettoerträge betragen in der Viehhaltung rund 750 Euro pro Hektar und im Ackerbau 450 Euro pro Hektar. Die Kosten, die bei der Vermeidung einer Tonne Treibhausgas entstehen („Vermeidungskosten“), belaufen sich somit auf 42 Euro pro Tonne bei einem Verzicht auf die Milchviehhaltung auf Moorböden. 11 Euro pro Tonne betragen die Vermeidungskosten bei Verzicht auf Ackerbau auf Moorböden. Die Treibhaus-Vermeidungskosten durch den Anbau von Raps zur Herstellung von Diesel betragen im Vergleich dazu mehrere hundert Euro.

Klimaschutzpotenziale

Das deutsche Klimaziel, bezogen auf 1990 die Treibhausgase bis 2020 um 20 Prozent zu reduzieren, ist für die Landwirtschaftspolitik bei konsequenter Landnutzungspolitik (Wiedervernässung von Moorböden) und optimierten Verfahren in der konventionellen und ökologischen Landwirtschaft erreichbar. Grundlegende Entscheidungen müssen dagegen gefällt werden, wenn es um die Klimaziele für 2050 geht. Die klimapolitischen Ziele für die Industrieländer sehen eine Reduktion der Treibhausgase bis zum Jahre 2050 um 60 bis 80 Prozent vor. Dies würde für Deutschland im Agrarsektor eine Reduktion zwischen 80 und 100 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente pro Jahr bedeuten.

Die Studie zeigt, dass klimafreundlichere Produktionsverfahren deutlich mehr Fläche benötigen als die bisherige durchschnittliche Bewirtschaftungspraxis. Durch den Einsatz von Biogasanlagen lassen sich die Klimawirkungen der Tierhaltung deutlich reduzieren. Besonders hoch sind die Reduktionspotenziale bei der Rindermast, wo die Treibhausgasemissionen durch den Einsatz einer Biogasanlage um bis zu 25 Prozent sinken können.

Tabelle: Treibhausgas-Reduktionspotenzial in der deutschen Landwirtschaft – jeweils „klimaschutzoptimales“ Verfahren im Vergleich zur durchschnittlichen gegenwärtigen Praxis

Produkt bzw. Verfahren

Reduktionspotenzial in Mio. t CO2-Äquivalente

Reduktionspotenzialin anteilig an den Gesamtemissionen der deutschen Landwirtschaft

Biogasanlagen

4,6

3,5 %

Humusaufbau auf Ackerland (besondere Düngeverfahren)

5,4

4,1 %

Milch

6,0

4,5 %

Schweinfleisch, Rindfleisch

7,1

5,3 %

Getreide (ohne Futtergetreide), Kartoffeln, Zuckerrüben, Raps

8,6

6,5 %

Wiedervernässung von Moorflächen

36,9

27,7 %

Summe

68,6

51,6 %

 

Folgende Szenarien sind denkbar, um den Klimaeffekt der Landwirtschaft zu vermindern:

  • Szenario I: Durch eine klimaoptimierte, nahezu vollständige Umstellung auf ökologischen Landbau könnten die Treibhausgasemissionen um 20 Prozent reduziert werden (27 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente pro Jahr). Hinzu kommt die Wiedervernässung von Moorböden und die Nutzung von Mist und Gülle in Biogasanlagen. Zusammen sind dies eingesparte 68,6 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente oder mehr als die Hälfte der landwirtschaftlichen Treibhausgasemissionen. Der Mehrbedarf an landwirtschaftlichen Flächen dafür betrüge 11,5 Mio. Hektar oder 68 Prozent der in Deutschland gegenwärtig genutzten landwirtschaftlichen Fläche.
  • Szenario II: Wenn auf der gegenwärtig bewirtschafteten Fläche in Deutschland die Menge der pflanzlichen Produktion für den menschlichen Verzehr konstant gehalten werden soll – nach klimaoptimierten, d. h. im Pflanzenbau ökologischen Verfahren –, dann müsste die gesamte tierische Produktion um 69 Prozent reduziert werden.

Maßnahmen für mehr Klimaschutz in der Landwirtschaft können sein:

  • Wiedervernässung von entwässerten Moorflächen
  • Umstellung auf ökologischen Landbau
  • Optimierung des Düngemanagements insbesondere im konventionellen Landbau
  • Klimaschutzoptimierte Stallhaltung unter Beachtung von Tierschutzaspekten
  • Erträge und Leistungen steigern – unter gleichzeitiger Berücksichtung von Umwelt-, Klima- und Tierschutzaspekten
  • Nutzung von Gülle und Mist in Biogasanlagen ausbauen
  • Rinderhaltung klimatechnisch optimieren
  • Import von besonders klimaschädlich produzierten Futtermitteln reduzieren.

Regional ist nicht immer besser für das Klima

Regional muss nicht automatisch gut für das Klima sein. Die Zuversicht, wer Produkte aus seiner Region kauft, trüge am ehesten zum Klimaschutz bei, weil etwa durch den Transport verursachte Klimagase entfallen, ist sehr oft eine Illusion. Ein bekanntes Beispiel ist der konventionell erzeugte Apfel, der mit dem Schiff vn Neuseeland nach Deutschland transportiert und in Hamburg verzehrt wird. Er schädigt weniger das Klima als ein ökologisch hergestellter Apfel aus Südtirol, den ein Hamburger Konsument kauft. Transportkosten, von Flugkosten abgesehen, fallen bei Nahrungsmitteln relativ gering ins Gewicht, sowohl vom Energieverbrauch als auch vom Kostenanteil her. Entscheidend sind meistens die Herstellungsbedingungen und die Produktion.

Effektive Klimapolitik nur ohne Biosprit

Eine effektive klimapolitische Ausrichtung der Landwirtschaft schließt den Anbau von Biospritpflanzen (z. B. Raps für Diesel, Weizen für Ethanol) aus. Soll die Landwirtschaft so umgestellt werden, dass sie die Treibhausgase reduziert, benötigt sie in jedem Falle mehr Flächen; denn zusätzlicher Flächenbedarf entstünde wegen der Wiedervernässung von Mooren und durch Umstellung der landwirtschaftlichen Methoden. Flächen für den Anbau von Biospritpflanzen zu verwenden, wie es die deutsche und europäische Klimapolitik vorsieht, würde deshalb diese positiven Klima-Maßnahmen einschränken oder verhindern. Da ohnehin schon fragwürdig ist, ob Biospritpflanzen überhaupt einen positiven Klimaeffekt haben, wäre aus dieser Sicht der Anbau von Biospritpflanzen doppelt schädlich.

CO2-Labelling ist nicht praktikabel

Die Ausweisung des CO2-Ausstoßes auf Produkten ist aus foodwatch-Sicht nicht praktikabel. Die Klimawirkungen bei der Herstellung eines Produktes, sowohl bei der Rohstofferzeugung als auch bei der Weiterverarbeitung und beim Transport, sind sehr unterschiedlich. Ein CO2-Labelling würde entweder einen viel zu hohen Ermittlungs- und Kontrollaufwand erfordern oder nicht aussagekräftig sein. Aber nicht nur die Schwierigkeiten von Vergleichen innerhalb einer Produktionssparte, sondern auch die Vergleiche zwischen verschiedenen Produkten wie Schweinefleisch, Geflügelfleisch, Wurst, Käse und Milch würden den Verbraucher überfordern und deshalb unwirksam bleiben. Verbraucherinformationen müssen einfach und schnell zu erfassen sein. Ein CO2-Labelling kann und darf deshalb nicht eine effektive Klimapolitik ersetzen. Diese muss bereits an der landwirtschaftlichen Produktion ansetzen und regulierend eingreifen.

Zuletzt geändert am 25.08.2008

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