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Verbraucher kämpfen gemeinsam für ihre Rechte – seien Sie dabei!

Wo Ritter Sport, funny-frisch und Co. Tiere verstecken

Die Angaben auf der Packung verraten längst nicht alles. Schweineborsten in der Brotherstellung, Milchzucker in rein-pflanzlicher Schokolade, Bestandteile von Wild und Rind in Chips: In vielen Lebensmitteln verstecken sich tierische Bestandteile oder Tierprodukte. Entdeckt werden können sie nur schwer oder gar nicht – eine Gesetzeslücke macht's möglich.

Ob sich Verbraucher vegetarisch oder vegan ernähren wollen, aus religiösen Gründen auf Schweine-Produkte verzichten wollen oder einfach durch bewusste Kaufentscheidungen nur bestimmte Formen der Tierhaltung unterstützen wollen: Eine Gesetzeslücke schränkt die Wahlfreiheit erheblich ein. Ohne dass sie es merken, werden den Konsumenten Gelatine oder Milchzucker untergejubelt – deklariert werden müssen die tierischen Zusätze nicht.

Begriffe „vegan“ und „vegetarisch“ nicht definiert

Selbst die Begriffe „vegetarisch“ oder „vegan“ bieten keine Verlässlichkeit: Sie sind lebensmittelrechtlich nicht definiert. Und so werden sie auch von Herstellern eingesetzt, die zumindest von Verunreinigungen ihrer Produkte mit tierischen Zutaten wissen. Andere Hersteller setzen tierische Produkte ganz gezielt ein – ohne dies anzugeben.

  • 24.01.2014

    In diesen Produkten verstecken sich Tiere

    Fotostrecke (8 Bilder)
    • Sei es Kälberlab, Schwein, Wild oder Geflügel. In den salzigen Snacks von funny-frisch sind vielerlei tierische Bestandteile enthalten, wie der Hersteller auf Nachfrage von foodwatch verrät. In den seltensten Fällen ist das auf dem Etikett gekennzeichnet. Die Produkte vom Konkurrenten Lorenz (Crunchips) kommen laut Herstellerangaben ohne „tierische Fleischbestandteile“ daher. Allerdings wird im Produktionsprozess auch tierisches Lab eingesetzt.
    • Frischkäse ist Frischkäse ist Frischkäse ist Frischkäse? Von wegen. Bei einigen kommt als Verdickungsmittel tierische Gelatine zum Einsatz, so bei Bresso und Rotkäppchen. Das muss zwar im Kleingedruckten gekennzeichnet werden. Doch wer erwartet bei Frischkäse schon Schweinehaut im Innern? Dass es auch ohne Gelatine geht, zeigt Konkurrent Philadelphia.
    • Laut Rezeptur ist Ritter Sports Marzipan-Schokolade vegan. Dennoch kann Milchzucker drin sein, weil auf denselben Anlagen auch Milchschokolade produziert wird. Der Hersteller empfahl das Produkt im Firmenblog trotzdem Veganern mit dem Hinweis: enthält „keine Milchbestandteile“ – bis foodwatch das kritisierte. Nun heißt es neuerdings „solange wir das nicht ausschließen können, würden wir auch nie ‚vegan‘ auf eine Sorte schreiben.“
    • <p style="margin-left:0cm">Auch Katjes stellt Fruchtgummis sowohl mit als auch ohne Gelatine her. Letztere bewirbt der Hersteller sogar mit einer groß angelegten „Veggie-Kampagne“ – doch ob und wie Katjes bei den „Veggie“-Yoghurt-Gums Verunreinigungen mit Gelatine wirklich ausschließen kann, ist unklar. Auch auf wiederholte Nachfrage von foodwatch verweigerte das Unternehmen eine schriftliche Auskunft. Verbraucher müssen also davon ausgehen, dass „veggie“ bei Katjes nicht unbedingt rein vegetarisch bedeuten muss.</p>
    • <p style="margin-left:0cm">Zu der Kategorie „steht zwar im Kleingedruckten, hätte aber niemand erwartet“ zählt die Tomatencremesuppe von Maggi (Nestlé). Neben den üblichen Bestandteilen von Tütensuppen (Mehl, Hefeextrakt, Aroma uvm.) steckt auch Speck als Zutat in dem Beutel. Wer bei Tomatencremesuppe ein vegetarisches Gericht erwartet, wird hier enttäuscht.&nbsp;</p>
    • <p style="margin-left:0cm">Die ersten Unternehmen haben bereits auf die Kritik am „Tiere-Verstecken“ reagiert: Bei hohes C kam früher Fischgelatine als Trägerstoff für Vitamine zum Einsatz –&nbsp;neuerdings verwendet der Hersteller eine stärkebasierten und damit veganen Trägerstoff. Auch der Milram Frühlingsquark leicht beinhaltet keine Gelatine mehr – der Hersteller wirbt jetzt sogar mit dem Clean Label „ohne Zusatz von Gelatine“.&nbsp;</p>
    • <p style="margin-left:0cm">Das nächste Unternehmen hat reagiert: Der Valensina Orange-Mango-Ananas Saft wurde bis vor kurzem mit Schweinegelatine von Trübstoffen befreit (Klärung). Beim Multivitaminsaft kam Fischgelatine als Trägerstoff für Provitamin A zum Einsatz. Seit Dezember 2013 hat der Hersteller die Produktionsweise geändert. Die Säfte sind laut Hersteller nun vegan. Ein weiterer Erfolg des Verbraucherprotests.&nbsp;</p>
    • Schluss mit versteckten Tieren! Unterzeichnen Sie jetzt unsere E-Mail-Aktion an den Bundesminister für Landwirtschaft und Ernährung Hans-Peter&nbsp;Friedrich&nbsp;(CSU): <link https://www.foodwatch.org/de/informieren/versteckte-tiere/e-mail-aktion/>Fordern Sie eine lückenlose Kennzeichnungspflicht für alle versteckten Tierprodukte und Tierbestandteile!</link>

Gelatine im Frischkäse, Speck in der Tomatencremesuppe

Auf zahlreichen Wegen gelangen „versteckte Tiere“ in die Produkte. Frischkäse von Bresso und Rotkäppchen etwa enthalten Gelatine als Verdickungsmittel, Nestlé hat seiner Maggi Tomatencremesuppe Speck beigegeben. Beispiele, bei denen die Hersteller von klassischen Rezepturen abgewichen sind und bei denen wohl viele Verbraucher keine Tierbestandteile vermuten dürften. Doch bei den genannten Beispielen haben sie immerhin noch die Möglichkeit, anhand der Zutatenliste im Kleingedruckten von den überraschenden Beigaben zu erfahren.

Milchzucker für die „lieben Freunde veganer Schokolade“

Wollen Veganer auch Spuren tierischer Zutaten vermeiden, stoßen sie auf das Problem so genannter Kreuzkontaminationen: Werden in einem Schokoladenwerk Milchbestandteile auf einer Maschine verarbeitet, können Spuren davon auch in die Produkte gelangen, deren Rezeptur eigentlich vegan ist. Ritter Sport hat solche Verunreinigungen bei den (milchlosen) Sorten Halbbitter und Marzipan selbst gemessen und stellt die Milchzuckeranteile mit 0,3 bzw. 0,4 Gramm pro Tafel sogar auf der eigenen Website dar. Trotzdem empfahl Ritter Sport 2012 genau diese Sorten im Firmenblog den „lieben Freunden veganer Schokolade“  zu empfehlen – und zwar mit den Worten: „Diese enthalten keine Milchbestandteile“. Nach foodwatch-Kritik korrigierte Ritter Sport diese Aussage. Mittlerweile heißt es stattdessen, es gibt „keine rein vegane Schokolade von Ritter Sport“, man werde deshalb auch „nie ‚vegan‘ auf eine Sorte schreiben".

Auszüge aus Schweineborsten zum Behandeln von Mehl

Auch als technische Hilfsstoffe werden tierische Bestandteile in der Produktion vieler Lebensmittel eingesetzt, ohne dass dies auf der Verpackung angegeben werden muss. Beispiel Backwaren: Seit Jahren ist bekannt, dass vorwiegend industriell arbeitende Großbäckereien L-Cystein als Mehlbehandlungsmittel einsetzen. Die Aminosäure wirkt sich auf Konsistenz und Verarbeitungseigenschaften des Teigs aus und wird zum Beispiel aus Schweineborsten oder Federn gewonnen. Zur Klärung von Wein oder Saft wird dagegen von manchen Herstellern Gelatine eingesetzt.

Tierische Vitaminträger

Bis ins Produkt gelangen Tierbestandteile in Form von Aromen. Wild, Geflügel, Rind, Schwein oder Lab – weite Teile des Sortiments von Chips-Hersteller funny-frisch sind alles andere als vegan oder vegetarisch. Auch Vitamine werden über Tierbestandteile ins Produkt geschleust. So hat etwa Safthersteller Valensina lange Zeit Fischgelatine als Trägerstoff für ein Vitamin eingesetzt. Um Trübstoffe aus Säften herauszufiltern, wurd teilweise Schweinegelatine verwendet. Nach Verbraucherprotesten hat Valensina mittlerweile reagiert: Der Hersteller verzichtet auf Gelatine in seinen Säften.

Kennzeichnungslücke im Gesetz

Doch die Gesetzeslücke bleibt bestehen: Enthält ein Lebensmittel tierische Bestandteile muss dies nicht immer auf der Verpackung angegeben werden. Im deutschen Lebensmittelrecht gibt es keine verpflichtende Regelung zur Kennzeichnung von Zutaten oder Zusatzstoffen tierischen Ursprungs oder zum Einsatz tierischer Bestandteile in der Produktion. So sind alle Fälle versteckter Tiere nur aufgrund von Gesetzeslücken möglich – Lücken, die Bundesernährungsminister Hans-Peter Friedrich dringend schließen sollte, um echte Wahlfreiheit beim Einkauf möglich zu machen.

Zuletzt geändert am 24.01.2014

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