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Amtlich: Tausendmal getäuscht – EU verbietet viele Claims

14.12.2012

Actimel activiert Abwehrkräfte, Hopfen vergrößert den Busen, Granatapfelsaft hilft gegen erektile Dysfunktion – mit Werbebotschaften wie diesen müssen sich Verbraucher künftig nicht mehr herumschlagen. Sie sind ab heute EU-weit verboten, wie die meisten gesundheitsbezogenen Aussagen, die die Lebensmittelindustrie durchsetzen wollte. Dennoch wird die Irreführung mit Gesundheitswerbung weitergehen.  

Die neue „Health Claims“-Verordnung der EU schreibt vor, dass die Europäische Lebensmittelbehörde EFSA gesundheitsbezogene Werbeaussagen künftig wissenschaftlich prüfen muss – ohne Genehmigung der EFSA dürfen sie nicht verwendet werden. Nach jahrelanger Prüfung von zunächst mehr als 40.000 Anträgen der Lebensmittelhersteller (die später zu rund 4.500 Hauptaussagen zusammengefasst wurden) gilt von heute an an eine „Positivliste“: Die 222 darauf zunächst enthaltenen Werbebotschaften („Claims“) sind zulässig, während bereits 1.600 Aussagen der EFSA-Prüfung nicht standhielten und künftig untersagt sein werden. Die Ablehnungsquote beträgt damit weit über 80 Prozent. Im Vorfeld hatten einige Unternehmen Anträge wieder zurückgezogen oder langjährig eingesetzte Werbeaussagen gar nicht erst zur Prüfung vorgelegt.

Tausendmal getäuscht

Damit ist es sozusagen amtlich: Lebensmittelhersteller haben die Verbraucher in tausenden Fällen mit Werbebotschaften getäuscht, die wissenschaftlich nicht haltbar waren. Entschuldigt hat sich dafür freilich keines der Unternehmen.

Zukünftig nicht mehr erlaubt sind Aussagen wie Danones „Actimel activiert Abwehrkräfte“. Konkurrent Yakult darf nicht behaupten, dass sein probiotischer Joghurt vor Erkältungen schütze. Abgelehnt wurden zudem Aussagen, nach denen Hopfen den Busen vergrößere, Granatapfelsaft gegen erektile Dysfunktion und Cranberrysaft gegen Blasenentzündungen helfe und schwarzer Tee die Aufmerksamkeit steigere.

Viele Vitamin- und Mineralstoff-Claims genehmigt

Genehmigt hat die EFSA dagegen vor allem Claims über die Wirkung von Vitaminen und Mineralstoffen – nach denen etwa Vitamine „zur normalen Funktion des Immunsystems“ oder Magnesium „zur normalen Funktion der Muskeln“ beitrügen. Auch diese künftig erlaubten gesundheitsbezogenen Aussagen sind geeignet, in die Irre zu führen. Denn es mag zwar korrekt sein, dass Vitamin C wichtig für das Immunsystem ist – aber das macht zum Beispiel damit angereicherte zuckrige Frühstücksflocken noch nicht zu einem gesunden Frühstück. Die stehen mit ihrem tollen Werbespruch am Ende sogar besser da als die Orange oder Paprika, in der genauso viel Vitamin C enthalten ist.

In Zukunft überschwemmen also wahrscheinlich noch mehr unsinnig angereicherte Fertiglebensmittel die Supermärkte, gesünder wird uns das alle trotzdem nicht machen. Nicht nur, weil es sich dabei häufig um wenig ausgewogene Produkte handelt. Studien zeigen auch, dass zugesetzte Vitamine oder Vitaminpillen nicht dieselbe Wirkung zeigen wie Gemüse und Obst.

Falsche Anreize für die Ernährung

Gesundheitsbezogene Werbeaussagen setzen falsche Anreize, sie führen nicht zu einem besseren, gesünderen Lebensmittelangebot. Helfen würde den Verbrauchern daher nur ein grundsätzliches Verbot gesundheitsbezogener Werbung – schließlich haben wir es mit Lebens- und nicht mit Arzneimitteln zu tun.

Nur ein Teil des Problems

Dabei sind täuschende gesundheitsbezogene Angaben nur ein Teil des Problems: Ohne jede Regulierung geht der systematische Schwindel mit Angaben über Nährwerte, die angeblich regionale Herkunft, artgerechte Tierhaltung oder handwerklich-traditionelle Herstellung einfach weiter. Bundesregierung und EU müssen endlich handeln und klare gesetzliche Vorgaben für die Industrie zum Schutz vor Täuschung durchsetzen.

15-Punkte-Plan gegen Verbrauchertäuschung

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