Etikettenschwindel Extra Vergine

Bertolli Pesto Verde von Unilever

  • Täuschungsmanöver mit Leidenschaft 05.09.2008 | „Leidenschaft für gutes Essen“ ist laut Bertolli-Homepage einer der „grundlegenden Werte“ der Unilever-Marke mit „viel Herz“. Damit das auch jeder glaubt, spart Bertolli nicht an den üblichen Italienklischees von resoluten Pasta-Großmüttern und schnurrbärtigen Olivenbauern. Offenbar hat Unilever also vor allem ein Herz für aufwändige Werbekampagnen, die sich dann für den Lebensmittelriesen auszahlen sollen. Besser wäre es, wenn es zu den „grundlegenden Werten“ der Marke Bertolli gehören würde, Verbrauchern nicht ein X für ein U vorzumachen. Denn das „Pesto Verde“ hält nicht, was Verpackung und Werbung versprechen.

  • Schlechte Kopie statt Original 05.09.2008 | „Bertolli Produkte werden nach original italienischen Rezepturen und nur aus besten Zutaten hergestellt“, steht auf der Bertolli-Homepage. Das „Pesto Verde“ hat offenbar das berühmte „Pesto alla Genovese“ zum Vorbild. Es wird traditionell aus Basilikum, Olivenöl, Parmesan, Pinienkernen, Knoblauch und Salz hergestellt. Wer allerdings hinter Bertollis „Pesto Verde“ ein Qualitätsprodukt nach Originalrezept erwartet, muss sich getäuscht fühlen. Der Käseanteil ist gering, Olivenöl und Pinienkerne sind nur in Alibi-Mengen enthalten. Dafür sind Kartoffelflocken, Aroma und Säuerungsmittel zugesetzt. Sind das die „besten Zutaten“, die Bertolli zu bieten hat?

  • Ölwechsel 05.09.2008 | Auf der Packung steht deutlich „Pinienkerne“ und an der Seite „feinstes Olivenöl“, hauptsächlich verwendet Bertolli aber nicht näher benanntes Pflanzenöl und Cashewnüsse. Beides ist auf dem Weltmarkt billiger als Pinienkerne und Olivenöl zu haben. Die gibt Bertolli nur in homöopathischen Dosen von 2 bis 2,5 Prozent dazu – offenbar um damit werben zu können. „Feinstes Olivenöl“ und „Pinienkerne“ klingt schließlich hochwertiger und irgendwie auch originaler italienisch als schnödes Pflanzenöl und Cashewnüsse. Das ist zwar legal, aber trotzdem Verbrauchertäuschung. Denn hier wird eine Qualität vorgetäuscht, die das Produkt nicht hat.

  • Wenn das Aroma die Milchsäure liebt ... 05.09.2008 | Laut Homepage verbindet Bertolli „Innovation und Tradition mit Liebe, Erfahrung und Begeisterung für Olivenöl“. Viel Liebe scheint Bertolli für sein Pesto aber nicht übrig zu haben, schließlich enthält ein Glas gerade mal einen Fingerhut voll Olivenöl. Sparsam war Bertolli auch mit dem Käse. Dafür wird im „Pesto Verde“ eine ganz andere lieb gewonnene Tradition der Lebensmittelindustrie gepflegt: Aromatisierung. Neben Aroma setzt Bertolli das Säuerungsmittel Milchsäure zu, das auch konservierend wirkt. Da Bertolli damit wirbt, auf Konservierungsstoffe und Geschmacksverstärker zu verzichten, ist das bestimmt ganz - aber wirklich ganz sicher - reiner Zufall.

  • Wer lügt, wird auch noch belohnt 05.09.2008 | Nur wer die Zutaten genau studiert, fällt der Schwindel auf. Denn Bertolli muss aufführen, in welchen Mengen die beworbenen Zutaten wie Olivenöl enthalten sind. Auf den ersten Blick können Verbraucher aber nicht erkennen, was sie wirklich kaufen. Und das verhindert den nötigen Wettbewerb um die beste Qualität. Basilikumpesto mit ausschließlich Olivenöl, Pinienkernen und Parmesan gibt es so gut wie nicht im Supermarkt. Denn ehrliche Qualität zu produzieren lohnt sich so lange nicht, wie die Konkurrenz mit unehrlichen Etiketten ein, nur scheinbar, ebenso gutes Produkt für möglicherweise weniger Geld anbietet. So ist die Scheinqualität immer im Vorteil.

  • Barillas überraschende Einsicht 05.09.2008 | Eigentlich sollte das aktuelle abgespeist-Produkt nicht das Bertolli-Pesto von Unilever sein, sondern das „Pesto alla Genovese“ des Nudelkonzerns Barilla. Der warb im Internet für sein Pesto mit „kunstgerechter“ Vermengung von Pinienkernen und Olivenöl. Obwohl das Pesto gar keine Pinienkerne und nur zu 3 Prozent Olivenöl enthielt. Warum das Unternehmen so irreführend wirbt, wollte foodwatch per Fax von Barilla wissen. Prompt änderte Barilla seine Homepage. Nun ist wahrheitsgemäß von Cashewnüssen die Rede. Immerhin - ein Schritt in die richtige Richtung, der zeigt: Es lohnt sich, der Industrie auf den Zahn zu fühlen.

E-Mail-Aktion an Unilever eingestellt

Mit traditionellem Pesto hat die Bertolli-Soße nicht viel gemein. Unilever will dennoch an dem Premium-Schwindel festhalten – trotz 5.200 Verbraucherbeschwerden.

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