„Was Deutschland von Großbritannien lernen kann“

21.09.2016

Eine umfassende Marktstudie von foodwatch zeigt: Mehr als jedes zweite „Erfrischungsgetränk“ in Deutschland ist überzuckert. Übermäßiger Konsum von Zuckergetränken kann verheerende gesundheitliche Folgen haben. Andere Länder wie Großbritannien oder Chile haben das Problem längst erkannt.

Ein Kommentar von Oliver Huizinga von foodwatch. 

Deutschland ist eines der Länder mit dem weltweit höchsten Pro-Kopf-Verbrauch an zuckergesüßten Getränken. Mit fatalen Folgen: Schon ein Zuckergetränk am Tag erhöht das Risiko für Übergewicht, Typ-2-Diabetes und andere Krankheiten. Allein durch Fettleibigkeit entstehen in Deutschland jährliche Folgekosten von 63 Milliarden Euro! Aktuell ist jeder vierte Erwachsene und jeder zehnte Jugendliche in Deutschland fettleibig. Die Industrie trägt eine Mitschuld daran, denn viele Getränke sind maßlos überzuckert. 

foodwatch-Studie: Viele „Erfrischungsgetränke“ überzuckert

foodwatch hat in einer umfassenden Marktstudie „Erfrischungsgetränke“ in Deutschland untersucht. Das Ergebnis: Der Großteil der Getränke ist überzuckert. Knapp 60 Prozent enthalten mehr als fünf Prozent Zucker. Umgerechnet sind das mehr als vier Stück Würfelzucker je 250ml-Glas! Das ist viel zu viel! Doch freiwillig wird die Industrie ihre Rezepturen nicht verbessern. Die Hersteller brauchen Anreize, den Zuckeranteil zu senken. Andere Länder zeigen, wie das gehen kann.

Großbritannien macht es vor

In Großbritannien muss die Industrie für überzuckerte Getränke ab 2018 Abgaben zahlen. Ein klares Signal: Entweder reduzieren die Hersteller den Zuckeranteil oder sie werden zur Kasse gebeten. Mit den Einnahmen in dreistelliger Millionenhöhe soll gesundes Schulessen finanziert werden. Finnland, Mexiko und Frankreich haben ähnliche Regeln erlassen. Chile hat zudem an Kinder gerichtete Werbung streng reglementiert. Und Deutschland? Der Bundesernährungsminister Christian Schmidt (CSU) hält das für den falschen Weg. Schlimmer noch: Er stellt die Wirksamkeit von Zucker-Abgaben in Frage. Und das, obwohl die Wirksamkeit längst belegt ist. Mit gutem Grund fordern die Weltgesundheitsorganisation, Kinderarzt-Verbände, Diabetes-Organisationen und Herz-Kreislauf-Spezialisten schon lange Werbebeschränkungen wie in Chile und Zucker-Abgaben wie in Großbritannien.

Gesundheitsminister Gröhe muss übernehmen!

Die Bundesregierung muss endlich wirksame Maßnahmen gegen Typ-2-Diabetes und Fettleibigkeit vorlegen. Ein Sozialstaat darf nicht akzeptieren, dass wir alle die milliardenschweren Folgekosten tragen müssen, während „big soda“ – das heißt Coke, Pepsi & Co. – fette Gewinne einstreicht. Wenn sich der Ernährungsminister auf die Seite der Zucker-Barone schlägt, wird es Zeit, dass der Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe sich des Themas annimmt. Er sollte qua Funktion – möchte man meinen –zugänglicher sein für die eindeutigen Forderungen aus der Ärzteschaft.

Oliver Huizinga, foodwatch-Experte für Lebensmittelkennzeichnung und Lebensmittelwerbung

Oliver Huizinga ist der foodwatch-Experte für Lebensmittelkennzeichnung und Lebensmittelwerbung. Er ist auf einem Bauernhof in Niedersachsen aufgewachsen und hat in Berlin Medienmanagement studiert.

Dieser Text ist am 7. September 2016 als Gastbeitrag im Weser Kurier erschienen. 


Zucker runter in Limo!

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In Großbritannien müssen Hersteller überzuckerter Getränke ab 2018 eine Abgabe zahlen, mit der gesundes Schulessen finanziert wird. Diesem Beispiel sollte Deutschland folgen! Mehr erfahren

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