Pressemitteilung 26.09.2016

Presse-Statement: foodwatch zur Hygiene-Ampel in NRW und der „Remmel-Semmel“-Protestaktion der Bäcker-Lobby

Bäckerbetriebe in Nordrhein-Westfalen protestieren mit einer PR-Aktion gegen die von Verbraucherminister Johannes Remmel geplante sogenannte Hygiene-Ampel: Auf tausenden bedruckten Brötchentüten kritisieren sie das Transparenzsystem als „irreführend“, „einseitig“ und „unberechtigt“, zudem sei die Veröffentlichung der Ergebnisse von amtlichen Hygienekontrollen „nur eine Momentaufnahme“. 

Dazu stellt Johannes Heeg von der Verbraucherorganisation foodwatch klar:

„Die PR-Aktion der Bäcker-Lobby ist ein Täuschungsversuch am Frühstückstisch. Die Veröffentlichung aller Lebensmittelkontrollergebnisse ist gut für die Verbraucherinnen und Verbraucher – und für die Betriebe: Verbraucherinnen und Verbraucher haben ein Recht zu erfahren, welche die Schmuddelbetriebe sind. Und für alle sauber und ehrlich arbeitenden Bäckereien wäre eine grüne Ampel die beste Werbung

Dänemark veröffentlicht seit mehr als zehn Jahren alle Lebensmittelkontrollergebnisse – und sowohl die Verbraucherinnen und Verbraucher als auch die Betriebe sind begeistert. Das Vertrauen in die Lebensmittelüberwachung ist sogar gestiegen.“ 

Die Argumente von foodwatch: 

Anders als auf den „Remmel-Semmel“-Brötchentüten behauptet, ist …

  • die Hygieneampel nicht irreführend:  Wenn 95% der Betriebe sich tatsächlich nichts vorzuwerfen haben, wird die Ampel bei 95% der Betriebe grün leuchten und den Verbrauchern anzeigen, dass es sich hier um sauber arbeitende Betriebe handelt. Allerdings haben die Verbraucher das Recht zu erfahren, wer die 5% der anderen Betriebe sind.
  • die Bewertung nicht einseitig: Die Kontrollen und die Einstufung in das Ampelsystem erfolgt von ausgebildeten, staatlichen Lebensmittelkontrolleuren nach objektiven Kriterien. Was genau beanstandet wurde, wird in dem Kontrollbericht dokumentiert. 
  • die Einstufung nicht unberechtigt: Wenn ein Betrieb hygienisch einwandfrei arbeitet, wird er mit grün bewertet. Ist die Dokumentation lückenhaft, reichen die dafür vergebenen Minuspunkte nicht aus, um den Betrieb herabzustufen und nur noch eine gelbe Bewertung zu vergeben. Der Betrieb müsste schon keinerlei Dokumentation über Personalhygiene, Reinigungsmaßnahmen, Schädlingsbekämpfung etc. führen, um nicht mehr grün bewertet zu werden – in einem solchen Fall wäre die gelbe Ampel gerechtfertigt.
  • die Ampel keine Momentaufnahme: Betriebe sind verpflichtet, Hygienegesetze jederzeit einzuhalten – und nicht nur an manchen Tagen. 

Hintergrund – die Argumente der Bäcker-Lobby:

160 Betriebe im Verband des Rheinischen Bäckerhandwerks taufen zurzeit ihre normalen Brötchen in „Remmel-Semmel“ um und lassen auf 800.000 Brötchentüten folgende Botschaft aufdrucken:

„Herr Remmel, so geht’s nicht! Mit der Hygieneampel helfen Sie nicht den Verbrauchern und schaden unseren Betrieben Aber warum…? Die Hygieneampel…

- Ist irreführend, denn ca. 95% unserer Handwerksbäckereien arbeiten hygienische auf höchstem Niveau,

- Ist einseitig, denn ein einzelner Kontrolleur entscheidet – und handfeste, objektive Kriterien fehlen einfach,

- Leuchtet unberechtigt nicht mehr grün, wenn ein Betrieb hygienisch völlig einwandfrei ist, aber die Dokumentation fehlt,

- Ist nur eine Momentaufnahme und sagt nicht unbedingt etwas über die grundsätzliche Hygiene im Betrieb aus.

Wir wollen eine positive, motivierende Auszeichnung…

- Für Betriebe mit einem überdurchschnittlichen Hygienestandard,

- In Gold für Betriebe mit herausragendem und absolut beispielhaftem Hygienestandard

...im Interesse unserer Kunden.“