Irreführende Ashwagandha-Werbung: foodwatch mahnt ESN, Naturally You und More Nutrition ab
Ashwagandha soll gegen Stress helfen, den Schlaf verbessern und für mehr innere Balance sorgen – zumindest, wenn man ESN, Pamela Reif (Naturally You) und More Nutrition glaubt. foodwatch Deutschland hat die drei Unternehmen wegen irreführender Gesundheitswerbung abgemahnt. Die Hersteller werben mit unzulässigen Gesundheitsversprechen und verschweigen oder verharmlosen dabei dokumentierte Risiken bis hin zu Leberschäden.
Stress, schlechter Schlaf, innere Unruhe? Auf Social Media wird Ashwagandha als natürliche Lösung für all das vermarktet – vor allem von bekannten Fitness- und Lifestyle-Marken. foodwatch hat drei besonders reichweitenstarke Anbieter abgemahnt. Konkret geht es um die Produkte „Ashwa+“ von ESN, „Mental Balance“ von Naturally You (Pamela Reif) und die „Ashwagandha Sticks“ von More Nutrition. Die Hersteller bewerben diese mit Aussagen zu Stress, Schlaf oder emotionaler Stabilität. Ashwagandha ist ein sogenannter Botanical, also ein pflanzlicher Inhaltsstoff. In der EU sind Gesundheitsversprechen zu Botanicals grundsätzlich verboten, sofern sie nicht ausdrücklich zugelassen sind. Für Ashwagandha gibt es keine zugelassenen Health Claims, die Aussagen zu Stress, Schlaf oder emotionaler Balance rechtfertigen.
Gesundheitsrisiken bekannt, Warnhinweise kaum sichtbar
Aswagandha ist kein harmloses Wellness-Add-on. Das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) warnt seit Jahren vor möglichen Nebenwirkungen – von Übelkeit über Kopfschmerzen bis zu Effekten auf Hormon- und Immunsystem. Besonderen Anlass zur Vorsicht geben Fallberichte über Leberschäden. Das BfR rät insbesondere Schwangeren, Stillenden und Kindern von der Einnahme ab und sieht auch bei Menschen mit bestehenden oder früheren Lebererkrankungen besondere Risiken.
Besonders problematisch: Genau dort, wo Konsument:innen sie erwarten würden – in Instagram-Posts, auf der Verpackung, auf der Produktseite – fehlen bei den abgemahnten Produkten entscheidende Sicherheitsinformationen. Wenn überhaupt vorhanden, stehen Warnhinweise für Risikogruppen meist nur ganz unten auf der Website oder in schwer auffindbaren Blogartikeln. Wer also ein Produkt aufgrund eines Instagram-Posts kauft, bekommt die entscheidende Sicherheitsinformation gar nicht zu Gesicht.
Keine sichere Menge bekannt – trotzdem hoch dosiert
Polen hat für Withanolide, die wirksamsten Bestandteile von Ashwagandha, eine tägliche Höchstmenge von 10 Milligramm festgelegt. Alle drei abgemahnten Produkte liegen deutlich darüber: ESN „Ashwa+" enthält in der empfohlenen Tagesdosis 30 Milligramm Withanolide – das Dreifache. In einem Blogbeitrag auf seiner Website nennt ESN sogar die sechsfache Menge. Besonders weit geht ESN bei Aussagen zur Schilddrüsengesundheit: In einem Blogbeitrag wird Ashwagandha ein positiver Einfluss bei Schilddrüsenunterfunktion zugeschrieben – obwohl Hinweise darauf bestehen, dass der Stoff die normale Schilddrüsenhormonproduktion auch negativ beeinflussen kann. So entsteht der Eindruck, das Nahrungsergänzungsmittel könne fast wie ein Medikament eingesetzt werden.
„Mental Balance" von Pamela Reif und die „Ashwagandha Sticks" von More Nutrition kommen in der empfohlenen Tagesdosis auf jeweils 15 Milligramm, also anderthalbmal so viel wie in Polen erlaubt. Ausgerechnet bei einem Stoff mit dokumentierten Risiken für Leber, Hormon- und Immunsystem, für den bislang keine gesundheitlich unbedenkliche Menge festgelegt werden konnte, wird also eher großzügig als vorsichtig dosiert.
Für foodwatch zeigt der Fall ein grundsätzliches Problem: Nahrungsergänzungsmittel können als harmlose Lifestyle-Produkte vermarktet werden, obwohl Nutzen und Langzeitwirkungen nicht ausreichend geklärt sind und zugleich Sicherheitsbedenken bestehen.
foodwatch fordert: Von den Herstellern fordert foodwatch ein Ende der irreführenden Werbung: Solange es kein Verbot von Ashwagandha gibt, müssen Werbung und Produkte mit entsprechenden Warnhinweisen versehen werden. Von Politik und Behörden fordert foodwatch eine wirksame Kontrolle gesundheitsbezogener Werbung in sozialen Medien, ein verpflichtendes Zulassungsverfahren für Nahrungsergänzungsmittel sowie verbindliche Höchstmengen für die Wirkstoffe. Solange diese fehlen, bleiben Konsument:innen der Industrie weitgehend schutzlos ausgesetzt.
Quellen und weiterführende Informationen
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Ixoreal Biomed / KSM-66 Ashwagandha: „Science – Clinical Studies.“ (abgerufen am 19.08.2026)
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ESN: „Ashwagandha: Wirkung & Nebenwirkungen der Schlafbeere.“ (abgerufen am 19.08.2026)
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Naturally Pam / Naturally You: „Mental Balance.“ (abgerufen am 19.08.2026)
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More Nutrition: „More Ashwagandha Sticks.“ (abgerufen am 19.08.2026)