Ein neuer EU-Bericht verschärft den Babymilch-Skandal: In sieben Ländern wurden erkrankte Säuglinge gemeldet – auch in Österreich. Gleichzeitig räumen die Behörden Überwachungslücken ein. foodwatch fordert daher: Behörden müssen Betroffene aktiv informieren und klare Meldewege schaffen.
Sieben Länder melden erkrankte Babys – auch Österreich betroffen
Die gestern veröffentlichte gemeinsame Analyse des Europäischen Zentrums für die Prävention und Kontrolle von Krankheiten (ECDC) und der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) bringt neue Brisanz in den europaweiten Rückruf von Babymilchprodukten.
Laut dem Bericht wurden Fälle von Säuglingen mit Symptomen einer Cereulid-Vergiftung nach dem Konsum von Säuglingsnahrung gemeldet in:
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Österreich: 4 Fälle von kranken Babys wurden gemeldet, in einem Fall wurde das Toxin in dem Milchpulver festgestellt
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Belgien: 8 Babys wurden positiv getestet.
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Dänemark: 32 Fälle von kranken Babys wurden den Behörden gemeldet.
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Frankreich: 11 betroffenen Babys mussten im Krankenhaus behandelt werden.
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Luxemburg: 3 Fälle von kranken Babys wurden von den Behörden im Zusammenhang mit den Rückrufen genauer untersucht.
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Spanien: 41 kranke Babys, die später zurückgerufene Nahrung getrunken hatten, wurden an die Behörden gemeldet
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Vereinigtes Königreich: 44 Babys mit Symptomen nach dem Trinken der betroffenen Nahrung wurden gemeldet
In mehreren Ländern wurde dabei ein Zusammenhang mit Babymilch-Produkten festgestellt, in denen Cereulid nachgewiesen wurde.
Damit geraten Aussagen aus der Industrie, es seien „keine Krankheitsfälle bestätigt“, endgültig ins Wanken.
EU-Behörden geben zu: Diagnostik schwierig – Dunkelziffer wahrscheinlich
Besonders alarmierend: ECDC und EFSA räumen offen ein, dass „diagnostische Schwierigkeiten und eingeschränkte Überwachungssysteme“ die offizielle Bestätigung von Fällen erschweren.
Das bedeutet: Selbst wenn Babys erkranken, werden viele Fälle möglicherweise gar nicht als Verdachtsfälle erkannt, nicht untersucht und nicht offiziell erfasst. Eine hohe Dunkelziffer ist wahrscheinlich.
Umso wichtiger ist, dass die Behörden aktiv auf Eltern zugehen, betroffene Fälle umfassend dokumentieren und schnellstmöglich untersuchen.
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Österreich: EU-Bericht nennt vier Fälle – bei foodwatch rund 200 Meldungen
Für Österreich führt der EU-Bericht vier gemeldete Fälle an. Wie diese Zahl zustande kommt, ist allerdings völlig unklar – denn bei uns haben sich bereits deutlich mehr Betroffene gemeldet, rund 200 Familien. Uns erreichen täglich E-Mails und Anrufe von besorgten Eltern, die von den schweren Symptomen ihrer Babys berichten.
Besonders besorgniserregend: Unter diesen Meldungen gibt es auch Hinweise auf Erkrankungen nach der Einnahme von Produkten, die nicht offiziell zurückgerufen wurden. Hier bleiben bei den Eltern aktuell noch viele Fragen unbeantwortet.
foodwatch fordert: Behörden müssen Betroffene aktiv erreichen
foodwatch fordert von den Gesundheitsbehörden eine klare Kursänderung im Umgang mit solchen Krisen:
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proaktive Kommunikation statt Abwarten
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leicht auffindbare Meldewege
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verständliche Kriterien, wann ein Verdacht vorliegt
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konkrete Anweisungen, was Eltern im Ernstfall tun sollen
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systematische Erfassung und Prüfung aller Verdachtsfälle
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öffentliche Transparenz, wie viele Fälle gemeldet und untersucht wurden
Zahlreiche betroffene Familien wissen nicht, an wen sie sich wenden sollen und werden so von den Behörden einfach ignoriert.
Wichtig: Produkte nicht zurückgeben – Beweise sichern
Auch wenn die Hersteller Eltern dazu auffordern: Betroffene Produkte sollten nicht zurückgegeben oder entsorgt werden. Denn damit können keine Beweise mehr gesichert werden.
Wer vermutet, dass Krankheitssymptome des Kindes mit zurückgerufener Säuglingsmilch zusammenhängen könnten, sollte:
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die Dose unbedingt aufbewahren
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nichts wegwerfen oder zerstören
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Verpackung, Chargennummer und Kaufbelege sichern
Denn: Betroffene haben ein Recht darauf, dass Verdachtsfälle nachvollziehbar geprüft werden können.
foodwatch bleibt dran
Der EU-Bericht zeigt deutlich: Der Babymilch-Skandal ist nicht vorbei – im Gegenteil. Die Zahl der offiziell gemeldeten Fälle ist höchstwahrscheinlich nur die Spitze des Eisbergs.
Wir werden weiterhin Druck machen, damit alle Verdachtsfälle ernst genommen, untersucht und transparent kommuniziert werden
Dein Baby ist betroffen oder du hast Hinweise für uns?
Der Skandal rund um verunreinigte Babymilch weitet sich aus. Solltest du Hinweise zu Produktrückrufen oder zu anderen Auffälligkeiten haben, melde dich bitte bei uns. Wenn auch du und dein Baby betroffen seid oder wart, kontaktiere uns bitte.