Artikel 05.08.2026

Neuigkeiten im Babymilch-Skandal: Staatsanwaltschaft leitet Ermittlungen gegen Nestlé und Danone ein

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Nachdem foodwatch Strafanzeige gegen Nestlé und Danone gestellt hat, leitet nun die Staatsanwaltschaft Ermittlungen ein. Parallel dazu läuft in Dornbirn der erste Zivilprozess gegen Nestlé. 

Im Fall rund um verunreinigte Babymilch gibt es erfreuliche Nachrichten: Nachdem foodwatch im März Strafanzeige gegen Nestlé und Danone eingebracht hat, kommt nun der nächste Stein ins Rollen: Die Staatsanwaltschaft hat Ermittlungen gegen die beiden Konzerne eingeleitet. foodwatch steht dazu im engen Austausch mit den Behörden, um bestmöglich zur Aufklärung dieses Falles beizutragen.  

Staatsanwaltschaft in Österreich und in Frankreich ermittelt 

Die Staatsanwaltschaft Wien hat Ermittlungen im Fall Nestlé aufgenommen. In der Causa Danone ermittelt die Staatsanwaltschaft Innsbruck. Auch in Frankreich laufen bereits Ermittlungen. Diesen ging ebenfalls eine Strafanzeige von foodwatch voraus. Die aufgenommenen Ermittlungen in Österreich sind nun ein wichtiger erster Schritt, um den Fall auch hierzulande juristisch aufzuklären. 

Familie klagt Nestlé in Dornbirn 

Eine betroffene Familie hat in Dornbirn Klage gegen Nestlé eingebracht. Ende des Jahres 2025 litt ihr Kleinkind an Erbrechen, Atemnot sowie an Gewichtsverlust. Zahlreiche verzweifelte Eltern meldeten foodwatch in den letzten Monaten exakt dieselben Symptome, die im zeitlichen Zusammenhang mit dem Verzehr möglicherweise verunreinigter Babymilch auftraten. Als die betreffende Charge abgesetzt wurde, waren diese Symptome bei dem Kleinkind aus Dornbirn plötzlich weg – auch das wurde uns mehrfach von Eltern berichtet. 

Es ist der erste Zivilprozess, der in Österreich im Fall rund um verunreinigte Babymilch geführt wird. Die betroffenen Eltern erheben Ansprüche gegen den Hersteller nach dem Produkthaftungsgesetz sowie auf Schmerzengeld und Pflegeaufwand. foodwatch steht auch hier mit dem Anwalt der Familie in Kontakt, um den Betroffenen mit umfangreichen Informationen tatkräftig zur Seite zu stehen.  

Neue internationale Recherchen bestätigen fragliche Vorgänge   

Recherchen von Radio France, RTS und RTBF zufolge informierte Nestlé die europäischen Behörden verspätet über die kontaminierten Produkte. Zudem wurden nicht nur in Österreich, sondern auch in Deutschland betroffene Produkte still aus dem Handel genommen. Die EU-Kommission betont, dass ein solcher „stiller Rückruf“ im EU-Recht nicht vorgesehen ist. Bei einem 24 Tage alten Säugling in Frankreich wurden nach dem Konsum kontaminierter Säuglingsnahrung entsprechende Toxine im Stuhl nachgewiesen. Nestlé weist alle Vorwürfe nach wie vor zurück.

Mehrere Hersteller, darunter die Lebensmittelkonzerne Nestlé und Danone, haben Anfang 2026 verunreinigte Säuglingsnahrung in mehr als 60 Ländern zurückgerufen. Auslöser war eine Belastung mit dem Toxin Cereulid. Das kann bei Säuglingen etwa zu Symptomen wie Erbrechen und Durchfall führen, bei hoher Konzentration können tödliche Organschäden auftreten. 

Nestlé hatte das Toxin bereits Ende November 2025 in einem Werk in den Niederlanden festgestellt. Am 16. Dezember 2025 bestätigten österreichische Behörden erstmals belastete Proben in den heimischen Verkaufsregalen. Dennoch erfolgte zunächst nur ein stiller Rückruf über die Weihnachtsfeiertage. Erst am 5. Jänner 2026 wurde die Öffentlichkeit erstmals offiziell informiert. 

Am 28. Jänner 2026 erhielt foodwatch Hinweise darauf, dass auch Danone damit begonnen hatte, betroffene Produkte aus den Regalen zu nehmen – ebenfalls still und ohne umfassende Information der Öffentlichkeit. Um Konsument:innen zu schützen, machte foodwatch diese Hinweise öffentlich und konfrontierte den Konzern mit den Vorwürfen. Daraufhin setzte Danone foodwatch eine Frist und forderte, die veröffentlichten Informationen zu löschen. foodwatch widersetzte sich dieser Aufforderung. Diese Entscheidung erwies sich als richtig: Nur drei Tage später, am 31.01.2026, rief Danone die betroffenen Produkte öffentlich zurück. 

Zahlreiche Säuglinge mussten mit Vergiftungssymptomen im Krankenhaus behandelt werden – einige verweigerten die Nahrungsaufnahme, was zu gefährlichem Gewichtsverlust führte. Besonders belastend für viele Familien war die ausbleibende proaktive Kommunikation der verantwortlichen Unternehmen und Behörden. Unklare Risiken, offene Fragen und fehlende Informationen haben bei vielen Eltern für große Verunsicherung und schlaflose Nächte gesorgt.

foodwatch fungierte von Beginn an als Aufdeckerin in diesem beispiellosen Skandal und gleichzeitig als Anlaufstelle für Betroffene: Seit Bekanntwerden des Skandals haben sich über 220 Konsument:innen bei uns gemeldet. In etwa 90 Fällen besteht ein zeitlicher Zusammenhang zwischen der Einnahme des Produkts und den auftretenden Symptomen.  

Offene Fragen gibt es weiterhin – und das ist für foodwatch inakzeptabel. Wir setzen uns dafür ein, dass der Skandal vollständig aufgeklärt, Verantwortlichkeiten benannt und offenen Fragen beantwortet werden. Seite an Seite mit den betroffenen Familien. Wir schauen den Konzernen genau auf die Finger, sind mit den Behörden in engem Austausch, recherchieren zu den Abläufen, setzen rechtliche Schritte und haben weiterhin ein offenes Ohr für Betroffene. 

Derzeit werden von mehreren Seiten Ermittlungen geführt. Diese können nicht nur neue Erkenntnisse ans Licht bringen, sondern möglicherweise auch weitere rechtliche Schritte für Betroffene eröffnen. foodwatch prüft weiterhin laufend, welche Möglichkeiten betroffenen Konsument:innen offenstehen und wird über neue Entwicklungen und Erkenntnisse umgehend informieren. 

Die aktuellen Geschehnisse stimmen uns aber vorsichtig optimistisch und zeigen, dass sich hartnäckige Aufklärungsarbeit lohnt. Konsument:innen haben ein Recht auf umfassende Transparenz – insbesondere dann, wenn es um die Gesundheit und Sicherheit von Kindern und Säuglingen geht. Sollten sich Verstöße bestätigen, müssen die verantwortlichen Unternehmen dafür zur Rechenschaft gezogen werden! 

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Dafür kämpfen wir von foodwatch jeden Tag. Skandale wie dieser zeigen, wie wichtig unabhängige Aufklärung, Druck auf Unternehmen und rechtliche Schritte sind. Das kostet Zeit, Expertise und Geld.  

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