Viele Produkte sind in Österreich teurer als zum Beispiel im Nachbarland Deutschland. Ein Grund dafür ist der sogenannte Österreich-Aufschlag. In der politischen Debatte wird nun behauptet, unterschiedliche Lebensmittelkennzeichnungen zwischen den Ländern seien daran Schuld – und QR-Codes könnten das Problem lösen. Aber stimmt das?
Immer wieder wird vorgeschlagen, Informationen auf Lebensmitteln künftig digital bereitzustellen – zum Beispiel über QR-Codes. Statt Zutatenliste, Allergenen oder Nährwerttabelle direkt auf der Verpackung lesen zu können sollen Konsument:innen ihr Smartphone zücken und die Informationen online abrufen.
In der politischen Debatte wird diese Idee häufig mit dem EU-Binnenmarkt begründet. Unterschiedliche Kennzeichnungsvorschriften zwischen Ländern würden den Handel angeblich erschweren. Digitale Lösungen könnten Verpackungen vereinheitlichen und so Handelsbarrieren abbauen.
Doch dieses Argument greift zu kurz. Preisunterschiede zwischen Ländern – wie etwa der Österreich-Aufschlag – entstehen vor allem durch Liefer- und Preispolitik von Herstellern, nicht durch mehrsprachige Zutatenlisten. Digitale Kennzeichnung würde daran nichts ändern.
Wenn Zutatenlisten hinter QR-Codes verschwinden
Wie sich digitale Kennzeichnung in der Praxis auswirken kann, zeigt ein aktuelles Beispiel aus Österreich. Bei der Hofer-Backbox, aus der Kund:innen Brot und Gebäck selbst entnehmen, wurden die Zutatenlisten teilweise durch QR-Codes ersetzt. Wer wissen möchte, welche Zutaten im Gebäck enthalten sind, muss den Code scannen oder beim Personal nachfragen.
Beim Lebensmitteleinkauf zählt der schnelle Überblick
Beim Einkauf im Supermarkt werden Entscheidungen oft in wenigen Sekunden getroffen. Konsument:innen vergleichen Produkte direkt im Regal: Welche Zutaten sind enthalten? Gibt es Allergene? Wie hoch ist der Zucker- oder Salzgehalt?
Wenn diese Informationen nur digital verfügbar sind, wird dieser Vergleich deutlich schwieriger. Statt zwei Produkte nebeneinander anzuschauen, müssten Kund:innen mehrere QR-Codes scannen und auf Websites nach den relevanten Angaben suchen. Eine zentrale Funktion der Lebensmittelkennzeichnung – Produkte einfach vergleichen zu können – würde damit verloren gehen.
Hinzu kommt: Digitale Lösungen schaffen neue Hürden. Wer Informationen über QR-Codes abrufen will, braucht ein Smartphone, Internetzugang, genügend Akku und die nötigen digitalen Fähigkeiten. Für viele Menschen ist das keine Selbstverständlichkeit.
Harmonisierung ja – aber nicht auf Kosten der Konsument:innen
Der Österreich-Aufschlag muss weg und dafür braucht es einen funktionierenden EU-Binnenmarkt. Harmonisierung bei der Lebensmittelkennzeichnung kann dafür sinnvoll sein, wenn sie Konsument:innen hilft. Ein Beispiel ist der Nutri-Score: Wäre die Lebensmittelampel in der ganzen EU verpflichtend, könnten Konsument:innen auf einen Blick die Nährwertqualität aller Produkte einschätzen – und gleichzeitig könnte der Handel mit Produkten über Ländergrenzen hinweg erleichtert werden.
foodwatch fordert:
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ein EU-Gesetz gegen territoriale Lieferbeschränkungen
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ein Verbot von Vertragsklauseln und Geschäftspraktiken, die grenzüberschreitenden Einkauf verhindern
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mehr Harmonisierung von Verpackungsregeln, wenn sie Transparenz und Wettbewerb verbessern