Ab 1. Juli 2026 sind Supermärkte verpflichtet, die Senkung der Mehrwertsteuer auf ausgewählte Grundnahrungsmittel an Konsument:innen weiterzugeben. foodwatch wird die Preisentwicklung durch ein eigenes Monitoring genau unter die Lupe nehmen. Schon im Vorfeld zeigte sich ein auffälliges Muster: Bei vielen Eigenmarkenprodukten, insbesondere bei Grundnahrungsmitteln, verlangen die beiden größten Handelsketten in Österreich, BILLA und SPAR, auf den Cent genau dieselben Preise. Das wirft weitere Fragen zum Wettbewerb und zur Marktmacht im Lebensmittelhandel auf.
Ab dem 1. Juli soll die Mehrwertsteuer auf ausgewählte Grundnahrungsmittel von 10 auf 4,9 Prozent gesenkt werden. Diese Maßnahme kostet die Steuerzahlenden rund 400 Millionen Euro. Umso wichtiger ist, dass die Entlastung auch wirklich im Geldbörsel der Menschen ankommt und nicht in intransparenter Preisgestaltung der Supermärkte versickert.
Hast du dich auch schon einmal gefragt, warum Eigenmarken der Händler oft auf den Cent genau gleich viel kosten wie bei der Konkurrenz? Der steigende Marktanteil von Eigenmarken wird im österreichischen Lebensmittelhandel zunehmend zum Problem. Er führt vermehrt zu Abhängigkeiten bei Produzent:innen und gefährdet den Wettbewerb, der sich eigentlich positiv auf die Preise für Konsument:innen auswirken soll. Eigenmarken gewinnen immer mehr Marktanteil im Sortiment und verdrängen andere Marken. Gleichzeitig bleibt die Preisgestaltung in Österreich für Konsument:innen eine Blackbox.
Bei den Grundnahrungsmitteln der Eigenmarken von BILLA und SPAR fällt auf: Viele Produkte weisen auf den Cent genau denselben Preis aus. Das ist für foodwatch ein klares Warnsignal: Funktioniert der Wettbewerb tatsächlich zugunsten der Konsument:innen?
Hier nur einige von vielen Beispielen, die Fragen aufwerfen:
foodwatch kontrolliert mit eigenem Preismonitoring
foodwatch wird die Preisentwicklung in den kommenden Wochen mit einem eigenen Preismonitoring genau beobachten. Das ist besonders wichtig, weil das Preisradar, das die Statistik Austria im Jänner veröffentlicht hat, nicht ausreicht: Es ist unvollständig, unübersichtlich, wenig benutzer:innenfreundlich und hilft Konsument:innen beim konkreten Einkauf im Supermarkt kaum weiter.
Warum Transparenz und Kontrolle so wichtig sind
Bereits in der Vergangenheit hat die Bundeswettbewerbsbehörde (BWB) „erhebliche Schwachstellen im Wettbewerb” am Lebensmittelmarkt festgestellt. Und auch bei der jüngsten Umsetzung von einer gesetzlichen Maßnahme zur Steuererleichterung von Hygieneartikeln und Verhütungsmitteln wurde der Handel scharf kritisiert.
Genau deshalb fordern wir ein wirksames Monitoring bei der Umsetzung der Steuersenkung auf Grundnahrungsmittel und Transparenz durch unabhängige Kontrolle des Handels bei der Preisgestaltung: vom Acker bis in das Regal. Nach wie vor gibt es hierzulande keine unabhängige Preisbeobachtungsstelle, die die Preisgestaltung der Supermärkte im Detail überprüft. Zudem fehlt ein klarer gesetzlicher Rahmen für Vergleichsportale.
Anstieg von Eigenmarken in den Supermärkten
Eine weitere Zunahme von Eigenmarken hätte in Bezug auf den Wettbewerb drastische Auswirkungen: Durch eine Stärkung der eigenen Handelsmarken werden immer mehr mitwerbende Marken verdrängt. Für Konsument:innen kann das langfristig weniger Auswahl, geringere Produktvielfalt und höhere Preise bedeuten. Auch Produzenten laufen Gefahr, einer zunehmenden Abhängigkeit ausgeliefert zu sein. Der Anteil der Eigenmarken im Sortiment steigt laut AMA-Daten von Jahr zu Jahr. Ist das der „starke heimische Wettbewerb”, der laut Handelsverband Konsument:innen „bestmögliche Preise gewährleisten” und „insbesondere Einkommensschwache unterstützt”? foodwatch ist hier skeptisch.
Auch das vom Landwirtschaftsminister eingerichtete Fairness-Büro sieht die zunehmende Einflussnahme der Handelskonzerne durch Eigenmarken kritisch:
Die Eigenmarken der Handelskette verfolgen einen strategischen Zweck, um ihre eigene Marke zu stärken und sich gleichzeitig unabhängiger von Lieferanten zu machen. Gleichzeitig werden etablierte Herstellermarken und ihr Markenwert geschwächt und die Marktmacht der Handelsketten noch weiter konzentriert. Der Anteil der Eigenmarken steigt stetig und dies zeigt auch die Roll-AMA Daten im Jahr 2025 auf rund 64% im Lebensmitteleinzelhandel.
Was foodwatch jetzt fordert:
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Behörden müssen sicherstellen, dass die Steuersenkung auch wirklich bei den Menschen in der Geldbörse ankommt
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Ein Preismonitoring-Tool, das den Menschen im Supermarkt auch wirklich weiterhilft
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eine unabhängige Preisbeobachtungskommission