Artikel 17.07.2026

McDonald's verkauft Energy-„Limonade“ an Kinder

  • Energy Drinks

Seit April gibt es bei McDonald's Österreich ein neues Getränk: den „Tropical Energy Refresher". Beworben wird er mit Slogans, die bei Kindern und Jugendlichen gut ankommen sollen. Aber was steckt wirklich in dem bunten und süßen Getränk? 

Die Website: Transparenz Fehlanzeige 

Auf der Produktseite wird der neue McDonald's Energy Refresher als „erfrischende Limonade" beschrieben – ohne Hinweis darauf, wie viel Koffein enthalten ist. Wer wissen wollte, wie viel Koffein das eigene Kind da trinkt, hatte bis vor Kurzem keine Chance, das herauszufinden. 

Erst nachdem foodwatch bei McDonald's – angefragt hat, kam Bewegung in die Sache. McDonalds teilte uns den Koffeingehalt mit und gab an, die Kennzeichnung ab jetzt zu verbessern: 

Im Zuge einer internen Überprüfung haben wir festgestellt, dass der Hinweis zum erhöhten Koffeingehalt bei diesem Produkt auf einzelnen Kanälen zu ergänzen ist. Die entsprechenden Anpassungen wurden bereits umgesetzt (Website) bzw. werden aktuell durchgeführt (Bestellkiosk). – McDonald's, 08.07.2026.  

Die Zahlen: Zucker und Koffein im McDonalds Energy Refresher 

Der Tropical Energy Refresher enthält 31 mg Koffein pro 100 ml, das macht 93 mg pro Becher (300 ml). Das ist mehr als in einer handelsüblichen Dose Red Bull, die auf 250 ml 80 mg Koffein enhält. Ein durchschnittlicher, normalgewichtiger 12-Jähriger sollte laut wissenschaftlichen Richtwerten täglich maximal 120 mg Koffein zu sich nehmen, ein einziges Getränk deckt also fast 80 Prozent davon ab. Dazu kommen 15 g Zucker pro Becher, mehr als die Hälfte der empfohlenen Tageszuckermenge von 25 g für 10- bis 13-Jährige. 

Die Werbung: jugendliche Sprache und vertraute Markenwelt 

Beworben wird das Getränk mit Sprüchen wie „Main Character Energy" und „Woke up like this": Es „hittet anders", schreibt McDonald's auf Instagram, in bewusster Jugendsprache. Dazu kommt das auf Kinder abzielende Umfeld: Happy Meal, Gewinnspiele, Spielzeugbeigaben, Kindergeburtstage im Restaurant. McDonald's ist bei Kindern beliebt und genau in dieses Umfeld wird jetzt ein bunter, zuckersüßer Energydrink eingeführt. 

Die Risiken: Was Energydrinks bei Kindern auslösen können  

Besonders für Kinder sind Energydrinks ein Risiko für die Gesundheit. Mediziner:innen warnen seit Jahren vor den möglichen Folgen: Schlafstörungen, Nervosität und Angstzustände, Herzrasen und Herzrhythmusstörungen sowie Konzentrations- und Lernprobleme. Besonders riskant wird es in Kombination: Wird ein Energydrink mit Sport oder körperlicher Anstrengung kombiniert, steigt die Belastung für das Herz-Kreislauf-System zusätzlich. Dennoch werden Energydrinks im großen Stil an Kinder und Jugendliche beworben – und schon die Jüngsten können sie als Trend-Getränk bei McDonald's ohne jede Einschränkung kaufen. 

Der Test: zwei Filialen, drei Minderjährige, keine Nachfrage  

foodwatch hat drei Testkäufer:innen im Alter von acht, elf und 14 Jahren in zwei McDonald's-Filialen in Wien und Umgebung geschickt. Ergebnis: In beiden Filialen bekamen sie den Tropical Energy Refresher ohne jede Nachfrage nach ihrem Alter oder mündlichen Hinweis auf den erhöhten Koffeingehalt. Der Warnhinweis „Erhöhter Koffeingehalt (31 mg/100 ml). Für Kinder und schwangere oder stillende Frauen nicht empfohlen“ war zwar mittlerweile auf den Werbetafeln im Restaurant vorhanden, aber in sehr kleiner Schrift, kaum zu bemerken. Beim Bestellvorgang an den digitalen Bestellsäulen steht neben dem Produkt zwar „enthält Koffein“, der genaue Koffeingehalt oder der Warnhinweis fehlt aber komplett. Auch bei Testkäufen von foodwatch Deutschland bei einem vergleichbaren McDonalds-Energydrink konnten Teenager das Getränk problemlos bestellen.  

Nur, wenn sie vorverpackt sind. Enthält ein Getränk mehr als 150 mg Koffein pro Liter, muss laut EU-Lebensmittelinformationsverordnung der Hinweis "Erhöhter Koffeingehalt. Für Kinder und schwangere oder stillende Frauen nicht empfohlen" inklusive Koffeingehalt pro 100 ml auf der Verpackung stehen, etwa auf der Dose im Supermarkt. Wird ein Getränk dagegen lose ausgeschenkt, wie im Becher bei McDonald's, greift diese Pflicht nach aktueller Rechtslage nicht in gleicher Weise. Derselbe Koffeingehalt, aber nur eine der beiden Verkaufsformen verpflichtet zur Transparenz und Warnung. 

Ja, aktuell schon. Es gibt in Österreich keine gesetzliche Altersbeschränkung für den Verkauf von Energydrinks. Darauf beruft sich McDonald's auch in der Antwort auf unsere Anfrage: „Für den Verkauf koffeinhaltiger Getränke bestehen in Österreich keine gesetzlichen Altersbeschränkungen. Daher gelten für den Verkauf des „Tropical Energy Refresher“ in unseren österreichischen Restaurants keine altersbezogenen Verkaufsbeschränkungen." Und weiter: „Da für das Produkt keine gesetzliche Altersbeschränkung besteht, gibt es in unseren österreichischen Restaurants keine Altersgrenze für den Erwerb und dementsprechend auch keine Alterskontrollen." Unser Test in Wien zeigt, was das in der Praxis bedeutet. 

Der Verkauf von Energydrinks ist in folgenden Ländern erst ab einem bestimmten Alter erlaubt: In Lettland, Litauen, Polen, Rumänien, Bulgarien und Ungarn kann man Energydrinks erst ab 18 Jahren kaufen. In Norwegen ab 16 Jahren. In Spanien und Großbritannien wird auch gerade an gesetzlichen Regelungen dafür gearbeitet. In Österreich gibt es immer wieder politische Diskussionen zu einer Altersgrenze, passiert ist aber noch nichts. 

Lebensmittelindustrie ignoriert Verantwortung: Gesetzliche Regelung dringend nötig 

Das aktuelle Beispiel des McDonald's Energy Refresher zeigt: Die Lebensmittelindustrie ist sich keiner Verantwortung bewusst. Selbst McDonald’s als Restaurant mit Familien-Image beruft sich lediglich auf die gesetzlichen Regelungen, anstatt selbst Verantwortung zu übernehmen. Und genau diese Regelungen fehlen in Österreich. Denn hierzulande können schon die kleinsten Kinder Energydrinks überall kaufen. Setzen wir dem endlich ein Ende. Unterschreibe jetzt unsere Petition für eine Altersgrenze! 

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