foodwatch Österreich ruft Sugar-Overload-Day aus: Zucker-Jahresbudget bereits aufgebraucht
Am 3. August haben Menschen in Österreich rechnerisch schon so viel freien Zucker konsumiert, wie laut WHO für ein ganzes Jahr vertretbar wäre
Der 3. August markiert den sogenannten Sugar-Overload-Day für Österreich. An diesem Tag haben Menschen hierzulande rechnerisch bereits so viel freien Zucker konsumiert, wie die Weltgesundheitsorganisation (WHO) für ein ganzes Jahr empfiehlt. Alles, was von jetzt an bis Silvester noch an Zucker konsumiert wird, ist damit rechnerisch zu viel. Erwachsene in Österreich nehmen im Schnitt täglich knapp 92 Gramm freien Zucker zu sich – fast doppelt so viel wie die empfohlenen rund 50 Gramm. foodwatch Österreich sieht die Politik in der Verantwortung und fordert eine Steuer auf zuckerhaltige Getränke. Zusätzlich stellt die Organisation ab sofort einen Online-Rechner bereit, mit dem jede Person ihren persönlichen Sugar-Overload-Day ermitteln kann.
Gesundheitliche und wirtschaftliche Folgen im Überblick
Die Folgen der Überzuckerung sind gravierend: Bereits jeder dritte Bub und jedes vierte Mädchen im Volksschulalter ist von Übergewicht oder Adipositas betroffen, rund 70 Prozent davon bleiben es auch im Erwachsenenalter. Für Kinder fehlt in Österreich zudem eine verlässliche Datengrundlage zur tatsächlichen Zuckeraufnahme – ein eigener Sugar-Overload-Day für Kinder lässt sich deshalb derzeit nicht berechnen. Auch wirtschaftlich ist die Bilanz alarmierend: Laut einer IHS-Studie aus 2024 verursacht Adipositas in Österreich jährlich volkswirtschaftliche Kosten von 2,4 Milliarden Euro und 1,24 Millionen Krankenstandstage. Rund 3.950 Menschen sterben jährlich an den Folgen von Adipositas – bis zum heutigen 3. August sind es rechnerisch bereits 2.327 Todesfälle.
Softdrinks als zentraler Treiber
Österreich belegt beim Zuckerkonsum über Softdrinks laut aktuellen Euromonitor-Daten, die foodwatch ausgewertet hat, den zweiten Platz unter den zehn bevölkerungsreichsten westeuropäischen Ländern – nur knapp hinter Deutschland. Schon 500 ml Cola decken mit rund 53 Gramm Zucker die täglich empfohlene Höchstmenge der WHO. Auch der Zuckerkonsum über Energydrinks ist seit 2011 um mehr als 50 Prozent gestiegen.
Eigenen Sugar-Overload-Day per Online-Rechner ermitteln
Um den eigenen Zuckerkonsum im Verhältnis zum statistischen Durchschnittswert greifbar zu machen, hat foodwatch Österreich einen Online-Rechner entwickelt: Nutzer:innen wählen ein Vergleichsprofil (Ø Österreich, Frauen- oder Männer-Richtwert) und schätzen anhand typischer Lebensmittel ihre tägliche Zuckerzufuhr ein. Grundlage sind der österreichische Ernährungsbericht 2017 und die WHO-Empfehlung von maximal zehn Energieprozent aus freiem Zucker. Der Rechner steht ab sofort auf der foodwatch-Website zur Verfügung.
foodwatch fordert: Zucker-Steuer jetzt einführen
Mehr als 100 Länder weltweit, darunter zwölf EU-Mitgliedstaaten, haben bereits eine Steuer auf zuckerhaltige Getränke eingeführt. Zuletzt hat auch Deutschland eine Zuckerabgabe auf süße Getränke beschlossen, die ab 2028 gelten soll. In Großbritannien sank der Zuckergehalt in Softdrinks nach Einführung der Steuer deutlich, weil Hersteller ihre Rezepturen anpassten. Auch eine Studie im Auftrag des österreichischen Gesundheitsministeriums kommt zu dem Ergebnis, dass eine solche Steuer für Österreich sinnvoll wäre und positive Auswirkungen auf die Gesundheit haben würde.
„Der Sugar-Overload-Day zeigt Jahr für Jahr dasselbe Bild: Menschen in Österreich konsumieren deutlich mehr Zucker, als es für ihre Gesundheit vertretbar ist – und die Politik schaut weiter zu. Wir brauchen jetzt eine Steuer, die zuckerhaltige Getränke unattraktiver macht und Hersteller zur Rezeptur-Änderung bewegt“, fordert Miriam Maurer, Campaignerin bei foodwatch Österreich.
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