Lachs mit Siegel und Tracking-Code wirkt vertrauenswürdig. Doch eine neue foodwatch-Recherche in österreichischen Supermärkten zeigt: In den meisten Fällen bleibt für Konsument:innen verborgen, von welcher Farm ihr Fisch tatsächlich stammt – ein Zustand, der bei den zahlreichen Berichten über massive Missstände in der Lachszucht, inakzeptabel ist. foodwatch fordert deshalb strengere Regeln für die Label ASC und GGN.
Wer im Supermarkt zu Lachs mit Siegel, Code oder Tracking-Tool greift, erwartet Transparenz. Genau dieses Versprechen haben wir getestet. foodwatch hat in österreichischen Supermärkten 84 Lachsprodukte untersucht. Das Ergebnis ist ernüchternd: Nur drei Produkte waren eindeutig bis zu einer einzigen Fischfarm rückverfolgbar. Bei 55 Produkten, die per Label, Code oder Online-Tool den Eindruck vermittelten, die Herkunft lasse sich überprüfen, scheiterte die eindeutige Rückverfolgung. 26 Produkte boten überhaupt keine konkrete Möglichkeit, die Herkunft des Fisches nachzuverfolgen.
Auf den insgesamt 58 Produkten mit Transparenzversprechen fanden sich unterschiedliche Systeme zur Rückverfolgung – darunter bekannte Labels wie GGN (37 Produkte) und ASC (9 Produkte), aber auch händlereigene oder markeninterne Tools. Gerade Siegel wie GGN werben damit, Konsument:innen über 13-stellige Codes Transparenz zu bieten. Auch ASC verspricht mit seiner „Chain-of-Custody“-Zertifizierung die Rückverfolgbarkeit der gesamten Lieferkette.
Der foodwatch-Produktcheck
Unsere Recherche zeigt jedoch: Dieses Transparenzversprechen scheitert in der Praxis oft genau dort, wo es für Konsument:innen entscheidend wird – bei der Frage, von welcher konkreten Farm der Fisch tatsächlich kommt.
Faule Fische: Das Leid in der Lachsindustrie
Warum diese Transparenz so wichtig ist, zeigt der Blick auf die Zustände in den Produktionsländern. foodwatch hat im Report „Faule Fische“ Daten aus Behördenberichten, Studien und Medienberichten ausgewertet. Demnach überlebte 2023 in Norwegen jeder vierte Junglachs die Vorzucht nicht. Während der marinen Phase, also der Aufzucht im Meer, verendete jeder sechste Lachs noch bevor er überhaupt geschlachtet werden konnte. Insgesamt starben mindestens 100 Millionen Zuchtlachse in einem Jahr. Immer wieder werden skandalöse Vorkommnisse von einzelnen Aquafarmen und Produzenten bekannt.
Die Veröffentlichungen zeigen: Diese Zustände sind keine Randerscheinung. Sie sind Ausdruck eines Systems, das auf maximale Produktion setzt und massive Verluste mit einkalkuliert. Genau deshalb ist Transparenz so wichtig: Wenn Konsument:innen nicht einmal erfahren können, wo ihr Fisch erzeugt wurde, können sie auch nicht erkennen, ob ihr Produkt aus einem Betrieb mit dokumentierten Problemen stammt. Labels, die Verantwortung, Transparenz und Vertrauen versprechen, müssen sich daran messen lassen. foodwatch fordert deshalb jetzt Konsequenzen von den Labelhaltern ASC und GGN.
foodwatch fordert:
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Konsument:innen müssen leicht und zuverlässig herausfinden können, von welcher Farm ihr Fisch stammt. Dazu braucht es echte Rückverfolgbarkeit bis zum einzelnen Betrieb – statt Systeme, die nur Händler oder wechselnde Gruppen von Produzenten anzeigen.
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Kontrollen müssen unangekündigt und unabhängig stattfinden. Vorangekündigte Audits laden dazu ein, Probleme zu kaschieren.
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Farmen mit dokumentiertem Massensterben müssen ihre Zertifizierung verlieren. Dafür brauchen ASC und GGN verbindliche, strenge Sterblichkeitsgrenzen – und einen automatischen Label-Entzug, wenn diese überschritten werden.
Denn ein Siegel darf kein Beruhigungsetikett sein. Wer mit Transparenz und Verantwortung wirbt, muss diese Versprechen auch einlösen.
Unterzeichne jetzt unsere Petition an ASC und GGN:
Lachsprodukte müssen endlich wirklich rückverfolgbar, Kontrollen unangekündigt und transparent und massenhaftes Fischsterben konsequent sanktioniert werden.