Artikel 29.11.2025

Lachs in Österreich: Neue Recherche zeigt Tierleid und wenig Transparenz

  • Tierhaltung
Per Jacob Blut

Lachsfilet, Räucherlachs, Sushi – Lachs ist für viele in Österreich ein fixer Teil der Küche. Dafür werden jedes Jahr rund 9.000 Tonnen Lachs importiert. Doch eine neue foodwatch-Recherche zu den Zuständen in den großen Exportländern Norwegen und Schottland macht deutlich: Hinter vielen Produkten steckt ein System, in dem Tierleid einkalkuliert ist. Und ein Rückverfolgungssystem, das Konsument:innen im Dunkeln lässt. 

Was vor Norwegens Küste passiert 

Eine Szene, die so erst im September vor der Küste Norwegens von den Behörden beobachtet wurde: Tote Lachse treiben im Wasser. Ein Boot fährt hinaus und sammelt die verendeten Tiere ein – nicht, um sie zu entsorgen, sondern um daraus Lebensmittel zu machen. Diese Produkte können auch in Österreich landen. Hoffentlich ein Einzelfall, der aber Teil eines industriellen Systems ist, das auf Masse, Tempo und Profit ausgerichtet ist – auf Kosten der Tiere. 

Brutale Realität in der Zucht 

foodwatch hat die Lachsindustrie und besonders den Konzern Mowi, den weltweit größten Produzenten, genauer untersucht. Alleine die aufgedeckten Skandale der letzten Monate zeichnen ein klares Bild: 

  • Misshandlungen in der Produktion: 2025 wurden Videos publik, die zeigen, wie Lachse auf einer Mowi-Farm gequält und getötet werden – durch Schläge, Ersticken oder unsachgemäße Elektrobetäubung. 

  • Massentod bei Entlausungen: Eine „Entlausungsmaßnahme“ endete zuletzt im Desaster: Knapp 200.000 Tiere starben bei einem einzigen Vorgang. 

  • Parasiten- und Krankheitsdruck als Dauerzustand: Die Haltung in riesigen Netzkäfigen im Meer fördert Parasitenbefall und Krankheiten. Für die Tiere bedeutet das oft langes Leiden, bevor sie sterben oder geschlachtet werden. 

Diese Vorfälle zeigen, wie das System funktioniert: hohe Besatzdichten, maximaler Output, hoher Preisdruck und Lebewesen, die dabei zur reinen Ware werden. 

Output, hoher Preisdruck und Lebewesen, die dabei zur reinen Ware werden. 

Wenn Netze reißen, endet das Leid nicht im Käfig 

Die Recherche dokumentiert außerdem massive Risiken für die Umwelt. Im Oktober entkamen 75.000 Zuchtlachse aus einer Mowi-Farm in Schottland. Das klingt nach Freiheit, bedeutet aber ein ökologisches Problem: 

Zuchtlachse tragen häufig Parasiten und Krankheiten. Entkommen sie aus den Käfigen, gelangen diese Erreger in freie Gewässer und können Wildlachse anstecken. Das Leid bleibt nicht in der Farm – es wird zur Gefahr für ganze Meeresregionen. 

Rückverfolgbarkeit im Supermarkt: oft nur ein leeres Versprechen 

Auf vielen Packungen steht, man könne die Herkunft über Codes nachprüfen. foodwatch hat diese Tracking-Systeme in österreichischen Supermärkten in Stichproben getestet. Das Ergebnis: Für Konsument:innen ist es meist kaum möglich, die tatsächliche Farm oder den Produzenten verlässlich herauszufinden. 

Typische Probleme: 

  • Codes liefern widersprüchliche Infos oder führen zu unterschiedlichen Herkunftsangaben. 

  • Mehrere Produzenten gleichzeitig: Teilweise werden bis zu 19 mögliche Produzenten genannt – die konkrete Farm bleibt dadurch im Nebel. 

  • Technisch unzuverlässige Systeme: Manche online aufgerufenen Seiten sind fehlerhaft, unübersichtlich oder schlicht nicht erreichbar. 

  • Auch bei Bio-Lachs fehlt oft die entscheidende Spur: Häufig wird nur das letzte Verarbeitungsland angezeigt, nicht die Farm, auf der die Tiere gehalten wurden. 

Mit anderen Worten: Genau dort, wo Transparenz versprochen wird, endet sie in der Praxis oft. Unsere Konsequenz: Hier reichen keine Stichproben, wir brauchen eine systematische Analyse der Rückverfolgbarkeit. Damit das Leid der Lachse nicht länger versteckt bleibt.  

Weil viele Betriebe mit extrem hohen Besatzdichten arbeiten. Das führt zu Stress, Parasitenbefall und Krankheiten. Maßnahmen wie Entlausungen enden immer wieder in massenhaftem Sterben. Dazu kommen dokumentierte Fälle von Misshandlung.

Nur schwer. Die Herkunft ist oft nicht eindeutig nachvollziehbar, weil Codes und Rückverfolgungssysteme widersprüchlich oder ungenau sind. Genau das hat foodwatch bei Stichproben festgestellt.

Nicht automatisch. Auch bei Bio-Produkten bleibt die Herkunft oft unklar. Häufig steht nur ein Verarbeitungsland auf der Packung. Ohne klare Angabe der Farm lässt sich die Produktion nicht wirklich beurteilen.

Netzkäfige im Meer belasten die Umgebung durch Futterreste, Kot und Chemikalien. Wenn Zuchtlachse entkommen, können sie Krankheiten und Parasiten in die Wildpopulation tragen und diese gefährden. 

Echte Rückverfolgbarkeit bis zur Farm, verlässliche Kennzeichnung im Handel und Standards, die Tierwohl und Umwelt nicht nur versprechen, sondern durchsetzen.