Artikel 07.01.2026

Nestlé ruft Babynahrung zurück: foodwatch fordert volle Transparenz

Nestlé / foodwatch

Nestlé ruft weltweit verunreinigte Säuglingsnahrung zurück. Es geht um Babymilchpulver unter anderem der auch in Österreich erhältlichen Marken Beba, Alfamino. Der Skandal: Nestlé und Behörden haben das Problem scheinbar über Wochen verschwiegen.  

Rund 60 Länder und mehr als 800 Produkte aus über zehn Nestlé-Werken sind von dem Rückruf betroffen. Der Grund: Die Produkte könnten mit dem Toxin Cereulid verunreinigt sein, das bei Babys Erbrechen und Durchfall auslösen kann. Doch das ist nur der halbe Skandal: Nestlé und die Behörden warteten offenbar teilweise Wochen, bevor sie die Öffentlichkeit umfassend informierten. Das ist intransparent, gefährlich und unverantwortlich. Gerade bei Säuglingsnahrung muss jede Minute zählen. 

foodwatch Österreich fordert daher: Alle Informationen müssen sofort auf den Tisch – und es braucht endlich wirksame Strafen für Lebensmittelskandale. 

Was ist passiert? 

Laut foodwatch-Informationen hatte Nestlé die niederländischen Lebensmittelbehörden bereits am 9. Dezember über Cereulid-Funde nach internen Kontrollen in einem Werk in den Niederlanden informiert. Eine öffentliche Warnung blieb dennoch aus. 

Einzelne Rückrufe starteten zunächst nur in wenigen Ländern. Wir von foodwatch haben selbstverständlich sofort, nachdem die ersten Warnungen in anderen Ländern publik wurden, bei der österreichischen Behörde für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) nachgefragt, welche Maßnahmen dazu in Österreich getroffen werden. In der Antwort hieß es damals, es gäbe keinen Österreichbezug. 

Laut eigenen Aussagen des Gesundheitsministeriums ist die Kontamination mindestens seit Weihnachten bekannt. Dennoch wurde erst jetzt – am 5. Jänner – der Rückruf öffentlich gemacht.  

Nestlé und Babynahrungs-Skandale: kein Einzelfall 

Nestlé steht nicht zum ersten Mal wegen seiner Babyprodukte in der Kritik. Wir konnten bereits mit Labortests krebsverdächtige Mineralöl-Rückstände in Nestlé-Säuglingsmilch nachweisen und aktuell muss sich der Hersteller einem Verfahren in den USA wegen Schwermetallen in seiner Babynahrung stellen.  

Viele Fragen offen – wir fragen nach 

foodwatch Österreich hat Nestlé Österreich und die AGES heute schriftlich aufgefordert, folgende Fragen zu beantworten: 

  • Wann wurde die Kontamination zum ersten Mal festgestellt?   

  • In welcher Produktionsstätte hat man die Kontamination festgestellt?   

  • Wann hat das Unternehmen die Kontamination der zuständigen Behörde gemeldet?   

  • Wurde die Kontamination durch Eigenproben des Unternehmens oder durch behördliche Kontrolle festgestellt?   

  • Welche Maßnahmen wurden eingeleitet, abgesehen vom öffentlichen Rückruf?   

  • Um welchen Zulieferer handelt es sich, dessen Produkte die Kontamination verursacht haben?