Artikel 08.06.2022

Juni 2022 – Dreh und Trink: Zuckerwasser für die Kleinsten

foodwatch/Ronald Talasz

Dreh und Trink: „Echte Früchte“ nur in Spuren - Zuckerwasser für die Kleinsten

„Mit echten Früchten“ lässt uns Dreh und Trink wissen, während die Straßenbahn an uns vorbei zieht. Auf der Website versprechen sie uns: „Quellwasser, frische Früchte und fertig!“. Also Wasser, Früchte und sonst nix? Wir haben uns die bunten Flaschen, die laut Hersteller „perfekt für Kinderhände abgestimmt“ sind, genauer angeschaut. Fazit: Echte Früchte gibt’s nur als Fruchtsaftkonzentrat und das nur in Spuren. Dafür reichlich Zucker, kombiniert mit Zusatzstoffen und Aromen. Mit Comic-Tieren wird das Ganze schon an die Kleinsten vermarket.

foodwatch

Bei den heißen Temperaturen will man nur schnell ins Getränkeregal im Supermarkt greifen, ohne sich viel zu überlegen. Früchte auf der Verpackung lassen uns denken: Sehr gut, da ist auch was Gesundes drin. Gerade wenn’s um die Kleinsten geht, ist ein geeigneter Durstlöscher ja wichtig. Doch, was da an Kinder beworben wird, ist oft alles andere als kindgerecht.

„Echte Früchte“ nur in Spuren

Dreh und Trink hat es mit seiner Straßenbahnwerbung im Juni zum Werbeschmäh des Monats geschafft.  Der Werbespruch „Mit echten Früchten“ lässt nach foodwatch Einschätzung mehr erwarten. Tatsächlich sind die beworbenen Früchte nur in Spuren enthalten. Der absurdeste Vertreter ist die Sorte Waldbeere: Gerade einmal 0,1 Prozent Brombeersaft aus Bromebersaftkonzentrat und 0,1 Prozent Heidelbeersaft aus Heidelbeersaftkonzentrat haben es in die Flasche geschafft. Weitere Zutaten: Zucker, Zusatzstoffe und Aromen.

Werbeschmäh - Dreh und Trink

Bildergalerie 08.06.2022

Rauch Yippy und Capri Sun ähnlich süß wie Dreh und Trink

Im Supermarktregal finden sich oft in Greifhöhe der Kleinsten „Frucht“getränke von Herstellern, die ähnlich dreist um die Aufmerksamkeit der Kinder buhlen wie Dreh und Trink. Wir haben uns drei der bekanntesten Vertreter angeschaut. Alle werben zumindest auf den Verpackungen mit Früchten. Die an Kinder gerichtete Marke Yippy von Rauch lockt mit einem Comic-Bären. Capri-Sun ködert die Kids ebenfalls mit Tier-Gesichtern.

Mit 12 Prozent Fruchtsaftkonzentrat ist der Fruchtsaftanteil zwar sowohl bei Yippy als auch bei Capri-Sun höher als bei Dreh und Trink. Im Zuckergehalt stehen sie den bunten Flaschen um nichts nach.

foodwatch/Ronald Talasz

Kindermarketing mit gewichtigen Folgen

Durch gezieltes Marketing wollen Hersteller Kinder möglichst früh an ihre Produkte binden. Süße Getränke versprechen gute Gewinnmargen. Kleine Kinder sollen schon möglichst früh und immer wieder zu dem Zuckerwasser greifen. Aber Marketing für zuckersüße Getränke ist ein gewichtiges Problem: Kinder gewöhnen sich an den süßen Geschmack, wollen mehr davon und kämpfen unter anderem als Folge davon schon früh mit massivem Übergewicht. In Österreich ist fast jedes dritte Kind im Volksschulalter bereits übergewichtig oder sogar adipös.

Für Kinder ungeeignet – Bewerbung für ungesunde Getränke muss gestoppt werden

Für die Bewerbung von Lebensmitteln und Getränken an Kinder gibt es in Österreich keine gesetzlichen Vorgaben. Immer wieder bewerben Hersteller besonders unausgewogene Lebensmittel an Kinder. Um dem Einhalt zu gebieten, hat die österreichische Ernährungskommission im Juni 2021 ein Nährwertprofil verabschiedet. Es gibt einen Rahmen vor, welche Lebensmittel für die Bewerbung an Kinder geeignet sind und welche nicht. Das Nährwertprofil orientiert sich an den Empfehlungen der WHO. Gezuckerte Getränke dürften demnach nicht an Kinder beworben werden. Doch derzeit muss sich kein Hersteller daran halten.

foodwatch fordern die österreichische Bundesregierung auf, endlich einen gesetzlichen Rahmen zum Schutz der Gesundheit der Kinder zu schaffen. Werbung für unausgewogene und ungesunde Lebensmittel darf sich nicht mehr an Kinder richten.

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