Artikel 03.05.2022

Mai 2022 - Mazola Maiskeimöl: Irreführung in „rot-weiß-rot“?

foodwatch/Ronald Talasz

Die Rot-Weiß-Rot-Banderole, der groß abgebildete Maiskolben und der Hinweis „Hergestellt in Österreich“: Die Aufmachung des Mazola Maiskeimöls kann bei Konsument*innen nur allzu leicht den Eindruck erwecken, der Mais käme aus Österreich. Tatsächlich kommen die Maiskörner aber aus allen möglichen Ländern der EU. Österreich ist nur eines von vielen. Auf der Verpackung ist das nirgends zu lesen. Diese Information erhält foodwatch Österreich erst auf Anfrage.

Lebensmittelhersteller bewerben ihre Produkte nicht erst seit der Corona-Pandemie gerne als „österreichisch“. Zahlreiche Verpackungen im Supermarkt locken mit der rot-weiß-roten Flagge. Viele von uns greifen gerne zu heimischen Produkten. Doch nicht immer sind österreichische Rohstoffe in den rot-weiß-rot beworbenen Produkten.

Besonders dreist nützt die Firma Mazola die Vorliebe für heimische Produkte aus. foodwatch findet, dass die Aufmachung des Maiskeimöls zur Irreführung von Konsument*innen geeignet ist. Die Maiskörner stammen aus allen möglichen Ländern. Ein solches Öl mit einer rot-weiß-roten Banderole zu bewerben; viel dreister geht es eigentlich nicht.

Um Klarheit darüber zu bekommen, woher der Mais für das Öl tatsächlich kommt, mussten wir bei Mazola nachfragen. Das haben sie geantwortet: Der Mais stamme aus Europa - zum Beispiel aus Frankreich, Österreich, Italien, Ungarn oder Deutschland. In Österreich findet lediglich die Gewinnung der ölhaltigen Maiskeime sowie die Produktion des Öls statt. Wir haben Rechtsexpert*innen gefragt und herausgefunden: Rein rechtlich ist die Aufmachung des Mazola Maiskeimöls gedeckt. Es geht laut Behörden darum, wo der Maiskeim aus dem Korn geholt wurde. Wo der Mais gewachsen ist, das ist für die Kennzeichnung des Maiskeimöls laut Gesetz egal. Dieses Beispiel zeigt aus unserer Sicht eindeutig, dass die gesetzliche Situation dringend nachgeschärft werden muss.

Was die Behörden uns auch mitgeteilt haben: Hersteller dürfen die Herkunft der Maiskörner sehr wohl freiwillig angeben. Das würde für mehr Transparenz und Klarheit bei uns Konsument*innen sorgen.

foodwatch fordert:

Die Gesetzeslage muss schnell und umfassen nachgebessert werden. Derzeit gibt es bei der EU-weit geltenden Herkunftskennzeichnung von Lebensmitteln, die mit regionaler Herkunft werben, erhebliche Lücken.

Erst Ende April hat die österreichische Bundesregierung angekündigt, dass die Herkunftsangaben von den Primärzutaten Eier, Milch und Fleisch verpflichtend auf verarbeiten Lebensmitteln ab 2023 angegeben werden müssen. Ob dieser Vorstoß Einzug in ein Gesetz findet, ist derzeit offen. Doch selbst wenn das gelingt, würde sich im Fall Mazola Maiskeimöl nichts ändern.

foodwatch fordert eine verpflichtende EU- weite Herkunftskennzeichnung aller Zutaten bei Produkten, die mit Herkunftsangaben werben sowie eine generelle Angabe der Herkunft der Primärzutaten bei allen verarbeiteten Produkten.

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