Artikel 02.03.2026

Österreich-Aufschlag: Warum wir für Lebensmittel mehr zahlen

  • Österreich-Aufschlag

Der Wocheneinkauf wird teurer. Das spüren viele Menschen in Österreich bei jedem Gang in den Supermarkt. Doch hohe Lebensmittelpreise sind nicht nur eine Folge von Inflation oder globalen Krisen. Ein Teil der Preisunterschiede ist politisch geduldet – und vermeidbar. Ein zentrales Problem trägt einen sperrigen Namen: Territoriale Lieferbeschränkungen. Verständlicher gesagt: der Österreich-Aufschlag. 

Was ist der Österreich-Aufschlag? 

Der Österreich-Aufschlag entsteht, wenn Hersteller verhindern, dass Händler günstigere Produkte aus anderen EU-Ländern einkaufen und in Österreich weiterverkaufen. 

Ein einfaches Beispiel: Ein Markenprodukt kostet in Deutschland deutlich weniger als in Österreich. Eigentlich könnten österreichische Händler es dort einkaufen – und hier günstiger anbieten. Doch manche Hersteller untersagen genau das.  

Die Folge: Händler können nicht dort einkaufen, wo es günstiger ist. Der Wettbewerb wird eingeschränkt. Die Preise bleiben künstlich hoch. 

Besonders betroffen sind kleinere Länder wie Österreich, Belgien oder die Niederlande. Wenn Hersteller Europa in Preis-Zonen aufteilen, zahlen Konsument:innen in kleineren Ländern drauf. 

Gesunde Lebensmittel dürfen kein Luxus sein 

Essen ist ein Grundbedürfnis. Niemand kann den Einkauf einfach aufschieben, weil die Preise steigen. Gerade Haushalte mit wenig Einkommen leiden besonders stark unter hohen Lebensmittelpreisen. 

Zwischen 2015 und 2024 sind die Preise für Lebensmittel und alkoholfreie Getränke in der EU um 42,8 Prozent gestiegen – stärker als jede andere große Produktgruppe. 2022 lag die Preissteigerung allein bei durchschnittlich 11,9 Prozent. 

Die sozialen Folgen sind spürbar: 

  • 2023 konnten sich 9,5 Prozent der Menschen in der EU nicht einmal jeden zweiten Tag eine vollwertige Mahlzeit leisten. 

  • Über 22 Prozent galten als armutsgefährdet. 

Auch gesunde Lebensmittel und Grundnahrungsmittel sind vom Österreich-Aufschlag betroffen, zum Beispiel Reis, Hülsenfrüchte, Tiefkühlgemüse, Tomatenmark, Nüsse oder Käse. Das verteuert eine ausgewogene Ernährung künstlich. Studien zeigen: Wer mehr verdient, isst häufiger täglich Obst und Gemüse. Hohe Preise verschärfen also soziale Ungleichheit. 

Laut einer Studie der Europäischen Kommission aus dem Jahr 2020 könnten Konsument:innen in der EU jährlich bis zu 14,1 Milliarden Euro sparen, wenn territoriale Lieferbeschränkungen abgeschafft würden. 

foodwatch fordert: Der Österreich-Aufschlag muss weg, damit ein gesunder Einkauf wieder für mehr Menschen leistbar wird.

Das muss ein Verbot des Österreich-Aufschlags enthalten: 

  • Vertragsklauseln verbieten, die grenzüberschreitenden Einkauf verhindern 

  • Hersteller stoppen, die Märkte künstlich abschotten 

  • klare gesetzliche Regeln schaffen, nicht nur freiwillige Instrumente 

Nur ein verbindliches EU-Gesetz kann sicherstellen, dass der Binnenmarkt funktioniert – auch für Konsument:innen.