Artikel 04.09.2026

Österreich-Aufschlag: Made in Austria - günstiger in Deutschland

  • Österreich-Aufschlag

In Wien-Hernals steht der größte Waffelofen der Welt. 450 Schnitten pro Minute, Export in über 50 Länder. Ein paar Straßen weiter kostet dieselbe Packung Manner Neapolitaner im Regal 114 Prozent mehr als im deutschen Supermarkt. foodwatch hat 20 Produkte heimischer Marken verglichen und bei Herstellern und Handel nachgefragt, wie das sein kann. 

Mehr als doppelt so teuer: der Fall Manner 

Eine Packung Original Neapolitaner Schnitten, 75 Gramm, kostet bei Billa in Wien 1,69 Euro. Dieselbe Packung kostet bei Rewe in Deutschland 0,79 Euro. Das ist ein Aufschlag von 114 Prozent, obwohl beide Supermarktketten demselben Konzern gehören und die Schnitten in Wien produziert werden. 

Manner ist damit kein Einzelfall. foodwatch hat im August 2026 20 Produkte von österreichischen Marken in Supermärkten beider Länder verglichen: Handl Tyrol, Rauch, Julius Meinl, Vöslauer, Red Bull, Pfanner, Happy Day, Gösser, Almdudler, Casali und Mautner Markhof. Bei jedem dieser Produkte gilt dasselbe Muster: kommt aus Österreich, aber ist in Deutschland trotzdem günstiger. 

Die Liste mit allen 20 Produkten unsere Preischecks gibt es hier zum Download (Stand: August 2026):

Zur Liste mit allen Produkten

Wer trägt die Verantwortung: Niemand?

foodwatch hat bei den Herstellern der betroffenen Produkte nachgefragt. Die Antworten fielen ähnlich aus: Die Preise würden vom Handel festgelegt, nicht vom Hersteller. Zu konkreten Zahlen könne man ohnehin nichts sagen, aus Gründen der Geheimhaltung und Vertraulichkeit. 

Der Handel weist die Verantwortung zurück. Rewe, der Konzern hinter Billa, teilte foodwatch mit, dass Hersteller dem österreichischen Handel für identische Artikel teilweise höhere Preise verrechnen als Abnehmern in Deutschland. Der Konzern selbst spricht dabei vom „Österreich-Aufschlag der Industrie“. 

Beide Seiten haben eine Erklärung. Keine Seite legt Zahlen offen. Am Ende zahlen die Konsument:innen die Differenz, ohne zu wissen, wer sie eigentlich verursacht. 

Die strukturelle Ursache: auch territoriale Lieferbeschränkungen 

Hinter den Preisunterschieden steht ein strukturelles Problem: territoriale Lieferbeschränkungen. Große Hersteller hindern Händler daran, Waren dort einzukaufen, wo sie günstiger sind. Das schwächt den Wettbewerb gerade in kleineren Märkten wie Österreich und hält so das gesamte Preisniveau oben, auch bei heimischen Produkten. 

Die EU-Kommission bestätigt das selbst: Solche Praktiken führen zu Preisunterschieden zwischen den EU-Ländern. Sie prüft derzeit vier mögliche Optionen, von einem freiwilligen Verhaltenskodex bis zu einer verbindlichen gesetzlichen Regelung, die solche Praktiken klar verbietet. Der Österreichische Verband der Markenartikelindustrie hat sich in seiner Stellungnahme bereits gegen ein wirksames Gesetz ausgesprochen. 

Nur eine EU-weite, verbindliche gesetzliche Regelung kann diesen Preistreiber tatsächlich beseitigen. Nationale Maßnahmen laufen bei einem grenzüberschreitenden Problem ins Leere. 

Jetzt entscheidet Brüssel 

Die öffentliche Konsultation der EU-Kommission zu diesem Thema läuft noch bis 29. September. Danach entscheidet die Kommission, welche der vier Optionen sie weiterverfolgt. Je mehr Menschen sich jetzt zu Wort melden, desto schwerer wird es, aus einem verbindlichen Gesetz einen zahnlosen Verhaltenskodex zu machen. 

Jetzt unterschreiben: Schluss mit dem Österreich-Aufschlag, für ein EU-Gesetz gegen territoriale Lieferbeschränkungen. 

Zur Petiton gegen den Österreich-Aufschlag