Artikel 19.05.2026

Verbotene Pestizidrückstände in Lebensmitteln: foodwatch-Test zeigt alarmierende Belastung

  • Pestizide

Ein aktueller Labortest von foodwatch zeigt: Mehr als 75 Prozent der getesteten Lebensmittel enthalten Pestizidrückstände - darunter auch solche, die aus gutem Grund in der EU längst verboten sind. Doch wie kann das sein? foodwatch fordert umgehende Konsequenzen.   

foodwatch hat insgesamt 64 Produkte aus Österreich, Deutschland, Frankreich und den Niederlanden analysiert, darunter Reis, Tee und Gewürze – alltägliche Lebensmittel, die fester Bestandteil der Küchen und Haushalte vieler Menschen in Europa sind. Insgesamt wurden Rückstände von 54 verschiedenen Pestiziden nachgewiesen, von denen 27 in der EU nicht zugelassen sind. Eine unsichtbare Gefahr, der Konsument:innen schutzlos ausgeliefert sind.  

Österreich besonders betroffen 

In Österreich wurden 15 Produkte getestet. Die Ergebnisse sind besonders alarmierend: In zehn der getesteten Produkte fanden sich insgesamt 30 Rückstandsnachweise von verbotenen Pestiziden. Vier Produkte wiesen Rückstände oberhalb der gesetzlich festgelegten Grenzwerte auf. foodwatch fordert die zuständige Behörde auf, diese vier Produkte umgehend aus dem Verkehr zu ziehen. Dabei handelt es sich um folgende Produkte: 

  • Golden Sun Parboiled Spitzenreis im Kochbeutel (MHD: 30.10.2027)                                   
  • BILLA Immer Gut Curry mild (Chargennummer: L5: P225210 6026, MHD: 01/2029) 
  • Lord Nelson Schwarzer Tee Earl Grey (Chargennummer: L400652682, MHD: 23.09.2027) 
  • Twinings Pure Green Tea (Chargennummer: 0000119046-283, MHD: 07.10.2028) 

Gewürze schneiden besonders schlecht ab – allen voran Paprikapulver: 

  • Kotányi Paprika Edelsüß Spezial: 7 Rückstände verbotener Pestizide  

  • S-Budget Paprika Edelsüß: 6 Rückstände verbotener Pestizide  

  • Le Gusto Paprika Edelsüß gemahlen: 5 Rückstände verbotener Pestizide  

Auch bei Tee zeigt sich ein klares Problem: In allen getesteten Grüntees – darunter Produkte von SPAR, Twinings und Westminster – wurden mehrere nicht zugelassene Pestizide nachgewiesen. 

Wenn bereits bei einer so kleinen Stichprobe derart viele Rückstände gefunden werden, stellt sich die Frage: Wie hoch ist die tatsächliche Belastung in den Supermarktregalen – und letztlich auch auf unseren Tellern? 

Pestizidbelastung der Produkte im Überblick

Auch Handel und Produzenten in der Verantwortung 

Die meisten Hersteller der getesteten Produkte – darunter  auch Eigenmarken von Supermärkten – betonten auf Anfrage von foodwatch, ihre Lebensmittel auch auf Pestizidrückstände streng zu kontrollieren. Die Ergebnisse sprechen eine andere Sprache: Das bestehende Kontrollsystem hat augenscheinlich Lücken.  

Lebensmittelproduzenten müssen sicherstellen, dass sie ausschließlich sichere und gesundheitlich unbedenkliche Produkte auf den Markt bringen. Auch die Supermärkte tragen Verantwortung – als Händler genauso wie mit ihren Eigenmarken – Konsument:innen bestmöglich vor den teils gesundheitsschädlichen Rückständen zu schützen.  

Gemeinsam mit den Produzenten müssen sie ein funktionierendes Sicherheitsnetz schaffen, um für sichere Lebensmittel in ihren Regalen zu garantieren – und zwar entlang der gesamten Lieferkette. 

Der Pestizid-Bumerang 

Ein großer Teil des Problems ist politisch hausgemacht: Pestizide, die in der Union verboten sind, dürfen weiterhin produziert und in Drittstaaten exportiert werden. Über importierte Lebensmittel gelangen ihre Rückstände wieder zurück nach Europa. foodwatch spricht daher von einem „Pestizid-Bumerang“.  Diese Doppelmoral ist nicht länger tragbar. Was in der EU als zu gefährlich für Mensch, Tier und Umwelt gilt, darf nicht weiterverkauft und anderswo eingesetzt werden. Die EU-Kommission hat bereits 2020 angekündigt, den Export solcher gefährlichen Chemikalien zu stoppen. Dieses Versprechen muss sie endlich einlösen. 

Gleichzeitig muss die EU verhindern, dass Rückstände verbotener Pestizide über Lebensmittelimporte wieder bei uns am Teller landen. Ein aktuelles Rechtsgutachten, das unter anderem von foodwatch in Auftrag gegeben wurde, zeigt: Die EU-Kommission könnte mit den bestehenden Gesetzen die Grenzwerte für solche Stoffe bereits deutlich strenger festlegen. Sie nutzt diese Möglichkeit aber nicht.   

Kritik am geplanten EU-Omnibus 

Zusätzlich warnt foodwatch vor dem geplanten EU-Omnibus-Paket, das bestehende Schutzstandards bei Pestiziden und ihren Rückständen weiter abschwächen könnte. 

Für Konsument:innen würde das noch weniger Schutz und potenziell mehr Belastung durch solche Stoffe in Alltagsprodukten bedeuten. 

foodwatch fordert: 

  • ein engmaschiges Sicherheitsnetz in Herstellung und Handel von möglicherweise pestizidbelasteten Lebensmitteln 

  • ein umfassendes Handelsverbot für Pestizide, die in der EU nicht zugelassen sind 

  • die automatische Absenkung aller Rückstandshöchstgehalte für nicht zugelassene Pestizide auf die Nachweisgrenze (“Null-Toleranz-Grenze") 

  • ein klares Nein zum Omnibus-Paket in seiner derzeitigen Form.