Ein mutmaßlicher Sabotagefall erschüttert derzeit den Babynahrungsmarkt: In Österreich wurden HiPP-Babygläschen offenbar gezielt manipuliert – mit potenziell lebensgefährlichen Folgen. Wir fassen zusammen, was bisher bekannt ist, wo weiterhin Unklarheit herrscht und was Eltern jetzt dringend beachten sollten.
Was ist passiert?
Der Auslöser war ein großflächiger Rückruf: Am 17. April 2026 hat HiPP vorsorglich sein gesamtes Babykostgläschen-Sortiment bei SPAR Österreich zurückgerufen. Hintergrund ist der Verdacht, dass das Produkt „Gemüsegläschen Karotten mit Kartoffeln“ (190g) manipuliert wurde. Laut Unternehmen kann der Verzehr lebensgefährlich sein.
Tatsächlich wurde bereits ein Glas sichergestellt, das positiv auf Rattengift getestet wurde. Es stammt aus einer SPAR-Filiale im Raum Eisenstadt. Weitere manipulierte Gläser könnten im Umlauf sein. Die Ermittlungen laufen in Österreich und auch in Nachbarländern.
Wie gefährlich ist die Situation?
Rattengift enthält oft Wirkstoffe wie Bromadiolon, die die Blutgerinnung hemmen. Besonders tückisch: Symptome treten häufig erst nach mehreren Tagen auf.
Mögliche Anzeichen sind:
- Nasen- oder Zahnfleischbluten
- ungewöhnliche blaue Flecken
- Blut im Stuhl
- Schwäche und Blässe
Bei rechtzeitiger Behandlung – etwa durch die Gabe von Vitamin K – ist eine Vergiftung laut AGES jedoch gut behandelbar.
Woran erkennt man verdächtige Gläser?
Nach aktuellem Stand gibt es mehrere Hinweise auf manipulierte Produkte:
- Weißer Aufkleber mit rotem Kreis am Glasboden
- Beschädigter oder bereits geöffneter Deckel
- Fehlendes „Knack“-Geräusch beim Öffnen
- Ungewöhnlicher oder verdorbener Geruch
Wichtig: Diese Merkmale sind Hinweise, aber keine Garantie – im Zweifel gilt: nicht konsumieren.
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Was sollten Eltern jetzt tun?
Betroffene Gläser auf keinen Fall verfüttert. Alle HiPP Gläschen aus dem SPAR vorsorglich nicht verwenden. Eine Rückgabe ist jederzeit im Markt möglich, auch ohne Rechnung. Bei Symptomen sofort handeln und umgehend ärztliche Hilfe suchen und auf den möglichen Verzehr eines betroffenen Produkts hinweisen. Bei verdächtigen Gläsern die Polizei unter der Telefonnummer +43 5913310 - 3333 verständigen.
Welche Produkte sind betroffen?
Der Rückruf betrifft alle HiPP-Babykostgläschen, die bei SPAR Österreich gekauft wurden. Andere Handelsketten wie Billa, dm oder Hofer sind laut aktuellem Stand nicht betroffen.
SPAR hat bereits alle HiPP-Produkte aus rund 1.500 Filialen entfernt. Kund:innen können gekaufte Gläser auch ohne Kassabon zurückgeben und erhalten den Kaufpreis erstattet.
Unsere Kritik: Eltern werden im Unklaren gelassen
Trotz der potenziellen Lebensgefahr bleiben viele Fragen offen: Wie viele Gläser sind betroffen? Warum gibt es keine umfassende öffentliche Information?
Wir kritisieren die Informationspolitik von HiPP klar: Eltern werden mit zentralen Sicherheitsfragen allein gelassen, während wichtige Informationen nur eingeschränkt kommuniziert werden. Gerade bei Produkten für Babys gilt: Maximale Transparenz ist Pflicht – nicht Option.
Besonders schockierend: Laut Presse soll das erste Erpressungs-Mail zu diesem Fall bereits am 27. März bei HiPP eingegangen sein und die Zahlung von zwei Millionen Euro bis zum 2. April gefordert haben. Dieses Mail soll aber von HiPP erst am 16. April, also deutlich zu spät, gelesen worden sein.
Der Fall zeigt einmal mehr, wie verletzlich unsere Lebensmittelversorgung ist – und wie entscheidend klare, schnelle und vollständige Information für den Schutz von Konsument:innen ist.