Ab 1. April gilt in Österreich endlich eine Kennzeichnungspflicht gegen Shrinkflation – ein erster wichtiger Schritt für mehr Transparenz im Supermarkt. Künftig muss sichtbar gemacht werden, wenn Produkte bei gleichem Preis weniger Inhalt enthalten. Doch während schrumpfende Packungen nun auffallen sollen, nutzen manche Hersteller bereits ein anderes Schlupfloch: Die Menge und der Preis bleiben gleich, aber die Rezeptur wird billiger. Dieses Phänomen nennt sich Skimpflation.
Bei Skimpflation sparen Unternehmen nicht an der Füllmenge, sondern an den Inhaltsstoffen. Hochwertige Zutaten werden teilweise durch günstigere ersetzt – etwa durch mehr Wasser, Zucker, Aromen oder Ersatzfette. Verpackung, Marke und Preis bleiben meist unverändert.
Anders als bei Shrinkflation schrumpft hier nicht das Gewicht, sondern die Qualität.
Kaum erkennbar für Konsument:innen
Skimpflation versteckt sich im Kleingedruckten der Zutatenliste. Wer bemerkt schon, ob der Fruchtanteil von 20 auf 15 Prozent gesunken ist? Oder ob statt Butter plötzlich Palmfett verwendet wird? Solche Änderungen sind rechtlich zulässig, solange sie in der Zutatenliste korrekt deklariert sind. Eine aktive Information am Regal ist jedoch nicht vorgesehen. Für Konsument:innen bedeutet das: Die Qualität kann sich schleichend verschlechtern, ohne dass es auffällt.
Verlagerung statt Lösung?
Mit der neuen Kennzeichnungspflicht reagiert die Politik in Österreich auf Shrinkflation. Doch wenn Unternehmen stattdessen verstärkt auf billigere Zutaten ausweichen, verlagert sich das Problem – von der Menge zur Qualität.
Gerade in Zeiten hoher Inflation ist das problematisch. Wer bewusst zu einem Produkt greift – etwa wegen bestimmter Zutaten oder einer vertrauten Qualität –, verlässt sich darauf, dass sich an der Rezeptur nichts Wesentliches ändert.
Transparenz auch bei Rezepturen
Ein fairer Markt bedeutet nicht nur Klarheit über Grammzahlen, sondern auch über Inhaltsstoffe. Wenn zentrale Zutaten ausgetauscht oder deutlich reduziert werden, braucht es nachvollziehbare Informationen.
Denn am Ende zählt nicht nur, wie viel in einer Packung steckt – sondern auch, was. Qualität ist Teil des Preises.