Am 3. August ist Sugar Overload Day: Österreich hat sein Jahreslimit an freiem Zucker statistisch bereits aufgebraucht. Die Folgen sind messbar – in Milliarden Euro, in Todesfällen, in kranken Kindern. Die Politik handelt nicht.
Mitten im Hochsommer ist das Zucker-Budget der Österreicher:innen bereits restlos aufgebraucht. Alles, was wir ab heute bis Silvester an Zucker zu uns nehmen, geht über das empfohlene Maß der Weltgesundheitsorganisation (WHO) hinaus und trägt direkt zum Risiko für Adipositas, Typ-2-Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei. Jahr für Jahr derselbe Tag - und Jahr für Jahr dieselbe Untätigkeit der Politik.
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Österreich weiß nicht einmal, wie viel Zucker seine Kinder essen
Für Erwachsene lässt sich der Sugar Overload Day präzise berechnen: Laut Österreichischem Ernährungsbericht nehmen Menschen hierzulande knapp 91 Gramm freien Zucker pro Tag auf – fast 25 Zuckerwürfel, während die WHO-Empfehlung für die tägliche Maximalmenge bei rund 50 Gramm, also circa 14 Zuckerwürfeln liegt.
Freier Zucker umfasst alle Zuckerarten, die Lebensmitteln künstlich zugesetzt werden, sowie den natürlichen Zucker, der in Honig, Sirup, Fruchtsäften und Saftkonzentraten steckt.
Für Kinder existieren in Österreich keine repräsentativen Daten zur tatsächlichen Zuckeraufnahme. Für Jugendliche zwischen 11 und 17 Jahren wissen wir immerhin, dass 30,5 Prozent täglich Süßigkeiten essen und 16,5 Prozent täglich Softdrinks trinken – aber wie viel Gramm freier Zucker das bedeutet, ist unbekannt. Einen Kinder-Sugar-Overload-Day können wir schlicht nicht berechnen, weil die Datenbasis fehlt.
Dabei wäre dieser dringend nötig: bereits jeder dritte Bub und jedes vierte Mädchen im Volksschulalter ist von Übergewicht oder Adipositas betroffen.
Die Folgen reichen weit ins Erwachsenenleben: Rund 70 Prozent der Jugendlichen mit Adipositas bleiben es auch über das 30. Lebensjahr hinaus. Im Vergleich zu normalgewichtigen Kindern ist ihr Risiko, als Erwachsene adipös zu sein, fünfmal so hoch.
Adipositas kostet Österreich ein Vermögen
Die wirtschaftliche Belastung durch die Folgen von Fehlernährung und Übergewicht ist immens. Allein 1,24 Millionen Krankenstandstage pro Jahr sind auf Adipositas zurückzuführen. Hochgerechnet auf den heutigen „Sugar Overload Day“ hat Adipositas die österreichische Gesellschaft in diesem Jahr bereits ca. 1,4 Milliarden Euro gekostet.
Vize-Europameister im Flüssigzucker-Konsum
Dass der Sugar Overload Day so früh im Jahr eintritt, liegt maßgeblich an einer Zuckerquelle: dem „flüssigen Zucker“. Österreich belegt beim Zuckerkonsum über Softdrinks den traurigen 2. Platz unter den zehn bevölkerungsreichsten westeuropäischen Ländern, nur knapp hinter Deutschland. Das zeigen aktuelle Euromonitor-Daten, die foodwatch ausgewertet hat.
Im Schnitt nehmen Menschen in Österreich täglich knapp 23 Gramm Zucker allein über Softdrinks auf – mehr als über Schokolade, Gummibärchen und alle anderen Süßigkeiten zusammen, die auf rund 15 Gramm pro Tag kommen. Damit ist ein erheblicher Teil des WHO-Tageslimit an freien Zuckern allein durch süße Getränke verbraucht. Besonders besorgniserregend ist der Trend bei Energydrinks: Hier ist der Zuckerkonsum seit 2011 um über 50 Prozent gestiegen. Mehr als 4 Gramm Zucker pro Tag nehmen Menschen in Österreich im Schnitt allein über Energydrinks auf.
2.327 Todesfälle bis heute – Es ist Zeit für Konsequenzen
Jährlich versterben in Österreich rund 3950 Menschen an den Folgen von Adipositas. Bis zum heutigen 3. August sind rechnerisch in diesem Jahr bereits 2.327 Menschen an den Folgen dieser vermeidbaren Krankheit gestorben. Wer mit 45 Jahren an schwerer Adipositas leidet, verliert im Schnitt zehn Jahre seines gesunden Lebens. Das Leben verkürzt sich statistisch gesehen nicht nur um etwa fünf Jahre, es ist auch viel früher von Folgeerkrankungen und Einschränkungen geprägt.
Die Industrie wird es nicht von selbst tun
Mehr als 100 Länder weltweit, darunter zwölf EU-Mitgliedstaaten, haben bereits eine Steuer auf zuckerhaltige Getränke eingeführt.
In Großbritannien sank der Zuckergehalt in Softdrinks nach Einführung der Steuer deutlich – vor allem weil Hersteller ihre Rezepturen änderten und den Zuckergehalt in Getränken reduzierten. Fachgesellschaften wie die WHO empfehlen seit Jahren neben Werbeverboten für Kinderlebensmittel eine Abgabe auf zuckerhaltige Getränke. Selbst eine vom Gesundheitsministerium in Auftrag gegebene Studie nennt eine Steuer auf zuckerhaltige Getränke ausdrücklich als sinnvolles politisches Instrument für Österreich mit positiven Auswirkungen auf die Gesundheit.
Fordere deshalb jetzt mit uns: Wir brauchen endlich eine Abgabe auf süße Getränke! Österreich setzt seit Jahren auf Verhaltensprävention – Aufklärung, Appelle, freiwillige Vereinbarungen mit der Industrie. Die Zahlen zeigen aber: es funktioniert nicht. Was es braucht, ist Verhältnisprävention: Rahmenbedingungen, die gesundes Essen strukturell einfacher machen. Eine Abgabe auf süße Getränke ist der wirksamste erste Schritt, den wir jetzt dringend brauchen!