Österreich hat ein massives Zuckerproblem – und es kommt nicht in erster Linie aus Schokolade oder Gummibärchen. Aktuelle Zahlen zeigen: Österreich gehört zu den traurigen Spitzenreitern beim Zuckerkonsum durch süße Getränke und Energydrinks.
Die Zahlen sind alarmierend: In Österreich werden knapp 23 Gramm Zucker pro Tag allein über Softdrinks konsumiert. Das zeigen aktuelle Euromonitor-Daten, die foodwatch ausgewertet hat. Damit belegt Österreich den traurigen zweiten Platz unter den zehn bevölkerungsreichsten westeuropäischen Ländern. Nur Deutschland konsumiert noch mehr Zucker über süße Getränke.
Besonders deutlich wird das Problem im Vergleich zu anderen Zuckerquellen: Über Süßigkeiten nehmen Menschen in Österreich im Schnitt nur rund 15 Gramm Zucker pro Tag auf, also deutlich weniger als über Limonaden, Cola und andere gesüßte Getränke.
Zur Einordnung: Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt nur 5 Prozent der täglichen Energie über Zucker zu decken. Das bedeutet für einen Erwachsenen 25 Gramm Zucker pro Tag. Diese Menge wird in Österreich also schon allein durch süße Getränke fast erreicht. Ein 4–7-jähriges Kind sollte nach den WHO-Empfehlungen höchstens 19 Gramm Zucker pro Tag zu sich nehmen.
Flüssiger Zucker macht krank
Zuckerhaltige Getränke gelten als einer der wichtigsten Risikofaktoren für Übergewicht und Typ-2-Diabetes. Sie liefern viele Kalorien, machen aber nicht satt. Gerade Kinder und Jugendliche konsumieren so große Mengen Zucker, ohne es bewusst wahrzunehmen. Bereits jetzt ist jeder dritte Bub und jedes vierte Mädchen im Volksschulalter in Österreich von Übergewicht betroffen – mit langfristigen und gravierenden Risiken: Diabetes Typ 2, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Demenz und bestimmte Krebserkrankungen.
Andere Länder zeigen, dass es geht – Österreich hinkt hinterher
Dass politische Maßnahmen funktionieren, zeigt Großbritannien: Seit Einführung der Zuckersteuer 2018 haben Hersteller den Zuckergehalt deutlich reduziert. Bereits ein Jahr nach Einführung der Steuer halbierte sich die Zuckermenge, die Kinder dort über Limonaden aufnehmen.
Mehr als 100 Länder weltweit haben mittlerweile eine Abgabe auf stark zuckerhaltige Getränke eingeführt. In Österreich hingegen wird trotz klarer wissenschaftlicher Evidenz weiter gezögert. Deshalb fordert foodwatch Österreich: Es braucht dringend eine Kracherl-Steuer auf süße Getränke!
Energydrinks: Österreich auf Platz 2 – Altersgrenze dringend notwendig
Auch bei Energydrinks zeigt sich ein alarmierender Trend: Österreich liegt beim Zuckerkonsum durch Energy-Drinks inzwischen auf Platz zwei unter den zehn bevölkerungsreichsten westeuropäischen Ländern, nur knapp hinter Schweden. Im Schnitt nehmen Menschen in Österreich über 4 Gramm Zucker pro Tag allein über Energydrinks zu sich. Schweden liegt nur minimal davor und hat Österreich 2025 das erste Mal überholt.
Das ist nicht nur ein trauriger Stockerlplatz, sondern auch ein deutlicher Hinweis darauf, wie stark Energydrinks gerade in Österreich im Trend sind. Länder wie Italien, Portugal oder Spanien liegen hier bei unter einem Gramm Zucker pro Tag.
Besonders beunruhigend: Der Zuckerkonsum durch Energydrinks steigt seit Jahren kontinuierlich. 2011 lag Österreich noch bei 2,71 Gramm Zucker – heute sind es 4,16 Gramm pro Tag.
Der Energydrink-Trend breitet sich in den letzten Jahren immer weiter aus – und zieht durch die Vermarktung auf Social Media vor allem junge Menschen an. Mit schwerwiegenden Folgen: Energydrinks können bei Kindern und Jugendlichen Herzrhythmusstörungen, Krampfanfälle oder Angstzustände auslösen.
Trotzdem gibt es in Österreich noch immer keine gesetzliche Altersgrenze für den Verkauf. foodwatch fordert deshalb: Energydrinks dürfen nicht an Minderjährige verkauft werden.