Artikel 05.05.2026

Zuckersteuer für Österreich: Die 5 größten Mythen

  • Zucker

Fakt ist: Österreich hat ein Zuckerproblem und freiwillige Maßnahmen reichen als Lösung dafür nicht aus. Trotzdem wird dank der Getränkelobby über eine Steuer auf süße Getränke immer wieder so diskutiert, als ginge es um Bevormundung statt um Gesundheitsschutz. foodwatch deckt die fünf größten Mythen rund um eine Zuckersteuer auf: 

Dieses Argument klingt sozial – ist aber zu kurz gedacht. Ja: Wenn stark gezuckerte Getränke teurer werden, treffen Preisänderungen Menschen mit niedrigem Einkommen stärker. Genau deshalb muss eine Zuckersteuer sozial klug ausgestaltet werden. Das heißt: Die Einnahmen sollten gezielt für Gesundheitsförderung oder die Vergünstigung gesunder Lebensmittel verwendet werden. 

Aber der entscheidende Punkt ist: Menschen mit geringerem Einkommen sind häufiger von Übergewicht und Adipositas betroffen und damit einem höheren Risiko für Folgeerkrankungen ausgesetzt.  

Studien zeigen: Gerade bei einkommensschwächeren Gruppen können Steuern auf süße Getränke besonders wirksam sein, indem sie den Kauf beziehungsweise Konsum besteuerter Produkte reduzieren.  

Kurz gesagt: Nicht die Kracherl-Steuer ist unsozial – unsozial ist ein Umfeld, in dem billige und viel zu süße Getränke überall verfügbar sind, während die Folgekosten von Adipositas, Diabetes-Typ-2 oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei den Betroffenen und im Gesundheitssystem landen. 

Natürlich löst eine einzelne Maßnahme nicht alle Ernährungsprobleme. Niemand behauptet, dass eine Krachler-Steuer allein Adipositas, Diabetes oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen verschwinden lässt. Aber sie ist ein wichtiger Baustein in einem größeren Maßnahmenpaket: bessere Kennzeichnung, ein Verbot von Kindermarketing, gesunde Schul- und Kindergartenverpflegung, mehr Aufklärung rund um gesunde Ernährung – und klare Anreize für Hersteller, ihre Produkte weniger süß zu machen. 

Die WHO bewertet Steuern auf zuckergesüßte Getränke als kosteneffektive gesundheitspolitische Maßnahme. Sie kann laut WHO helfen, den Konsum zu senken und damit Risiken für Übergewicht, Adipositas, Diabetes und andere Erkrankungen zu reduzieren. 

Kurz gesagt: Die Zuckersteuer ist kein Wundermittel. Aber sie wirkt genau dort, wo freiwillige Appelle oft scheitern: bei den Rezepturen der Hersteller und beim Konsum von süßen Getränken.

Diese Sorge ist berechtigt – aber sie ist kein Argument gegen eine Zuckersteuer, sondern für eine bessere Ausgestaltung. 

In Großbritannien haben viele Hersteller Zucker reduziert, teilweise auch durch Süßstoffe. Aus Gesundheitssicht ist weniger Zucker in Getränken ein Fortschritt, denn süße Getränke liefern schnell große Mengen Zucker, ohne zu sättigen. Gleichzeitig ist eine reine Verschiebung von Zucker zu Süßstoffen nicht das Ziel. Denn auch süßstoffgesüßte Getränke halten Menschen an einen sehr süßen Geschmack gewöhnt. 

Deshalb fordert foodwatch Österreich: Eine gute Kracherl-Steuer muss so gestaltet sein, dass Getränke insgesamt weniger süß werden. Sie sollte Hersteller nicht nur dazu bringen, Zucker durch Süßstoffe zu ersetzen, sondern die Süße insgesamt zu reduzieren. 

Kurz gesagt: Das Ziel ist nicht „Zucker raus, Süßstoff rein“. Das Ziel ist: weniger süße Getränke und damit eine bessere Gesundheit für uns alle.

Die Zuckerlobby spricht gern über Kalorien. Das klingt wissenschaftlich, lenkt aber vom eigentlichen Problem ab: Süße Getränke sind eine besonders problematische Zuckerquelle, weil sie schnell konsumiert werden, kaum sättigen und große Mengen freien Zucker liefern. 

Wer eine stark gezuckerte Limonade trinkt, nimmt also in wenigen Schlucken viel Zucker auf – ohne den Sättigungseffekt einer Mahlzeit. Genau deshalb spielen süße Getränke in der Prävention von Übergewicht, Typ-2-Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen eine besonders wichtige Rolle. 

Kurz gesagt: Kalorien sind wichtig – aber es ist nicht egal, woher sie kommen. Süße Getränke sind ein besonders einfacher Weg, sehr viel Zucker aufzunehmen, ohne satt zu werden. Deshalb müssen wirksame Maßnahmen genau dort ansetzen.

Das passiert nur, wenn Hersteller ihre Rezepturen nicht ändern. Genau hier liegt der Vorteil eines gestaffelten Modells nach britischem Vorbild: Je mehr Zucker im Getränk steckt, desto höher die Abgabe. Wer den Zuckergehalt senkt, kann die Steuer vermeiden oder reduzieren. 

Das heißt: Eine gut gemachte Zuckersteuer muss nicht in erster Linie die Konsument:innen treffen. Sie soll vor allem die Hersteller treffen, die weiterhin Zuckerbomben verkaufen wollen. Wenn Unternehmen weniger Zucker verwenden, bleiben Getränke erschwinglich und werden gleichzeitig gesünder. 

Kurz gesagt: Nicht die Steuer macht Getränke teurer. Die Entscheidung der Hersteller, weiterhin viel Zucker oder Süßstoff einzusetzen, macht süße Getränke teurer.