Nachricht 16.11.2018

Supermarktketten sind gegen betäubungslose Ferkelkastration

Die meisten deutschen Supermarktketten sprechen sich gegen die betäubungslose Kastration von Ferkeln aus. Aldi, Lidl & Co. haben keine Bedenken gegen tierschonende Alternativen wie die Impfung gegen Ebergeruch, die sogenannte Immunokastration. Das ergab eine foodwatch-Umfrage unter neun großen Handelsunternehmen. Die Angaben der Supermarktketten widerlegen die Behauptung der Agrar- und Fleischlobby, wonach die Impfung vom Handel und den Verbraucherinnen und Verbrauchern nicht akzeptiert würde.

foodwatch hatte die Handelsunternehmen in Deutschland zum Umgang mit alternativen Methoden zur betäubungslosen Ferkelkastration befragt. Aldi Nord, Aldi Süd, Lidl und Globus akzeptieren demnach ausdrücklich Fleisch von gegen Ebergeruch geimpften Schweinen. Rewe antwortete nicht auf die Anfrage der Verbraucherorganisation, sprach sich jedoch kürzlich öffentlich für die Immunokastration aus. Real und Kaufland gaben gegenüber foodwatch an, die Verbraucherakzeptanz der Methode zu prüfen, Edeka und Norma antworteten ausweichend. Lidl, Aldi Nord und Aldi Süd erklärten außerdem, schon heute kein Fleisch mehr von betäubungslos kastrierten Tieren zu verkaufen. Rewe hatte dies ebenfalls bereits 2015 angekündigt.

80.000 Unterschriften gegen betäubungslose Kastration

Das Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit (Friedrich-Loeffler-Institut), das dem Bundesernährungsministerium von Julia Klöckner unterstellt ist, bewertet die Impfung gegen Ebergeruch aus tierschutzfachlicher Sicht als „die mit Abstand geeignetste Alternative zur betäubungslosen Ferkelkastration“. Die Belastung der Tiere sei vergleichsweise gering und es gebe keine Risiken für Verbraucherinnen und Verbraucher. Rund 80.000 Menschen unterstützen eine E-Mail-Petition von foodwatch gegen die betäubungslose Ferkelkastration und für die Anwendung der Immunokastration.

"Der deutsche Lebensmittelhandel ist offen gegenüber der Impfung gegen Ebergeruch – das zeigt, dass Millionen von Ferkeln die mittelalterliche Tortur der betäubungslosen Kastration sofort erspart werden könnte. Alles andere sind nur faule Ausreden von Bauernverband und Fleischwirtschaft."
Matthias Wolfschmidt foodwatch

Die Große Koalition will das Verbot der betäubungslosen Kastration männlicher Ferkel, das 2019 in Kraft treten sollte, um weitere zwei Jahre verschieben. Sie hat die Verlängerung der Übergangsfrist damit begründet, dass die derzeit verfügbaren Alternativen den Anforderungen der Praxis nicht gerecht würden. Die Tatsache, dass Lidl, Aldi Nord und Aldi Süd bereits heute nach eigenen Angaben kein Frischfleisch mehr von betäubungslos kastrierten Tieren verkauften, zeige jedoch, dass in der Praxis längst Alternativen verfügbar seien, so foodwatch. Die Verbraucherorganisation forderte alle Handelsketten auf, trotz Fristverlängerung ab 2019 kein Fleisch mehr von betäubungslos kastrierten Ferkeln zu verkaufen und die Immunokastration als erwiesenermaßen tierschonendste Form der Ferkelkastration zu akzeptieren.

20 Millionen Ferkel pro Jahr werden kastriert – ohne Betäubung

In Deutschland werden jährlich etwa 20 Millionen männliche Ferkel geboren und meist ohne Betäubung kastriert, um zu verhindern, dass ihr Fleisch später den sogenannten „Ebergeruch“ annimmt. Als Alternative zur betäubungslosen Ferkelkastration stehen aktuell drei Methoden zur Verfügung: Die Kastration mit Betäubung, die Jungebermast und die Immunokastration. Bei der seit 2009 in der EU zugelassenen Immunokastration müssen die Schweine zweifach geimpft werden, um die Bildung der Hauptverursacher des Ebergeruchs zu unterdrücken. 

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