Aldi-Steaks für 1,99 Euro - was ist da los?!
Schweine-Steaks für 1,99 Euro bei Aldi Süd: Das löste große Empörung im Netz aus. Verständlich, aber: Fleischpreise sagen heutzutage nichts darüber aus, ob die Tiere ein gutes und gesundes Leben haben. Darauf, dass Fleisch, Milch oder Eier von gesunden Tieren stammen, können wir Verbraucherinnen und Verbraucher uns einfach nicht verlassen. Damit muss Schluss sein! Egal zu welchem Preis: In Zukunft darf kein Tierprodukt mehr in den Handel kommen, das nicht tiergerecht erzeugt wurde! Unterstützen Sie jetzt unsere Forderung:
Hallo und guten Tag,
der junge Mann hatte sich ganz schön in Rage geschrieben. Er war auf ein Sonderangebot bei Aldi Süd gestoßen: Passend zum Start der Grillsaison verkaufte der Discounter 600 Gramm mariniertes Schweinenackensteak für schlappe 1,99 Euro. Auf Aldis facebook-Seite machte er seinem Ärger in deutlichen Worten Luft. Zehntausende andere User klickten bei seinem Kommentar auf „gefällt mir“, zahlreiche Medien griffen das Thema auf. Einhellige Meinung: Ein solcher Preis ist unmoralisch, so billig darf Fleisch nicht verramscht werden.
Die Aufregung ist einerseits verständlich. Aber: Würde Aldi die Steaks anstatt für zwei Euro für vier oder sechs Euro verkaufen, was würde das ändern? Würden die Bauern mehr Geld bekommen und würden die Tiere so gesund und gut gehalten werden, wie wir alle es ihnen schulden? Klare Antwort: Unter den derzeitigen Marktbedingungen würde einzig und allein Aldi mehr Geld einstreichen. Denn der Fleischpreis allein sagt nichts darüber aus, wie gut und gesund die Tiere gehalten wurden – oder wie krank und schlecht. Und das gilt nicht nur für Discounter-Fleisch. Wissenschaftlich ist klar erwiesen, dass die Nutztiere in großen wie kleinen, in konventionellen wie ökologischen Betrieben viel zu häufig krank werden. Im Durchschnitt. Und, ja, es gibt rühmliche Ausnahmen. Übrigens auch in allen Betriebsformen. Genauso wie es Betriebe gibt, in denen die Mehrzahl der Tiere an vermeidbaren (!) Krankheiten und Schmerzen leidet.
Ob es uns gefällt oder nicht: Millionen Nutztieren werden buchstäblich krank gemacht. Erstens, weil der Aufwand dafür, sie bei bestmöglicher Gesundheit gut zu halten, enorm ist. Zweitens, weil die Landwirte nicht durch entsprechende gesetzliche Vorgaben dazu angehalten werden. Und, drittens, weil kein Landwirt für eine exzellente Gesundhaltung der Tiere auch nur einen Extracent bekommt.
Das Fleisch in den Regalen erzählt uns nichts darüber, wie gesund oder krank das Tier gelebt hat. Und hier kommen die großen Handelskonzerne ins Spiel: mit ihrer Marktmacht drücken sie die Preise – auf Kosten der Bauern und auf Kosten der Tiere. Aldi, Rewe, Lidl, Edeka und Co. haben es in der Hand, konsequent gesunde und gute Lebensbedingungen für alle Nutztiere durchzusetzen: Sie müssen den Tierhaltern klare Vorgaben dafür machen, wie gesund die Tiere sein müssen und sie müssen den Bauern faire Preise dafür garantieren. Damit gute und gesunde Tierhaltung sich lohnt. Schnäppchenwerden dann weder auf Kosten der Tiere noch der Landwirte gehen – und vermutlich nicht mehr für 1,99 Euro zu haben sein.
Wir von foodwatch sind der Meinung, es ist Zeit für eine echte Tierhaltungswende: In Zukunft darf kein Tierprodukt mehr in den Handel kommen, das nicht nachweislich tiergesund und tiergerecht erzeugt wurde! Unterstützen Sie jetzt hier unsere Forderung:
Aldi Süd hat auf die massive Kritik reagiert und sich vor allem mit Verweis auf die „Initiative Tierwohl“ herausgeredet: Man engagiere sich ja schon stark für bessere Tierhaltung und zahle den Bauern auch mehr Geld. Doch die „Initiative Tierwohl“, in der sich alle großen deutschen Handelsketten zusammengeschlossen haben, ist ein schlechter PR-Gag. Aldi, Edeka, Rewe und Co. wollen damit von ihrer Verantwortung für die inakzeptablen Lebensbedingungen der Nutztiere ablenken. Mit vorwiegend kosmetischen Maßnahmen können die Lebensbedingungen für die Tiere nicht substantiell verbessert werden. Den Landwirten wird nicht annähernd genügend Geld ausgezahlt, um eine nachweislich tiergerechte Haltung zu erreichen. Und eine gute Tiergesundheit streben sie erst gar nicht an.
Es ist an der Zeit, dass sich politisch etwas tut! Millionen Nutztiere dürfen nicht länger krank gemacht werden! Unterschreiben Sie daher jetzt unsere E-Mail-Protestaktion und fordern Sie Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt auf, endlich für tiergerechte Zustände zu sorgen:
Vielen Dank für Ihre Unterstützung,
Ihr foodwatch-Team
P.S.: Von tiergesunden und tiergerechten Haltungsbedingungen für alle Nutztiere bis zu ehrlichen Etiketten: foodwatch engagiert sich für eine Vielzahl von Themen, ist dabei unabhängig von Staat und Lebensmittelwirtschaft und finanziert sich aus Förderbeiträgen und Spenden. foodwatch ist ein gemeinnütziger Verein, dem jede und jeder beitreten kann. Seien auch Sie jetzt dabei und werden Sie Mitglied von foodwatch: