Ashwagandha: Trendprodukt mit Risiken
ESN, More Nutrition und Naturally You bewerben ihre Aswaghanda-Präparate als Lifestyle-Produkte für die mentale Gesundheit. foodwatch hat die Hersteller jetzt abgemahnt. Denn der gesunde Schein trügt.
Ashwagandha wirkt gegen „Stress, innere Unruhe oder mentale Belastung“. Es hilft dir, wenn „du dich häufig erschöpft fühlst und dir mehr emotionale Stabilität wünschst“. Und für die Regeneration nach „intensiven Workouts“ ist es auch wärmstens zu empfehlen. Zumindest, wenn man den Herstellern glaubt, die Profit mit dem Trendsupplement machen: ESN, Naturally You von Pamela Reif und More Nutrition.
Recherchiert man die Studienlage und die Bewertung anerkannter Institute, sieht die Sache ganz anders aus: Ashwagandha kann gefährliche Nebenwirkungen haben und bestimmte Personengruppen sollten es auf keinen Fall einnehmen. Doch der Reihe nach.
Online-Trend Ashwagandha
Ashwagandha, auch Schlafbeere genannt, ist eine Pflanze aus dem asiatischen Raum. Studien deuten darauf hin, dass Ashwagandha kurzzeitig Stress lindern und Schlaf verbessern kann. Allerdings fehlen umfassendere Daten aus Langzeitstudien. Vor allem online sind Ashwagandha-Nahrungsergänzungsmittel in Form von Pulver, Tropfen oder Kapseln im Trend.
Risiken und Nebenwirkungen
Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) warnt jedoch vor der Einnahme. Insbesondere Schwangere, Stillende, Kinder und Menschen mit Lebererkrankungen sollten den Pflanzenstoff nicht konsumieren. Aufgrund mangelnder Daten rät das BfR aber auch allen anderen zur Zurückhaltung bei der Einnahme dieser Mittel. Das BfR nennt als mögliche Nebenwirkungen Übelkeit, Kopfschmerzen, Hautausschläge sowie Effekte auf Hormon- und Immunsystem. Besonderen Anlass zur Vorsicht gäben Fallberichte über Leberschäden. Die Weltgesundheitsorganisation weist seit 2009 auf mögliche Nebenwirkungen und Wechselwirkungen mit Medikamenten hin.
In Dänemark verboten
Mehrere Länder haben bereits reagiert: Dänemark verbot 2023 den Verkauf von Ashwagandha-Präparaten. Polen führte verbindliche Höchstmengen für Withanolide – die wirksamsten Bestandteile von Ashwagandha – und verpflichtende Warnhinweise ein. Großbritannien, Frankreich und die Niederlande veröffentlichten Sicherheitswarnungen. Hierzulande gibt es keine Vorgaben für Ashwagandha.
foodwatch mahnt ESN, Naturally You und More Nutrition ab
foodwatch hat sich den Markt für Ashwagandha genauer angesehen. Und stieß dabei auf drei Produkte bekannter Hersteller, die mit wohlklingen Gesundheitsversprechen werben. Das Problem: Die Werbeclaims lassen sich wissenschaftlich nicht belegen. Und verstoßen nach Ansicht von foodwatch gegen die europäische Health-Claims-Verordnung. foodwatch hat ESN, More Nutrition und Naturally You deshalb abgemahnt.
Hersteller wie ESN und More Nutrition machen mit riskanten Nahrungsergänzungsmitteln fette Gewinne – die Verbraucher:innen sind die Versuchskaninchen. Der wachsende Online-Markt muss endlich wirksam überwacht werden!Recherche und Kampagnen
Supplements – beliebt und kaum kontrolliert
Nahrungsergänzungsmittel erfreuen sich in Deutschland großer Beliebtheit – und werden kaum kontrolliert. Das betrifft nicht nur Ashwagandha-Produkte: Eine aktuelle foodwatch-Recherche kam zum Ergebnis, dass 98 Prozent der Gesundheitswerbung für Nahrungsergänzungsmittel in sozialen Medien irreführend ist. Doch die Behörden greifen nicht ein. Das Problem: Die Lebensmittelüberwachung in Deutschland ist meist kommunal organisiert. Die Ämter sind jedoch heillos überlastet und stoßen bei der Überprüfung der Werbung auf Webseiten und in sozialen Medien endgültig an ihre Grenzen.
foodwatch fordert deshalb, die Kontrolle des Online-Markts auf Bundesebene zu bündeln und mit ausreichend Personal und Geld auszustatten. Außerdem braucht es:
- EU-weit einheitliche Höchstmengen für Ashwagandha und vergleichbare Wirkstoffe,
- verpflichtende Warnhinweise für Risikogruppen sowie
- ein verpflichtendes Zulassungsverfahren für Nahrungsergänzungsmittel.