Bio-Landwirtschaft: Es bleibt bei der Nische
Gerade ein Zehntel der Felder werden biologisch bewirtschaftet. Kein Wunder, der Anbau ist teuer. Was die Politik tun kann, erklärt Geschäftsführer Dr. Chris Methmann.
Ein Kommentar von foodwatch-Geschäftsführer Dr. Chris Methmann.
Dr. Chris Methmann, Geschäftsführer
Wissen Sie, warum Cem Özdemir so wenig geschafft hat? Der Agrarminister hat sich die letzten drei Jahre hinter Ihnen versteckt. Bis 2030 sollten 30 Prozent der deutschen Landwirtschaft ökologisch sein. So lautete sein großes Ziel. Doch wirksame Maßnahmen blieb er die ganze Zeit über schuldig. Er hoffte schlicht darauf, dass Menschen wie Sie und ich im Supermarkt häufiger zu Öko-Möhre und Bio-Salami greifen.
Gerade ein Zehntel der Felder sind Bio
Werfen wir also einen Blick auf die ernüchternde Bilanz der Biobranche: Seit über 20 Jahren gibt es das staatliche Öko-Siegel in Deutschland. Doch heute stehen gerade einmal 1,1 Prozent der Schweine in einem Biostall. Biohöfe bewirtschaften nur ein Zehntel der Felder in Deutschland. Die Anzahl deutscher Bio-Betriebe sinkt sogar. Im letzten Jahr um 2 Prozent. Wie sich dieser Trend so dramatisch ändern soll, dass sich Bio in den nächsten fünf Jahren verdreifacht? Von Özdemir gab es darauf keine Antwort.
Umweltschäden konventioneller Landwirtschaft sind groß
Dass Bio eine Nische bleibt, ist ja auch kein Wunder. Der Bio-Anbau ist teurer – weil er Umweltschäden vermeidet. Die konventionelle Landwirtschaft bürdet Trinkwasserschäden oder das Artensterben einfach der Allgemeinheit auf. In einem Wettbewerb mit so unterschiedlichen Startbedingungen kann Bio nicht gewinnen.
Und die Zeit rennt uns davon: Immer mehr Feldvögel und Insekten verschwinden, Starkregen und Dürren kündigen die Klimakrise an. Und in den Ställen leiden Tiere unter miserablen Bedingungen. Auf die Bio-Nische zu warten, das können wir uns nicht länger erlauben.
Wer auf biologische Landwirtschaft umstellt, verdient Respekt
foodwatch fordert: Die gesamte Landwirtschaft muss endlich umweltverträglich wirtschaften. Das ist die Aufgabe der kommenden Regierung. Und die darf sich nicht länger hinter uns Verbraucher:innen verstecken, indem sie auf den Bio-Boom aus heiterem Himmel hofft. Sie muss schädliche Ackergifte verbieten, das Tierleid im Stall beenden und die Agrarindustrie auf Klimaschutz verpflichten. Lassen Sie uns dafür gemeinsam einstehen!
Wer seinen Hof mühsam auf Bioproduktion umstellt, verdient Respekt. Wer im Laden zu den teureren Bio-Lebensmitteln greift, ebenso. Doch wer als Minister allein darauf hofft, dass das schon genug Landwirt:innen und Verbraucher:innen machen werden, verdient keinen Respekt, sondern Protest!
Agrarwende jetzt!
Mit dem Einkaufskorb kann keine große Politik gemacht werden. Pestizide gehören nicht auf den Acker, Kühe und Schweine dagegen schon. Deswegen setzen wir uns unter anderem gegen den Einsatz von Gift ein und für eine verbesserte Tierhaltung. foodwatch nimmt kein Geld vom Staat oder von der Lebensmittelindustrie: Fast 50.000 Förder:innen und noch mehr Spender:innen finanzieren unsere Arbeit und sorgen dafür, dass wir unabhängig sein können. Ihre Spende ermöglicht unsere Arbeit. Machen Sie mit?
So geht Bio richtig
Der nächste Agrarminister muss der gesamten Landwirtschaft strenge Vorgaben machen. Um nur zwei Beispiele zu nennen:
- Der Einsatz von Ackergiften muss ganz enden. Er schädigt Böden, Insekten und Grundwasser. Und ist eigentlich auch gar nicht nötig, wie wir in einer Stude zeigen. Das wollen wir jetzt durchsetzen.
- Die Tiergesundheit muss endlich streng kontrolliert werden. foodwatch hat dafür ein Konzept vorgeschlagen, über das viele Medien berichtet haben. Jetzt wollen wir die nächste Regierung davon überzeugen.
Klar, eine echte Agrarwende durchzusetzen ist deutlich schwieriger, als nur darauf zu hoffen, dass möglichst viele Verbraucher:innen bald mehr Bio kaufen. Dabei legen wir uns mit mächtigen Gegnern wie dem Bauernverband und den Chemiekonzernen an. Aber nur so können wir Tierleid, Klimakrise und Artensterben wirksam bekämpfen. Und wir setzen darauf, dass möglichst viele Menschen mitmachen. Vielleicht auch Sie?
Nur wenig Zuwachs an Bio-Landwirtschaft in den letzten zehn Jahren
In den letzten zehn Jahren ist die Bio-Fläche gerade mal um knapp fünf Prozentpunkte gewachsen. Wie sollen wir in der Hälfte der Zeit bis 2030 von 11 % Biofläche auf 30 % Biofläche kommen? Doch selbst wenn der Umsatz irgendwann steigt: Bio ist kein Allheilmittel für unsere kaputte Landwirtschaft. Zwar ist die ökologische Landwirtschaft besser für Böden, Wasser und Artenvielfalt. Doch unsere Recherchen zeigen: Auch in Bio-Ställen leiden die Tiere an Krankheiten, teilweise in gleichem Maße wie in den konventionellen Anlagen.
Unsere Forderungen
Wir dürfen nicht länger nur die Bio-Nische päppeln. Sondern müssen dafür sorgen, dass die gesamte Landwirtschaft umweltverträglich wirtschaftet. Der Blick auf die letzten vier Jahre verdeutlicht: Auch die kommende Regierung wird das nur tun, was wir Verbraucher:innen mit unserem Protest anschieben.