Newsletter 23.04.2015

Deutsche Bank – Ist der Ruf erst ruiniert...

Hallo und guten Tag,

das Anfang März veröffentlichte Buch von foodwatch-Chef Thilo Bode „Die Freihandelslüge“ hält sich seit einigen Wochen in den Top 5 der Spiegel-Bestsellerliste und brachte neuen Schwung in die Debatte über TTIP. Zahlreiche TTIP-Fans mussten seitdem ihre völlig übersteigerten wirtschaftlichen Versprechen radikal zurecht stutzen. Nun wäre es endlich möglich, mal die tatsächlichen Chancen und Risiken des Abkommens ehrlich abzuwägen. Die größte Gefahr durch TTIP, nämlich die Einschränkung des Gestaltungsspielraums der Politik, wird von den TTIP-Befürwortern aber weiterhin eisern ignoriert. Wie lange das wohl noch gelingt?

Stimmen zu „Die Freihandelslüge“ raten jedenfalls meist dazu, die Kritik an TTIP sehr ernst zu nehmen: Für Heribert Prantl ist Thilo Bodes Buch eine „eindrucksvolle Philippika“. In der Süddeutschen Zeitung wünscht er sich, „es gäbe einen TTIP-Befürworter, der es vermag, Positiva so packend zu schildern, wie dies Bode bei den Negativa gelingt.“ Auch Die Zeit stellt fest: „Thilo Bode ist einer dieser unbequemen Zeitgenossen, von denen es auf der Welt gar nicht genug geben kann. Der Gründer der Verbraucherorganisation 'foodwatch' und ehemalige Geschäftsführer von 'Greenpeace' legt nicht nur den Finger in die Wunden, die Wirtschaft und Politik der Gesellschaft regelmäßig zufügen, sondern macht auch deren Hintergründe und Ursachen begreiflich.“ Doch nicht nur in den Politikredaktionen und Feuilletons kommt das Buch an – sondern auch beim Publikum. Erfahren Sie mehr über Thilo Bodes aktuelles Buch und die Reaktionen darauf: „Die Freihandelslüge“ – das Buch-Honorar kommt der Arbeit von foodwatch zugute!

„TTIP – Die Freihandelslüge. Warum TTIP nur den Konzernen nützt – und uns allen schadet“ ist fast überall im Buchhandel erhältlich und zum Beispiel online auch hier: 

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Ach übrigens: Sie werden das Buch von Thilo Bode bestens verstehen – auch ohne genau zu wissen, was eine „Philippika“ eigentlich ist…

Im heutigen Newsletter dreht sich alles um das Thema Ignoranz – leider! Schaffen wir es gemeinsam, das zu ändern?

Vielen Dank für Ihre Unterstützung!
Ihr foodwatch-Team

NEUES ZU UNSEREN THEMEN

Deutsche Bank ignoriert Kritiker

Vor ziemlich genau einem Jahr hatte die Deutsche Bank mit viel Tamtam die zahlreichen Kritiker der Nahrungsmittelspekulation in ein Frankfurter Kloster eingeladen. Unter dem sperrigen Titel „Preisentwicklung bei Agrarrohstoffen – Wer ist wie in der Verantwortung?“ sollte es zu einem „offenen Austausch“ über die Folgen dieser heftig kritisierten Spekulationsgeschäfte kommen; auch wir waren damals vor Ort.

Deutsche-Bank-Chef Jürgen Fitschen hatte uns im Anschluss dann persönlich und schriftlich versichert, er werde sich „in ein paar Wochen“ melden, „um zu berichten, welche Themen wir wie angehen wollen.“ Nachdem wir wenige Wochen später nachgehakt hatten, hieß es, es seien „bereits konkrete Vorschläge in der Diskussions- und Abstimmungsphase“ – „Wir melden uns demnächst bei Ihnen“. Das war im Juli 2014!

Und seitdem? Stille. Nichts. Nicht ein einziger konkreter Vorschlag wurde nach dem mit viel Brimborium organisierten Experten-Treffen bis heute präsentiert.

Die Veranstaltung war wohl offensichtlich nur eine PR-Show, eine Alibi-Veranstaltung. Das Verhalten der Deutschen Bank zeigt eindrücklich, dass ihr an ernsthaftem Dialog überhaupt nicht gelegen ist.

Deutschlands größte Bank zockt also unbeirrt weiter – frei nach dem Motto: „Ist der Ruf erst ruiniert…“ Obwohl es starke Indizien aus der Wissenschaft und erdrückende Belege aus der Praxis dafür gibt, dass diese exzessiven Spekulationsgeschäfte Lebensmittelpreise ansteigen lassen können - und damit Menschen in armen Ländern in den Hunger stürzen.

Macht Sie diese Ignoranz ebenso wütend wie uns? Fordern Sie die Deutsche Bank bitte auf: Schluss mit der Lebensmittel-Zockerei!

Hier klicken: www.foodwatch.de/aktion-deutschebank

Sie haben schon unterschrieben? Dann bitte unbedingt weitersagen!

Trotz Gutachten: Christian Schmidt will wohl trotzdem an gescheiterter Lebensmittelbuch-Kommission festhalten

Die beim Bundesernährungsministerium angesiedelte Deutsche Lebensmittelbuch-Kommission (DLMBK) legt weitreichende Vorgaben zur Lebensmittelkennzeichnung fest, durch die Verbraucher regelmäßig getäuscht werden. Kein Wunder: In dem kaum bekannten Gremium sitzen Lobbyisten der Lebensmittelindustrie mit am Verhandlungstisch und können verbraucherfreundliche Regeln jederzeit blockieren.

Die Öffentlichkeit erfährt von diesen Vorgängen nichts – denn die Kommission tagt im Geheimen. Im März wurde nun ein Evaluationsbericht über die Lebensmittelbuch-Kommission veröffentlicht, der belegt: Die Kommission ist gescheitert. Das Gutachten bemängelt die Ineffizienz (seit 1999 wurden lediglich 21 von 97 Anträgen abschließend bearbeitet), den Lobbyeinfluss auf Entscheidungen, mangelnde Transparenz und vor allem den ständigen Konflikt zwischen Hersteller- und Verbraucherinteressen. Eigentlich ein klares Votum gegen diese Kommission, die im Supermarkt seit Jahren verlässlich für absurde Produktbezeichnungen und Verwirrung beim Verbraucher sorgt. Aber: Trotzdem will Bundesernährungsminister Christian Schmidt offenbar an dem Geheimgremium grundsätzlich festhalten. In einer öffentlichen Stellungnahme haben wir hierzu nun unmissverständlich Stellung bezogen.

Die Lebensmittelbuch-Kommission muss abgeschafft werden! Wenn Sie keine Lust mehr auf Kirsch-Tee ohne Kirschen oder Zitronenlimo ohne Zitronen haben, sollten Sie hier unsere Aktion unterschreiben: www.foodwatch.de/aktion-lebensmittelbuch

P.S.: Sie sehen – wir lassen uns nicht ignorieren. Wir sind hartnäckig, fragen nach – und geben so schnell nicht auf. Unsere Arbeit ist aber nur mit Ihrer Hilfe möglich - bitte unterstützen Sie uns und werden Sie jetzt Fördermitglied von foodwatch:

www.foodwatch.de/mitglied-werden

P.P.S.: Eine Philippika, auch leidenschaftliche Rede, bezeichnet eine Angriffs-, Brand- oder Kampfrede. Der Ausdruck geht auf Demosthenes zurück, der zum Widerstand gegen König Philipp II. von Makedonien aufrief.