Deutscher Gesundheitssektor fordert die Nährwert-Ampel
Vertreter des gesamten deutschen Gesundheitssektors haben sich in einem Schreiben an die deutschen EU-Abgeordneten für eine „verständliche und verbraucherfreundliche Nährwertkennzeichnung“ ausgesprochen. Die Angaben über den Gehalt an Zucker, Salz und Fett sollten mit einer„farblichen Untermalung, d.h. in Form einer 'Nährwertampel’“ dargestellt werden, so die Forderung.
Das berichtet Spiegel-Online und zitiert aus dem Schreiben. Unterzeichnet haben Vertreter der gesamten Gesundheitsbranche: Der Spitzendverband der Gesetzlichen Krankenkassen, der AOK-Bundesverband, die Verbraucherzentralen, der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte, die Bundesärztekammer, die deutsche Herzstiftung und DiabetesDE, die Dachgesellschaft der deutschen Diabetesorganisationen.
Europaweite Pflicht-Ampel – sonst nationale Lösungen
Die Parlamentarier werden nicht nur dringend gebeten, auf europäischer Ebene die Ampel verpflichtend einzuführen. Nachdrücklich heißt es am Ende des Schreibens außerdem: "Für den Fall, dass die Lebensmittelinformationsverordnung eine verbindliche Ampelkennzeichnung nicht EU-weit vorsehen wird, ist es aus unserer Sicht dringend notwendig, dass eine solche Kennzeichnung auf nationaler Ebene möglich ist“.
Gesundheitskosten von mehr als 70 Milliarden pro Jahr
Die aufgeführten Zahlen sind erschreckend: "In Deutschland sind zwei von drei Männern und jede zweite Frau übergewichtig und adipös (stark fettleibig, Anm. d. Red.). Hinzu kommen etwa 1,9 Millionen übergewichtige Kinder und Jugendliche.“ Die Ausgaben für ernährungsbedingte Krankheiten würden in Deutschland auf rund 70 Milliarden Euro pro Jahr geschätzt. Allein die Kosten für Diabetes-Patienten beliefen sich auf 15 Prozent der deutschen Gesundheitsausgaben.
Schon im August 2009 hatte der GKV-Spitzenverband, der alle gesetzlichen Krankenkassen in Deutschland vertritt, gemeinsam mit AOK, IKK- und BKK-Verband die Bundesregierung in einem Offenen Brief aufgefordert, sich in Brüssel gegen das EU-weit geplante Ampel-Verbot zu stemmen.