Newsletter 14.02.2014

Die Deutsche Bank und Wolfgang Schäuble wollen uns für dumm verkaufen - nicht mit uns!

Hallo und guten Tag,

Liebe foodwatch Interessierte, ich wende mich heute mit einer ungewöhnlichen Bitte an Sie: Ich habe einen Misserfolg zu vermelden - und bitte Sie trotzdem dringend um Ihre Unterstützung!

In den letzten zwei Jahren habe ich Sie regelmäßig über unsere Kampagne gegen die Spekulation mit Nahrungsmitteln informiert. Der wichtigste und größte Akteur in diesem schmutzigen Geschäft ist die Deutsche Bank. Andere Finanzhäuser konnten wir mit unserer Kampagne überzeugen, keine Finanzprodukte mehr zu verkaufen, die auf steigende Preise von Nahrungsmitteln wetten. Zum Beispiel die Commerzbank sowie die Sparkassen und die Volks- und Raiffeisenbanken. Aber auch in Brüssel waren wir zusammen mit anderen Organisationen aktiv. Dort fanden Verhandlungen über gesetzliche Maßnahmen gegen die Hunger-Spekulanten statt. Doch jetzt kommt die schlechte Nachricht: Unsere Politiker sind vor den Lobbyisten der Investmentbanken eingeknickt - und Deutschland hat hier eine besonders unrühmliche Rolle gespielt.

Finanzminister Wolfgang Schäuble hatte noch vor den Wahlen zum Deutschen Bundestag versprochen, sich für strikte Regeln gegen die Hunger-Spekulation einzusetzen. Und was ist passiert? Das, was an Regulierung rausgekommen ist, darüber können die Finanzmarktjongleure nur lachen. Die Regeln sind wirkungslos, weil jedes Land in Europa selbst entscheiden kann, wie strikt es gegen die Spekulation vorgehen will. Das heißt, das Land, welches am wenigsten reguliert, steht dann wirtschaftlich am besten da, weil die Spekulationsgeschäfte an dessen Börsen abgewickelt werden: ein Desaster! Vor der Wahl wollte der Finanzminister genau das verhindern. Und einen Moment dachten wir, dass wir gegen die Hungermacher obsiegen könnten. Aber nach der Wahl war es dann wieder das alte Lied. Nicht Wolfgang Schäuble, sondern die Vorstände der Deutschen Bank und andere große Finanzhäuser sagen wo es lang geht.

Auch deshalb haben wir den Minister in einem ironischen Protest vor dem Finanzministerium zum „Mitarbeiter des Monats“ der Deutschen Bank gekürt. Auf dem foodwatch Banner stand: „Danke Wolfgang, unser Geschäft mit dem Hunger darf weitergehen. Deine Deutsche Bank“.

Liebe foodwatch Interessierte, Sie können sich denken, welche herbe Enttäuschung dieses Ergebnis für uns war. Geben wir jetzt auf? Nein und nochmals nein! Ich versichere Ihnen: Aufgeben, das kommt meinem Team und mir nicht in den Sinn. Es kann nicht sein, dass Deutsche Bank & Co. und nicht unsere gewählten Vertreter uns regieren! Es kann nicht sein, dass die Deutsche Bank von „Kulturwandel“ schwadroniert, vermeintlich zugesteht, der Finanzmarkt müsse reguliert werden,  gleichzeitig aber mit internationalen Anwaltskanzleien gerichtlich gegen Anti-Spekulationsgesetze vorgeht. Und es darf nicht sein, dass unschuldige Menschen, vor allem Kinder, wegen volkswirtschaftlich sinnloser Finanzwetten an den Rohstoffbörsen hungern und sterben müssen!

Wir erwarten Rückgrat von der Politik und ein Mindestmaß an Moral von internationalen Finanzkonzernen! Unternehmen müssen Geld verdienen, das wissen wir, das akzeptieren wir auch. Was wir niemals akzeptieren werden: Dass Unternehmen wie die Deutsche Bank es in Kauf nehmen, mit ihren Geschäften Menschen dem Hungertod auszuliefern. Wenn Sie das genauso unerträglich finden wie wir, dann helfen Sie uns im Kampf gegen diese Unmoral und werden Sie Förderin/Förderer von foodwatch!

Wissen Sie, wie die Deutsche Bank ihren Widerstand gegen die Regulierung der Finanzwetten auf Nahrungsmittelpreise begründet? Sie sagt:

„Solche Maßnahmen würden die Fähigkeit der Banken einschränken, auf die Bedürfnisse ihrer Kunden zugeschnittene Geschäfte anzubieten“.

Liebe Unterstützer, das ist enthüllend. Das ist es, was diese Bank allein bewegt:  Profit, Profit und nochmals Profit. Alles, was nicht dem Verkauf ihrer Produkte dient, darf dieser Bank nicht im Wege stehen. Und seien es Hungertote. Dagegen wollen wir nicht nur, wir müssen auch dagegen kämpfen! Bitte unterstützen Sie uns und werden Sie Förderer/Förderin von foodwatch - auch, wenn ich Ihnen den Erfolg nicht garantieren kann. Mit Ihrer Unterstützung  können wir nicht nur Wissenschaftler, Rechtsanwälte und aufwendige Recherchen über die Aktionen und Produkte der Finanzindustrie bezahlen: Sie geben uns damit auch die moralische Rückendeckung, die wir im Kampf gegen die Giganten der Finanzindustrie so dringend benötigen!

Obwohl wir diese Runde verloren haben, wir werden und wollen nicht aufgeben. Ich bitte Sie deshalb: Unterstützen Sie uns, damit wir diesen Kampf weiter führen können! Werden Sie Förderin/Förderer von foodwatch und helfen Sie uns, diesen unmoralischen Geschäften ein Ende zu setzen! Ich weiß, wir brauchen einen langen Atem, aber für diesen brauchen wir auch Sie.

Bitte unterstützen Sie uns! Ich verspreche Ihnen: Mein Team und ich werden unser Bestes geben.

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Vielen Dank und herzliche Grüße,

Ihr Thilo Bode