Die üppigen Lobby-Budgets von Bayer, BASF & Co.
Bayer, BASF und Co. haben ihre Lobby-Budgets kräftig aufgestockt: Insgesamt gibt die Chemie-Industrie 50 Millionen Euro im Jahr aus, um Brüssel zu beeinflussen. Warum, erklärt unsere Chemie-Expertin Rebekka Siegmann.
Ein Kommentar von Dr. Rebekka Siegmann, Recherche und Kampagnen.
Dr. Rebekka Siegmann, Recherche und Kampagnen
Es sind alarmierende Zahlen, die LobbyControl zusammengetragen hat: Die Chemie-Industrie gibt jährlich knapp 50 Millionen Euro aus, um die Politik in Brüssel zu beeinflussen.
Schaut man sich die vier größten Player der Chemie-Lobby an, sind darunter drei deutsche: BASF, Bayer und der Verband der Chemischen Industrie. Bayer und BASF hängen sich besonders rein: Sie haben ihre Lobby-Budgets um etwa 40 Prozent erhöht.
Alle zwei Wochen ist die Chemie-Lobby bei Politiker:innen
Damit rennen sie bei der Europäischen Kommission offene Türen ein. Allein der Branchenverband CEFIC traf sich in den letzten zehn Jahren im Schnitt etwa jede zweite Woche mit hochrangigen Kommissions-Vertreter:innen. Zum Vergleich: In unserem Brüsseler Büro arbeiten zwei Kolleginnen. Damit Suzy oder Natacha auch nur ein solches Treffen gewährt bekommen, braucht es von uns oft jahrelange Kampagnenarbeit.
Was die Industrie will
Gerade versuchen wir, den Abbau von Pestizid-Regeln zu verhindern. Davon haben Sie vielleicht schon gehört. Das EU-Gesetz – das die Kommission verharmlosend „Omnibus“ nennt – hat es in sich: Ackergifte brauchen bisher alle zehn Jahre eine neue Zulassung, falls die Wissenschaft neue Risiken gefunden hat. Dieser Check soll wegfallen – und ein großer Wunsch der Chemie-Industrie ginge in Erfüllung. Schon damit haben wir alle Hände voll zu tun.
PFAS-Ewigkeitschemikalien bleiben für immer in der Erde
Aber es gibt in Brüssel noch eine weitere wichtige Auseinandersetzung, in die wir uns einmischen müssen: Es geht dabei um sogenannte Ewigkeits-Chemikalien. Man kennt sie auch als PFAS. Sie stehen im Verdacht, Krankheiten zu verursachen. Und bleiben, einmal freigelassen, buchstäblich für immer in unserer Umwelt, unserem Wasser, unserer Nahrung – und reichern sich in unseren Körpern an.
Die EU hat angefangen, sich mit diesem Thema auseinanderzusetzen. Sie will einige dieser Chemikalien verbieten, andere strenger regulieren. Und selbst dagegen kämpft der Schwarm an Chemie-Lobbyist:innen erbittert. Für uns ist klar: Giftige Chemikalien haben in unserem Essen und Wasser nichts zu suchen! Dafür wollen wir uns einsetzen.
Ein Pakt gegen unsere Gesundheit
Die Verbindungen zwischen Politik und Chemie-Lobby sind so eng, dass ein Insider sogar von einem Pakt zwischen den beiden spricht. „Gebt uns eure Zehn Gebote“, forderte Belgiens Premierminister Bart De Wever die CEOs bei einem Branchentreffen auf. Kehrt sich hier um, wer wen regiert? Bedrohlich ist das, weil die Industrie an den Ewigkeits-Chemikalien hängt. Das Geschäft ist profitabel, da stören Gesundheitswarnungen nur.
Drum prüfe, wer sich ewig bindet
...denn wer sich einmal mit PFAS einlässt, wird sie so schnell nicht mehr los. Die Industrie erzählt oft, wie nützlich sie in Pfanne und Regenjacke sind, denn das sind sympathische Produkte. Weniger gern erzählt sie, dass diese Ewigkeitschemikalien inzwischen in vielen Ackergiften stecken und über Umwege auch in unsere Körper gelangen. Unser Gegenangebot: Eine Bindung, die Sie nicht bereuen werden: Werden Sie Fördermitglied und setzen Sie sich gegen Ackergifte und Ewigkeitschemikalien ein!
Ewigkeitschemikalien sind wohl gefährlicher als gedacht
Währenddessen schält sich immer stärker heraus, welche Risiken diese Stoffklasse beinhaltet. Sie umfasst tausende Einzelstoffe, die in vielen Industrie-Anwendungen zum Einsatz kommen. Bestimmte PFAS werden mit erhöhtem Cholesterin und veränderten Leberwerten in Verbindung gebracht. Für Nieren- und Hodenkrebs gibt es ebenfalls Hinweise. Vieles ist noch nicht erforscht. Aber gerade weil die Chemikalien nicht irgendwann zerfallen und damit unschädlich werden, sondern für immer bleiben, fordern wir, konsequent auf Vorsorge zu setzen und gefährliche PFAS zu verbieten.
Das Thema wird uns die nächsten Jahre schwer beschäftigen. Damit wir das hinbekommen, setzen wir auf Ihre Unterstützung. Meine Bitte: Geben Sie uns als Fördermitglied die notwendige Ausdauer!