DIW empfiehlt Ampelkennzeichnung
Unterstützung für die Ampelkennzeichnung kommt von überraschender Seite. Nach Ernährungswissenschaftlern sprechen sich jetzt auch Wirtschaftsforscher für die Lebensmittel-Ampel aus. Kurz vor der Abstimmung im Europaparlament am 16. Juni schreibt das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW): Die Politik sollte "einer farblichen Gestaltung der Nährwertangaben (...) den Vorzug geben".
„Die Ampel erreicht die Verbraucher am besten", so das Fazit der Wirtschaftswissenschaftler im aktuellen DIW-Wochenbericht. Das DIW hat sich ausführlich mit der Frage auseinander gesetzt, welches der beiden Kennzeichnungssysteme – die Nährwertampel und das Industriemodell GDA – nach empirischen Befunden und theoretischen Erklärungsansätzen besser ist. Den klaren Vorteil der Ampel sieht das DIW in der einfachen Verständlichkeit: „Es muss auch möglich sein, dass Verbraucher, die nicht so gebildet oder gesundheitsbewusst sind, trotzdem aufmerksam gemacht werden. Das wird durch eine Signalfarbe viel deutlicher gemacht als durch viele Zahlen.“
Wirtschaftwissenschaftler widerlegen Argumente der Industrie
Im aktuellen Wochenbericht analysieren die Wirtschaftswissenschaftler die existierenden Studien zum Thema Ampel ausführlich und räumen dabei mit vielen Vorurteilen und Argumenten der Lebensmittelindustrie auf. So dem, dass die Ampel Produkte diffamiere. "Objektiv ist dazu festzustellen, dass die Ampel tatsächlich nicht ein Produkt insgesamt bewertet, sondern die einzelnen Nährstoffe. Die Kritik, die Ampel ignoriere, dass es mehr als nur die angegebenen Nährstoffe gebe, mag berechtigt sein, gilt jedoch gleichermaßen für die GDA-Angaben und ist insofern nicht nachvollziehbar." Weiter heißt es: „Die Frage wiederum, ob die Ampel eine einseitige Ernährung begünstigt, wurde nach unserem Kenntnisstand bisher noch nicht durch Studien fundiert.“
Keine Wettbewerbsbehinderung durch Ampel
Die Gefahr, dass der Wettbewerb durch eine Nährwertkennzeichnung mit den Ampelfarben behindert würde, sieht das DIW nicht. „Die Menschen werden weiterhin Gebäck und Süßwaren kaufen. Es bleibt trotzdem Aufgabe des Staates, deutlich zu machen, dass sie damit Nahrungsmittel zu sich nehmen, die unter Umständen negative gesundheitliche Auswirkungen haben können."
Die klare Botschaft an die Politik lautet also: Her mit der Ampel! Eine wichtige Vorentscheidung über die künftige Nährwertkennzeichnung steht am 16. Juni an, dann stimmt das Europaparlament ab.