Nachricht 17.07.2026

Doppelmoral bei McDonalds

McDonalds empfiehlt: Kinder sollten keine Energydrinks trinken. Doch wie reagiert der Fastfood-Konzern, wenn eine 11-Jährige das neue McCafé-Getränk mit Red Bull kaufen will? foodwatch macht den Test.

Knallpink und grün, mit süßem Geschmack und cooler Aufmachung – die neuen Energizer-Getränke von McDonalds sprechen besonders Kinder an. Wir wollen ausprobieren: Verkauft der Fastfoodkonzern die Getränke auf Red-Bull-Basis auch an Minderjährige? Lara und ihre Freundin testen eine Filiale im Westen Berlins. Fünf Minuten später kommen die Beiden wieder raus – jedes Kind mit einem Becher in der Hand: „Ich wurde nicht mal nach dem Alter gefragt!“ berichtet die 11-Jährige.

Portraitfoto von Dr. Rebekka Siegmann
McDonalds rät Kindern offiziell vom Verzehr der neuen Energydrinks ab – und verkauft die Koffeinbomben trotzdem an 11-Jährige! Wir brauchen endlich eine Altersgrenze für Energydrinks!
Dr. Rebekka Siegmann Kampagnen und Recherchen

Red Bull für Kinder

Lara ist nicht die einzige, die Erfolg hat an diesem Tag. Unser Test zeigt: Minderjährige können die Koffeinbomben bei McDonalds ohne Probleme erwerben. Die Kinder im Alter von 11 bis 15 Jahren bekamen die Energizer-Drinks in allen McDonalds-Filialen unserer Stichprobe in Berlin. Am Bestellterminal gelang der Kauf bei allen zwölf Versuchen – ohne jede Rückfrage. Bei vier Bestellungen direkt am Tresen verweigerte nur eine Mitarbeiterin den Verkauf, mit Verweis auf eine Altersgrenze von 16 Jahren. Zehn Minuten zuvor hatte die Mitarbeiterin demselben Kind das Getränk allerdings ausgehändigt, als es über das Terminal bestellt hatte.

Kinderschutz bei McDonalds? Nur auf dem Papier!

Dabei hatte uns der Konzern zuvor auf Anfrage mitgeteilt, dass er Kindern den Verzehr der beiden neuen McCafé Drinks mit Red Bull nicht empfiehlt. Und weiter heißt es: „Zudem haben wir unsere Restaurantcrews dafür sensibilisiert, Kinder, die sich für die beiden McCafé Energizer interessieren, auf die Verzehrempfehlung hinzuweisen."

Von dieser Verzehrempfehlung bekommen die Kinder beim Einkauf allerdings nichts mit. Kein Warnhinweis am Terminal, keine Nachfrage an der Ausgabe. Erst nach längerem Suchen im Kleingedruckten bei den Produktinformationen werden wir fündig. Abgesehen davon: Welches Kind würde sich von einer unverbindlichen Verzehrsempfehlung beeindrucken lassen?

Keine Energydrinks für Kinder, McDonalds!

Wir finden: So geht es nicht weiter! Ärzt:innen und Verbraucherverbände warnen seit Jahren vor den gesundheitlichen Folgen koffeinhaltiger Getränke für Kinder und Jugendliche. Bei hohem Konsum drohen Herzrhythmusstörungen, Angstzustände und Konzentrationsprobleme. Andere Länder haben deshalb schon längst eine Altersgrenze für den Verkauf von Energydrinks eingeführt, zum Beispiel Polen, Norwegen, Lettland und Kroatien. Solange die Bundesregierung untätig bleibt, müssen die Konzerne Verantwortung übernehmen. Deshalb haben wir eine Petition an McDonalds gestartet: Keine Energydrinks für Kinder! Schließen Sie sich uns an!

Quellen und weiterführende Informationen