Newsletter 16.07.2014

Eines der geheimsten Gremien Deutschlands!

Hallo und guten Tag,

Kennen Sie eigentlich die Deutsche Lebensmittelbuchkommission? Nein? Und Sie wissen auch nicht, was diese Kommission so treibt? Das ist kein Wunder, denn diese Kommission ist extrem lichtscheu: dass sie niemand kennt und im Geheimen tagt, dass die Protokolle der Sitzungen ebenfalls geheim sind, hat nämlich System. Diese Kommission ist der schlagende Beweis, dass bei uns nicht der Kunde der König im Lebensmittelmarkt ist, sondern die Lebensmittel-Lobby die Regeln diktiert!

Alles halb so wild, wenn nur diese Kommission nicht unsere tägliche Ernährung und damit täglich unser Leben beeinflussen würde! Sie legt nämlich die sogenannten „Verkehrsbezeichnungen“ für Lebensmittel fest. Also, zum Beispiel, aus was und auf welche Weise eine Leberwurst hergestellt werden muss, damit sie den Namen „Kalbfleisch-Leberwurst“ tragen darf. Oder ob überhaupt und wieviele Kirschen in einem Tee sein müssen, damit er als Kirsch-Tee verkauft werden darf.

Die deutsche Lebensmittelbuchkommission fasst ihre Entscheidungen im „Deutschen Lebensmittelbuch“ auf über 500 Seiten zusammen. Dieses Lebensmittelbuch müsste aber eigentlich „Anleitung zum legalen Etikettenschwindel“ heißen.

Beispiel 1: Fruchtfüllung und Fruchtcremefüllung

Das Deutsche Lebensmittelbuch sieht vor, dass Fruchtfüllungen aus einem wesentlichen Anteil an Früchten bestehen müssen. Fruchtcreme- oder Fruchtkremfüllungen - wie sie im Deutschen Lebensmittelbuch heißen - hingegen müssen keine Früchte enthalten. Statt der Früchte dürfen Aromen und Farbstoffe Geschmack und Farbe einer echten Fruchtfüllung imitieren. Hätten Sie den Unterschied gekannt? Vermutlich nicht - außer natürlich, Sie gehen stets mit dem Deutschen Lebensmittelbuch unter dem Arm einkaufen.

Wir fragen uns: Warum heißt eine Fruchtcremefüllung eigentlich nicht: „Cremefüllung ohne Früchte mit Aromen und Farbstoffen“?

Beispiel 2: Zitronenlimonade

Zitronenlimonade muss absolut nichts mit echten Zitronen zu tun haben. Das Deutsche Lebensmittelbuch erlaubt Unternehmen einen Mix aus Wasser, Zucker, Aroma und der zahnschädigenden Zitronensäure E330 herzustellen und  als „Zitronenlimonade“ zu verkaufen. Obwohl das Getränk niemals eine einzige Zitrone zu Gesicht bekommen haben muss, dürfen diese gelb und lecker auf dem Etikett prangen.

Wir fragen uns, warum heißt diese Zitronenlimonade eigentlich nicht: „Zucker-Wasser mit Aroma und E330 (chemisch hergestellte Zitronensäure)“?

Beispiel 3: Geflügelwürstchen

Wussten Sie, woraus Geflügelwürstchen hergestellt werden? Aus Geflügel. Klar. Aber war Ihnen bewusst, dass „Geflügelwürstchen“ auch Schweinespeck beigemischt wird? Wer aus welchen Gründen auch immer  auf Schweinefleisch verzichten möchte, der wird mit der Bezeichnung „Geflügel“ nach allen Regeln der Kunst getäuscht!

Wir fragen uns, warum heißen die Geflügelwürstchen nicht einfach: „Geflügelwürstchen mit Schweinespeck“?

Der Grund ist einfach: Weil in der Lebensmittelbuchkommission - es ist nicht zu fassen - die Lobbyisten der Lebensmittelindustrie alles blockieren können, was ihnen nicht in den Kram passt. Weil Vertreter von Unilever (Knorr, Becel, Rama, Langnese) und Co. ihren festen Platz in der Lebensmittelkommission haben! Kein Wunder also, dass die Heimlichtuerei dieser Kommission Programm ist. Wenn sie das genauso unerträglich finden wie wir, dann helfen Sie uns, diese Kommission abzuschaffen - und werden Förderer/Förderin von foodwatch.
Wir bei foodwatch kämpfen dafür, dass drin ist was draufsteht und auch drauf steht was drin ist. Ein selbstverständliches Ziel, möchte man meinen. Aber die Hürden sind hoch! Allein schaffen wir das nicht. Ich bitte Sie deshalb, liebe foodwatch-Interessierte, unterstützen Sie uns, werden Sie Förderin/Förderer von foodwatch.

Vor einigen Jahren scheiterte foodwatch mit einer Klage zur Offenlegung der Abstimmungsprotokolle der Kommission. Aber davon lassen wir uns nicht abschrecken. Schließlich erlässt die Kommission gesetzesähnliche Vorschriften - und diese dürfen nicht in Hinterzimmern mit den Lobbyisten der Lebensmittelindustrie ausgekungelt werden. Aber natürlich kosten Prozesse auch Geld. Deshalb meine Bitte: Unterstützen Sie uns und werden Sie Förderin/Förderer. Ich verspreche Ihnen: Wir werden nicht aufgeben!

Die Industrie darf nicht länger ihre eigenen Regeln machen! foodwatch fordert deshalb die Auflösung dieser Geheim-Kommission und stattdessen die Schaffung einer demokratischen und transparent arbeitenden Institution. Ich bitte Sie, helfen Sie uns dabei! Stärken Sie unsere Schlagkraft durch Ihre Mitgliedschaft. Werden Sie Förderin/Förderer von foodwatch!

Vielen Dank und herzliche Grüße, 

Ihre

Lena Blanken
Kampagnen


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