Erfolg: foodwatch stoppt Greenwashing bei Lachs
Lidl und Tinema bewarben ihren Lachs als „umweltverträglich hergestellt” und mit Nachhaltigkeitssiegel. Doch halten die Produkte, was sie versprechen?
Lachs hat einen guten Ruf: gesund, proteinreich – und im Meer gibt es keine Massentierhaltung, oder? Hersteller und Handel tun ihr übriges dazu, den Fisch als nachhaltig zu präsentieren. So wie Lidl und Tinema. Der Discounter und das auf Räucherfisch spezialisierte Unternehmen vertreiben Lachs unter den Marken Nautica und „Meine Lieblinge”. Sie bewarben ihre Produkte aus norwegischem Lachs mit wohlklingenden Umweltversprechen und dem ASC- beziehungsweise GGN-Siegel. Das Problem: Die Verbraucher:innen können die grünen Werbeslogans nicht nachvollziehen. Und die Siegel täuschen über die oftmals schlechten Bedingungen in den Zuchtfarmen hinweg. foodwatch hat die beiden Unternehmen deshalb abgemahnt. Mit Erfolg: Lidl und Tinema stoppen das Greenwashing.
Es ist ein wichtiges Signal, dass Lidl und Tinema auf die foodwatch-Kritik reagieren und die irreführenden Nachhaltigkeitsversprechen von den Packungen verschwinden. Doch das grundsätzliche Problem bleibt: Eine Fülle von Siegeln gaukelt uns vor, in der Lachszucht sei alles in bester Ordnung. Dabei können die Verbraucher:innen weder beim ASC- noch beim GGN-Siegel darauf vertrauen, dass es den Tieren gut ging.Recherche und Kampagnen
Tinema entfernt ASC-Siegel
Hersteller Tinema verpflichtet sich, das ASC-Siegel sowie die beanstandeten Werbeaussagen „umweltverträglich und nach sozialen Standards hergestellt“ sowie „aus verantwortungsvoller Fischzucht“ von den Verpackungen mehrerer Lachsprodukte der Marke „Meine Lieblinge“ bis Ende Oktober zu entfernen.
Lidl ändert Verpackung
Auch Lidl hat Konsequenzen gezogen: Das Unternehmen hat das Werbeversprechen „verantwortungsvoll produziert” von der Verpackung des Nautica-Lachses genommen. Außerdem hat Lidl das Siegel mit der Aufschrift „Woher kommt unser Fisch? Scannen Sie den QR-Code“ entfernt. foodwatch hatte kritisiert, dass dies bei den Verbraucher:innen den Eindruck erweckt, sie könnten den Ursprung des Fischs vollständig nachvollziehen. Tatsächlich ließ sich das Produkt auf der Trackingseite jedoch nur bis zum Händler zurückverfolgen und nicht bis zur Fischfarm. Laut Angaben von Lidl sind die geänderten Verpackungen seit Juli im Verkauf.
Massensterben statt heiler Welt
Die industrielle Lachszucht steht seit Jahren wegen hoher Besatzdichten, Ungezieferbefall und Belastungen für umliegende Ökosysteme in der Kritik. Laut dem Norwegischen Veterinärinstitut verendeten 2025 in norwegischen Zuchtfarmen 98 Millionen Lachse, noch bevor sie verarbeitet werden konnten. Auch in ASC-zertifizierten Zuchtfarmen kam es in der Vergangenheit immer wieder zu Missständen wie einem Massensterben von Lachsen. Deshalb kann die Branche aus unserer Sicht nicht von einer besonders „umweltverträglichen“ oder „verantwortungsvollen“ Produktion sprechen.
Umweltwerbung muss klar erklärt werden
Für Umweltwerbung gelten laut Bundesgerichtshof (BGH) besonders strenge Anforderungen. Der BGH stellte 2024 klar, dass Unternehmen bei umweltbezogener Werbung eindeutig erklären müssen, was verwendete Umweltbegriffe bedeuten. foodwatch bewertete die beanstandete Werbung als Verstoß gegen das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG). Ab Ende September wird Greenwashing durch die Änderung des Wettbewerbs- und des Verbraucherrechts stärker reglementiert. Dann sind zum Beispiel allgemeine Umweltaussagen nur noch mit einer klaren Spezifizierung und Begründung zulässig.
Quellen und weiterführende Informationen
- Mailverkehr mit Lidl
- Vereinbarung mit Tinema GmbH
- foodwatch-Abmahnung gegen Lidl
- foodwatch-Abmahnung gegen Tinema für ein bei Rewe erworbenes Produkt
- Fish Health Report 2025 des Norwegischen Veterinärinstituts
- foodwatch-Report „Faule Fische“: Millionen tote Lachse und katastrophale Zustände in der Industrie
Transparenz im Lachs-Regal
Lachs mit Nachhaltigkeits-Siegel klingt nach gutem Gewissen. Doch auch in zertifizierten Zuchtfarmen kann es zu Ungezieferbefall und Massensterben kommen. Verbraucher:innen müssen wissen, was auf dem Teller landet. Helfen Sie uns, Tierleid aufzudecken und Händler zur Verantwortung zu ziehen!