foodwatch-Labortest: verbotene Pestizide in Reis, Gewürzen und Tee
Produkte von Rewe, Edeka, Aldi, Lidl, Teekanne, Meßmer und Ostmann betroffen
- Das am stärksten belastete Produkt: REWE Chili Mix mit 22 Pestiziden
-
Landwirtschaftsminister Alois Rainer blockiert strengere Pestizid-Regeln für Importlebensmittel
Viele Lebensmittel im Supermarkt sind mit Pestiziden verunreinigt, die in der EU nicht mehr zugelassen sind. Das zeigt ein internationaler foodwatch-Labortest von Reis, Gewürzen und Tee. Zweidrittel aller Produkte im Test (45 von insgesamt 64) waren mit in Europa verbotenen Ackergiften belastet – darunter Eigenmarken von Rewe, Aldi, Edeka und Lidl sowie Produkte von Teekanne, Meßmer und dem Gewürzhersteller Fuchs/Ostmann.
Zahlreiche der gefundenen Pestizidwirkstoffe sind in Europa verboten, landen aber über importierte Lebensmittel wieder bei uns im Supermarkt. Die EU-Kommission plant zwar aktuell, die Regeln für Importlebensmittel zu überarbeiten. Doch zum einen reichen die Vorschläge bei Weitem nicht aus. Zum anderen lehnt Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer die EU-Pläne bisher ab. foodwatch forderte den deutschen Minister auf, seine Blockadehaltung aufzugeben und sich in Brüssel für eine Null-Toleranz-Regelung einzusetzen: Lebensmittel mit Rückständen von verbotenen Pestiziden dürfen nicht in die EU importiert werden.
„Ackergifte, die in Europa verboten sind, dürfen nicht über importierte Lebensmittel wieder auf unserem Teller landen! Der giftige Pestizid-Bumerang muss gestoppt werden“, sagte Annemarie Botzki von foodwatch. „Wer mit Paprikapulver würzt, den Kreuzkümmel ins Curry gibt oder eine Tasse grünen Tee trinkt, ahnt es nicht: In vielen Lebensmitteln, die wir alltäglich essen, stecken Pestizidrückstände – darunter Substanzen, die bei uns in Europa seit Jahren nicht mehr zugelassen sind. Doch statt uns Verbraucher:innen besser zu schützen, blockiert ausgerechnet der deutsche Ernährungsminister strengere Regeln zu Pestizidrückständen.“
foodwatch-Labortest: verbotene Pestizide in zweidrittel aller Produkte
foodwatch hat insgesamt 64 Produkte aus Deutschland, den Niederlanden, Frankreich und Österreich im Labor untersuchen lassen. 45 Proben enthielten Rückstände von einem oder mehreren in Europa verbotenen Pestiziden. Besonders betroffen: Paprikapulver, Chili, Kreuzkümmel und grüner Tee. Hier enthielten ausnahmslose alle Proben Rückstände von nicht zugelassenen Pestiziden.
foodwatch fordert Rückruf
In Deutschland hat foodwatch 19 Produkte unter die Lupe genommen, 13 waren mit Pestiziden belastet – und zwar alle mit Mitteln, die in Europa nicht mehr zugelassen sind. Ein Produkt, der REWE Chili Mix, überschritt sogar den gesetzlichen Grenzwert. foodwatch fordert, dass dieses Produkt umgehend zurückgerufen wird.
Doch selbst wenn ein Produkt den gesetzlichen Grenzwert einhält, bedeutet das nicht automatisch, dass es sicher ist. Der sogenannte Cocktail-Effekt stellt ein Risiko für Verbraucher:innen dar. Die Wirkungen von Stoffen mit ähnlichen Mechanismen können sich addieren und eine kritische Belastung hervorrufen, auch wenn die Einzelbelastung als unbedenklich gilt.
Die Ergebnisse im Detail:
Kreuzkümmel oft belastet
- Im Fuchs Kreuzkümmel wurden fünf Pestizide nachgewiesen – davon drei in der EU nicht zugelassene.
- Auch im Kania Kreuzkümmel (Lidl Eigenmarke) wurde ein in der EU nicht zugelassenes Pestizid gefunden.
- Ostmann Kreuzkümmel: 3 Pestizide, davon 2 nicht zugelassen
Pestizid-Cocktail in Paprikapulver
Besonders alarmierend: die Paprikaprodukte. Der foodwatch-Test zeigt: Wer Paprikapulver verwendet, nimmt dabei ein breites Spektrum an Chemikalien zu sich – auch wenn die Mengen sehr gering sind:
- Ostmann Paprika rosenscharf (gehört zur Fuchs Gruppe): 13 Pestizide, davon 3 nicht zugelassen in der EU.
- Le Gusto Paprika edelsüß (Aldi Eigenmarke): 12 Pestizide, davon 4 nicht zugelassen.
- Kania Paprika edelsüß (Lidl Eigenmarke): 8 Pestizide, davon 5 nicht zugelassen
- Ja! Paprika (REWE) edelsüß: 8 Pestizide, davon 5 nicht zugelassen
Rewe Chili-Mix mit den meisten Pestiziden
- REWE Chili Mix: 22 Pestizide, davon 7 nicht zugelassen,1 Mittel (Chlorfenapyr) über dem Grenzwert
- Ostmann Chili Flocken: 8 Pestizide, davon 3 nicht zugelassen
Auch Tee mit problematischen Rückständen
- Teekanne Feinster Grüner Tee: 2 nicht zugelassene Pestizide
- Meßmer Grüner Tee: ebenfalls 2 nicht zugelassene Pestizide
Positiv: Der Magen-Darm-Kindertee von Mivolis, der „Westminster“-Schwarztee (Aldi Eigenmarke) sowie Lord Nelson Schwarzer Earl Grey (Lidl Eigenmarke) waren frei von Pestizidrückständen.
Reis ebenfalls mit Rückständen
- ja! Basmati Reis (REWE): 3 Pestizide, davon 2 nicht zugelassen
- EDEKA Herzstücke Langkornreis: 1 nicht zugelassenes Pestizid
Positiv: In Dr. Oetker Milchreis, Oryza Ideal Reis und Ben’s Original wurden keine Rückstände nachgewiesen.
Korrekturhinweis: Das von foodwatch beauftragte Lebensmittellabor hatte insgesamt 54 Pestizidwirkstoffe in Produkten wie Reis, Tee und Gewürzen gefunden – darunter viele Mittel, die in der EU verbotene sind. Bei einem dieser 54 Pestizide ist dem Labor nach eigenen Angaben bedauerlicherweise ein Fehler unterlaufen: Die gemessenen Werte für das Mittel Flamprop – im Fuchs-Kreuzkümmel und Kania-Kreuzkümmel – waren offenbar falsch. Die beiden Produkte waren nicht mit Flamprop, aber mit anderen Pestiziden belastet, darunter auch Wirkstoffe, die in der EU verboten sind. Korrekt ist: Der Fuchs Kreuzkümmel enthielt Rückstände von fünf verschiedenen Pestiziden, drei davon sind in der EU nicht mehr zugelassen. Der Kania Kreuzkümmel war ebenfalls mit einem nicht mehr in Europa erlaubten Mittel belastet. Wir haben die Angaben zu Flamprop selbstverständlich geändert, nachdem wir alle Informationen von dem Labor erhalten hatten.
Das Problem bleibt: Der von foodwatch veröffentlichte Labortest zeigt einmal mehr, dass viele Lebensmittel im Supermarkt mit Pestiziden verunreinigt sind, die in der EU nicht mehr zugelassen sind. Aus Sicht von foodwatch ist das absolut inakzeptabel. foodwatch fordert eine Null-Toleranz-Regelung: Lebensmittel mit Rückständen von verbotenen Pestiziden dürfen nicht in die EU importiert werden.