foodwatch zu Gentechnik / EU-Kommission: "Schlag für die Verbraucherrechte"
Die EU-Kommission will die Gentechnik-Regeln für Lebensmittel lockern: Viele gentechnisch veränderte Lebensmittel sollen künftig ohne Kennzeichnung verkauft werden können. Dazu erklärt Manuel Wiemann von der Verbraucherorganisation foodwatch:
„Die Aufweichung der Gentechnik-Kennzeichnung ist ein Schlag für die Verbraucher:innenrechte in Europa. Das im EU-Lebensmittelgesetz festgeschriebene Recht auf eine informierte Entscheidung wird ausgehebelt, wenn ‚neue‘ Gentechnik nicht mehr gekennzeichnet ist. Egal ob ‚alte‘ oder ‚neue‘ Gentechnik: Verbraucher:innen müssen im Supermarkt selbst entscheiden können, ob sie mithilfe von Gentechnik erzeugte Lebensmittel kaufen wollen oder nicht. Bisher drückt sich das grüne Ernährungsministerium von Cem Özdemir um eine klare Position. Dabei hängt es jetzt an der Bundesregierung: Cem Özdemir muss sich in Brüssel für eine lückenlose Gentechnik-Kennzeichnung einsetzen!
Die Versprechen von Bayer & Co., wonach die Züchtung neuer Gentechnik-Pflanzen den Einsatz von Ackergiften reduziert, ist illusorisch. Es fehlt jeglicher Beleg für die Behauptung, dass die Neue Gentechnik zu weniger Pestiziden führt. Es droht das genaue Gegenteil! In Ländern mit hohem Anteil an gentechnisch veränderten Pflanzen ist seit deren Einführung keinerlei Pestizidreduktion erzielt worden. In Brasilien beispielsweise hat sich der Pestizidabsatz in den letzten 20 Jahren mehr als vervierfacht. Großkonzerne können die Neue Gentechnik nutzen, um Saatgut über Patente zu kontrollieren und die landwirtschaftlichen Betriebe von ihnen abhängig zu machen. Dies führt zu einer höheren genetischen Uniformität – was wiederum einen höheren Pestizideinsatz zur Folge hat.
Wir brauchen nicht mehr Gentechnik, sondern eine Abkehr von der Pestizid-abhängigen Chemie-Landwirtschaft.“