Frage des Monats 02.01.2019

Gute Vorsätze – wie setze ich sie um?

foodwatch setzt sich auf politischer Ebene dafür ein, dass in punkto Ernährung die gesunde Wahl zur einfachen Wahl wird: Mit einer verständlichen Kennzeichnung von Lebensmitteln, wirksamen Maßnahmen gegen Fehlernährung und gesundem Schul- und Kitaessen. Davon sind wir leider heute noch weit entfernt. Ernährungsberaterin Alice Luttropp erklärt, was man trotz widriger Umstände im Neuen Jahr für eine gesündere Ernährung tun kann.

Antwort der Ernährungsberaterin Alice Luttropp:

Viele Menschen nehmen sich vor, zum neuen Jahr etwas zu ändern: endlich mit dem Rauchen aufhören, mehr Sport treiben – oder eben, sich gesünder ernähren. Auch, wenn nicht immer etwas daraus wird: Ich finde gute Vorsätze sinnvoll. Denn gesunde Ernährung ist kein Selbstläufer, sie wird einem geradezu schwer gemacht. Denn wir leben in einer Welt, in der es ein Überangebot an unausgewogenen Lebensmitteln gibt und uns an jeder Ecke Appetit auf zu zuckrige oder fettige Lebensmittel gemacht werden soll. Experten sprechen deshalb von einer „übergewichtsfördernden Umwelt“.

Baustellen identifizieren

Wie schaffe ich es trotz dieser schwierigen Umstände, eine ausgewogene Ernährung auf Dauer in mein Leben zu integrieren? Patentrezepte sind aus meiner Sicht fehl am Platz, gesunde Ernährung muss alltagstauglich sein. In einem ersten Schritt sollte man sich die eigenen Gewohnheiten bewusst machen. Ein Ernährungstagebuch eignet sich dafür sehr gut. Darin trägt man ein paar Tage lang alles ein, was man isst. Meist wird einem dadurch klar, welche Baustellen man hat. Der zweite Schritt ist dann, sich zu überlegen, wie man seine Ernährung realistisch ändern könnte. Wichtig ist, sich ein erreichbares Ziel zu setzen. Wer aus Zeitmangel immer nur Fastfood ist, wird es in den seltensten Fällen schaffen, plötzlich jeden Tag selbst zu kochen. Vielleicht ist es einfacher, am Wochenende frisch zu kochen und sich unter der Woche gesündere Alternativen zu überlegen oder für den Anfang nur das Frühstück oder Abendessen in Angriff zu nehmen.

Realistische Ziele setzen

Ein Ziel, das man sich setzen könnte, wären die berühmten „5 am Tag“, also täglich fünf Portionen Gemüse und Obst zu essen. Am besten, man steckt sich dafür immer einen Apfel oder eine Banane als Snack zwischendurch ein, wählt in der Kantine als Beilage einen Salat oder Gemüse und lässt sich zum Abendbrot Rohkost schmecken. Auch Vollkornprodukte kommen in vielen Speiseplänen zu kurz. Spannend ist, dass sich der eigene Geschmack durchaus anpassen kann. Wer eine Weile auf Zucker im Kaffee verzichtet oder die heißgeliebte Pasta zumindest ab und zu durch die Vollkornvariante ersetzt, wird merken, wie er mehr und mehr Geschmack an der gesunden Alternative findet. 

Nicht zu streng mit sich sein

Natürlich kommt es vor, dass die guten Vorsätze im Urlaub, in besonders stressigen Phasen oder auf Festen über Bord geworfen werden. Wichtig ist dann, sich nicht mit Selbstvorwürfen zu geißeln, sondern es sich zu erlauben, flexibel Prioritäten zu setzen und danach das selbstgesteckte Ziel wieder aufzunehmen. Denn Essen versorgt uns nicht nur mit wichtigen Nährstoffen, sondern ist auch Genuss und Lebensfreude.

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