Nachricht 27.07.2026

Gesucht: Minister Rainer

foodwatch/Canva

Vermisst wird ein Mann mit dem Titel „Bundesminister für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat“. Dienstalter: ca. 15 Monate. Ein Kommentar von Geschäftsführer Dr. Chris Methmann.

Ein Kommentar von foodwatch-Geschäftsführer Dr. Chris Methmann. 

Dr. Chris Methmann, Geschäftsführer

Vermisst wird ein Mann mit dem klangvollen Titel „Bundesminister für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat“. Dienstalter: ca. 15 Monate. Besondere Kennzeichen: reagiert nicht auf Ansprache bei Themen wie „Tierwohl“, „Artensterben“ oder „Junkfood“; führt freiwillige Selbstverpflichtungen der Industrie mit sich; ist „Bier-Botschafter“ des Brauerbundes.

Zuletzt wurde der Gesuchte bei einer sogenannten „Sommertour“ in Brandenburg gesehen. Augenzeug:innen berichten von Auftritten bei Trachtenvereinen und in Dorfzentren.

Die Abwesenheiten des Ministers fallen auf

An folgenden Orten suchen foodwatch-Einsatzkräfte ihn jeden Tag unermüdlich:

  • Steigende Preise. Lebensmittel werden immer teurer, viele Familien sparen am Essen. Packungsgrößen schrumpfen.
  • Fertignahrung. Die Industrie versteckt sich hinter freiwilligen Verpflichtungen. Eine klare Kennzeichnung für Junkfood fehlt.
  • Tierleid. Noch immer stehen 1 Million Kühe in der Kettenhaltung, teils schwer krank.
  • Pestizide. Pestizide schädigen Grundwasser und Natur. Die EU will nun sogar gefährliche Ackergifte von regelmäßiger Risiko-Überprüfung ausnehmen.
     

Hinweise zu Alois Rainer erbeten

Sollten Sie Minister Rainer in einer ernährungspolitischen Debatte sichten, melden Sie sich umgehend. Nähern Sie sich dem Vermissten mit Vorsicht: Er könnte laut „Eigenverantwortung“ oder „Bürokratieabbau“ rufen. Er gilt ansonsten als harmlos für die Industrie.

Mal im Ernst: Schon zum Start hatten wir wenig Erwartungen an Alois Rainer. Dass er dermaßen unsichtbar bleibt, überrascht aber auch uns. Ein Augenzeuge berichtet: „Es herrscht ernährungspolitisch praktisch Stillstand. Es gibt keinen Willen, ernährungspolitisch etwas zu gestalten, sondern vielmehr den Versuch, zivilgesellschaftliche Projekte zu unterdrücken.“
Diese Worte könnten von foodwatch stammen. Tatsächlich kommen sie aus Rainers eigenem Haus – von einem Spitzenbeamten, anonym zitiert in der taz. Und dem kann ich nur zustimmen. Der Minister ist praktisch nicht präsent.
 

Wir decken untätige Minister auf

Zusammen ziehen wir den Minister zur Verantwortung. Wer für die Ernährung von 83 Millionen Menschen zuständig ist, den lassen wir nicht mit Untätigkeit davonkommen. Fast 50.000 Förder:innen und noch mehr Spender:innen finanzieren unsere Arbeit und sorgen dafür, dass wir unabhängig nachfragen können. Ganz ohne Geld von Staat oder Lebensmittelindustrie. Machen Sie mit?

Ja, ich spende

Wenn Minister Rainer fehlt, treten wir an

Sie wissen, wie foodwatch arbeitet. Wir fordern unablässig, was die Politik verschleppt. Regelmäßig entlarven wir die Lügen der Lebensmittelindustrie, ziehen vor Gericht und mobilisieren Hunderttausende Verbraucher:innen.

Faire Preise, weniger Zucker, weniger Tierleid, strenge Pestizid-Kontrollen: Wir zwingen Minister Rainer in Debatten, die er lieber nicht führen will.

P.S. Über einen abwesenden Minister kann man Scherze machen. Ich hoffe, Sie verzeihen uns die Satire. Bei steigenden Preisen, versteckten Tricks, ungeprüften Pestiziden und stillem Tierleid vergeht uns aber das Lachen. Ihnen auch? Stellen wir gemeinsam den Minister.