Großbritannien: Werbung für Junk-Food eingeschränkt
Weniger Werbung für Ungesundes: Vor allem Kinder sollen dadurch geschützt werden. Die britische Regierung erhofft sich langfristig Milliardeneinsparungen im Gesundheitssektor. Und Deutschland? Bleibt weiter tatenlos.
Chips, Pommes, Schokolade und Limonaden: Werbung für ungesunde Lebensmittel wird in Großbritannien seit diesem Mittwoch nur noch nach 21 Uhr im Fernsehen gesendet und im Internet gar nicht mehr. Damit kommt die Industrie einem Verbot zuvor, das Anfang des kommenden Jahres in Kraft treten und dabei helfen soll, Adipositas bei Kindern zurückzudrängen.
Die britische Labour-Regierung, die das Vorhaben bereits von der konservativen Vorgängerregierung übernommen hat, erhofft sich von der neuen Regelung, dass Lebensmittelproduzenten den Zucker- und Fettgehalt vieler Speisen verringern. Der Speiseplan von Kindern im Land werde um 7,2 Milliarden Kalorien reduziert, hieß es in einer Mitteilung des Gesundheitsministeriums in London.
Deutschland: Politik für Junkfood-Industrie
Auch in Deutschland besteht ein großes Problem mit ungesunder Ernährung, schon bei den Kleinsten. foodwatch setzt sich deshalb seit Langem für Werbeschranken zum Kinderschutz ein. Doch während andere Länder längst aktiv werden, schaut die deutsche Bundesregierung weiter tatenlos zu, wie McDonalds, Nestlé und Co. ihr Junkfood an Kinder vermarkten.
Fast 90 Prozent aller Menschen in Deutschland wünschen sich strenge Werbeschranken, um Kinder zu schützen. Das ist ein klarer Arbeitsauftrag für Ernährungsminister Alois Rainer!Leiterin Recherche und Kampagnen bei foodwatch
Jedes zehnte vierjährige Kind stark übergewichtig
Welche Lebensmittel von dem Werbeverbot in Großbritannien betroffen sind, wird durch eine Beurteilung von deren Nährwert sowie dem Anteil an gesättigten Fettsäuren, Salz und Zucker bewertet. Langfristig sollen dadurch auch Milliarden Pfund an Behandlungskosten für den Gesundheitsdienst NHS entfallen.
In Großbritannien leidet Behördenangaben zufolge inzwischen jedes zehnte Kind im Alter von vier Jahren an Adipositas. Jedes Fünfte hat demnach im Alter von fünf Jahren Karies.
In Deutschland hatte der damalige Bundesernährungsminister Cem Özdemir (Grüne) 2023 versucht, Werbeverbote für ungesunde Produkte mit Blick auf Kinder auf den Weg zu bringen. Das scheiterte aber am Widerstand der damals mitregierenden FDP und wurde bis zum Bruch der Ampel-Koalition nicht umgesetzt. Die jetzige schwarz-rote Bundesregierung hat keine derartigen Pläne im Koalitionsvertrag vorgesehen.
(mit dpa)