Beschwerde beim Werberat über Coca-Cola-Werbung zur EM

28.06.2016

Wegen der aktuellen Coca-Cola-Werbekampagne zur EM hat foodwatch gemeinsam mit der Deutschen Diabetes-Gesellschaft (DDG) Beschwerde beim Deutschen Werberat eingereicht. Coca-Cola wirbt mit der deutschen Nationalelf und verleitet damit Kinder zum Kauf der ungesunden Zuckergetränke. Die Werbung verstößt gegen drei grundlegende Verhaltensregeln für Lebensmittelwerbung.

Zur Fußball-EM prangen die Gesichter der deutschen Nationalspieler auf Cola-Dosen nach dem Motto: „Hol Dir das Team auf 24 Sammeldosen“. Die Aktion verstößt aus Sicht von foodwatch und der Deutschen Diabetes Gesellschaft gegen drei Verhaltensregeln des Deutschen Werberats über die „kommerzielle Kommunikation für Lebensmittel“: Erstens ist die Kampagne eine „direkte Aufforderung zum Kauf oder Konsum an Kinder“. Zweitens nutzt Coca-Cola das besondere Vertrauen aus, das Kinder Vertrauenspersonen wie den deutschen Fußball-Nationalspielern entgegenbringen. Drittens erschwert die Kampagne das „Erlernen einer ausgewogenen, gesunden Ernährung“. 

Werbung für Ungesundes torpediert Bemühungen der Eltern

Zuckergetränke wie Coca-Cola gelten nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) als unausgewogene Lebensmittel, für deren Absatz Hersteller kein Kindermarketing betreiben sollten. Coca-Cola ignoriert dies – und betreibt Marketing auf Kosten der Kindergesundheit. Der Konzern wirbt mit den Idolen Müller, Schweinsteiger und Co. für seine zuckrigen Cola-Getränke und torpediert damit die Bemühungen zahlreicher Eltern und Lehrer, Kinder für eine gesunde Ernährung zu gewinnen. Wenn es der Deutsche Werberat mit seinen selbst gesetzten Verhaltensregeln ernst meint, muss er gegen die Coca-Cola-Werbung vorgehen. 

Flüssiger Zucker besonders gefährlich

„Flüssiger Zucker in Form von Cola und Limonaden ist besonders gefährlich. Schon eine Dose am Tag erhöht das Risiko für Übergewicht und Typ-2-Diabetes“, so die Kritik von DDG-Präsident Professor Baptist Gallwitz. Und die Getränke sind geradezu Zuckerbomben. Die WHO empfiehlt, im Idealfall nur fünf Prozent des täglichen Energiebedarfs durch Zucker aufzunehmen. Das entspricht bei einer erwachsenen Frau 25 Gramm Zucker am Tag. Eine 0,5 Liter Flasche Cola enthält mit 52 Gramm Zucker mehr als das Doppelte.


  • 06.06.2016

    Fußball-Nationalspieler werben für Junkfood

    Fotostrecke (4 Bilder)
    • Fußballstars stehen bei Kindern hoch im Kurs, sie werden geradezu vergöttert. Deshalb hat der DFB eine besondere Verantwortung, wenn er Werbeverträge abschließt. Das Problem: Der DFB erlaubt ausgerechnet Coca-Cola mit den Gesichtern der Nationalspieler für zuckrige Cola zu werben.
    • Klar, Cola ist ungesund. Das lernen wir bereits als Kinder. Doch wie viel Zucker in einer einzigen 330ml-Dose steckt, ist für viele trotzdem überraschend: Es sind stolze 35 Gramm. Umgerechnet macht das 11,5 Zuckerwürfel in einer einzigen Dose! Wer täglich Cola trinkt, hat ein nachweislich höheres Risiko für Übergewicht und Diabetes Typ II.
    • „Hol dir deine Helden“ heißt es auf der Aktionspackung zu der EM-Dosen-Sammelaktion. Jede Packung enthält zehn Dosen à 330ml. Insgesamt macht das demnach je Aktionspackung sage und schreibe 115 Zuckerwürfel. Das Problem: Flüssige Kalorien aus Cola sind immer zusätzlich Kalorien, die kein Sättigungsgefühl verursachen. 
    • Wer alle 24 Sammeldosen trinkt, verzehrt insgesamt etwa 840 Gramm flüssigen Zucker beziehungsweise 280 Zuckerwürfel. Das ist alles andere als gesund. Der DFB sollte die Werbepartnerschaft mit Coca-Cola so schnell wie möglich beenden. Kindermarketing mit Fußballstars sollte nur für gesunde Produkte betrieben werden:&nbsp;<link 2445>Jetzt an den DFB schreiben!</link>

Selbstkontrolle durch Werberat 

Der Deutsche Werberat besteht aus Akteuren der Werbewirtschaft. Er entscheidet über Verstöße gegen seinen eigens formulierten Verhaltenskodex, dazu gehören Regeln zu Kinder- und Alkoholwerbung oder sexistischer Werbung. 2015 kritisierte der Deutsche Werberat 114 Werbemaßnahmen. 97 Unternehmen beendeten ihre Werbung, sechs Firmen änderten sie, elf Hersteller wurden für ihre Werbung öffentlich gerügt. 

DFB kooperiert mit Coca-Cola, Ferrero und McDonald's 

Coca-Cola ist Hauptsponsor der EM 2016 und Premium-Partner des Deutschen Fußball-Bundes (DFB). Sowohl foodwatch und die Deutsche Diabetes Gesellschaft als auch der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) hatten den DFB kürzlich aufgefordert, die Werbeverträge mit den Junkfood-Konzernen Coca-Cola, Ferrero und McDonald‘s zu kündigen. „Der DFB sollte sein Sponsoring-Konzept überdenken, um seiner Vorbildfunktion und gesellschaftlichen Verantwortung gerecht zu werden“, forderte DDG-Präsident Professor Gallwitz. Damit würde der DFB auch nicht weiter gegen seine eigene Satzung verstoßen. Darin verpflichtet sich der DFB zur „Förderung gesunder Ernährung (...) als gesundheitliche Prävention“.

 
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