Bundesregierung schützt Verbraucher nicht vor Hepatitis E

28.07.2017
Foto: fotolia.com/dusanpetkovic

Ärzte und Behörden melden immer mehr Fälle von Hepatitis E. Die EU-Behörde für Lebensmittelsicherheit warnt vor einem „wachsenden Problem“, das fast ausschließlich auf den Verzehr von Schweinefleisch, darunter Roh- und Mettwurst, zurückzuführen ist. Die Bundesregierung bleibt trotz der alarmierenden Zahlen tatenlos.

Die Zahl der Hepatitis-E-Fälle wächst rasant: In den vergangenen zehn Jahren haben sich laut der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) europaweit mehr als 21.000 Menschen mit Hepatitis E infiziert. Die Zahl hat sich in diesem Zeitraum verzehnfacht. Die EFSA spricht in einer aktuellen wissenschaftlichen Stellungnahme von einem „wachsenden Problem“, das fast ausschließlich auf den Verzehr von Schweinefleisch zurückzuführen ist. Auch in Deutschland hat sich die Zahl der infizierten Personen in nur einem Jahr verdoppelt. Die Bundesregierung bleibt trotz der alarmierenden Zahlen jedoch tatenlos. Die Politik lässt zu, dass infiziertes Schweinefleisch, darunter Roh- und Mettwurst, ungehindert verkauft wird, obwohl Hepatitis E-Erkrankungen beim Menschen schwere Verläufe nehmen können bis hin zu Todesfällen. Bei Schwangeren beträgt die Sterblichkeitsrate bis zu 25 Prozent.

Risiko auf Verbraucher abgewälzt

Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) lehnte es bislang ab, das Virus bereits im Stall zu bekämpfen und verweist auf das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR), das Verbraucherinnen und Verbrauchern rät, strenge Hygienemaßnahmen einzuhalten, Fleisch lange genug zu kochen oder zu braten und auf den Verzehr von Rohwürsten wie Mettwurst gänzlich zu verzichten.

Statt die Ursachen zu bekämpfen, wälzt die Regierung das Risiko damit auf das Schlachthofpersonal und die Verbraucher ab. foodwatch fordert routinemäßige serologische Tests aller Schlachtschweine. Bei Virus-positiv getesteten Schweinen muss sichergestellt sein, dass deren Fleisch und Innereien bei der Verarbeitung ausreichend erhitzt werden. Dringend sind zudem öffentliche Investitionen in Forschungsprojekte, um Hepatitis E flächendeckend in deutschen Ställen nachweisen und bekämpfen zu können.

Schwangere besonders gefährdet

Lange Zeit galt Hepatitis E als eine aus Asien und Afrika importierte Infektionskrankheit. Doch mittlerweile ist bewiesen, dass auch das Virus des Genotyps 3 in Deutschland heimisch ist. Dessen Hauptübertragungswege sind sowohl der direkte Kontakt mit infizierten Tieren, zumeist mit Haus- und Wildschweinen, sowie der Verzehr kontaminierter Lebensmittel, darunter Schweinefleisch, das bei der Zubereitung nicht ausreichend erhitzt wurde. Auch Mettwurst und andere Rohwürste können betroffen sein. Rund drei Schweine von Hundert (1,8 Millionen jährlich) sind zum Schlachtzeitpunkt akut mit Hepatitis E infiziert und kommen unbemerkt in den Handel.

Hepatitis E verläuft beim Menschen in den meisten Fällen ohne jegliche Symptome. Doch Risikogruppen, darunter Schwangere, Immunschwache und Leberkranke, können an einer akuten und zum Teil tödlichen Leberentzündung erkranken.

"Die Bundesregierung weiß, dass jedes Jahr rund 1,8 Millionen Schweine mit infektiösen Hepatitis E-Viren geschlachtet und vermarktet werden. Der Kontakt mit diesen Schweinen, aber auch der Verzehr von daraus erzeugten Mett- und von Rohwürsten stellt daher ein ernstes Infektionsrisiko dar. Angesichts drastisch steigender Neuinfektionen muss die Bundesregierung umgehend dafür sorgen, dass Fleisch und Innereien von Hepatitis-E-infizierten Schweinen nicht mehr roh an Endverbraucher abgegeben werden dürfen."

Matthias Wolfschmidt, Kampagnendirektor foodwatch International

 
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