Streit um Nutri-Score: Iglo verlässt Lobbyverband

09.05.2019

Der Lebensmittelhersteller Iglo hat den führenden Lobbyverband der Lebensmittelwirtschaft (BLL) verlassen. Hintergrund ist der Streit um die Nutri-Score-Ampel: Während Iglo neben Danone und Bofrost die verbraucherfreundliche Kennzeichnung seit Anfang des Jahres schrittweise einführt, stellt sich der BLL klar gegen jede farbliche Nährwertkennzeichnung.

Der Tiefkühlkost-Hersteller Iglo hat wegen des schwelenden Streits um die Kennzeichnung von Lebensmitteln den zuständigen Branchenverband verlassen. Iglo verknüpfte den Rückzug mit heftiger Kritik an dem Spitzenverband der deutschen Lebensmittelwirtschaft BLL (Bund für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde).

Symbolpolitik statt Gestaltungswillen

Dem Verband fehle eine strategische Ausrichtung für die Herausforderungen der Branche, und er vernachlässige die Bedürfnisse von mittelständischen Mitgliedern, heißt es in einer am Donnerstag in Hamburg verbreiteten Mitteilung von Iglo. Er verharre im Gestern und betreibe Symbolpolitik anstelle eines aktiven europäischen Gestaltungswillens.

Hintergrund des Konflikts ist der Streit um die Kennzeichnung von Lebensmitteln für Verbraucherinnen und Verbraucher. Iglo will gegenwärtig für seine gesamte Produktpalette aus 140 Produkten von Fischstäbchen bis Spinat den sogenannten Nutri-Score einführen, der die gesamte Nährwertqualität der Lebensmittel in einer fünfstufigen Farbskala von A bis E auf der Verpackung zusammenfasst. Das System ist Frankreich und Belgien etabliert und breitet sich auch in anderen europäischen Ländern aus.

"Hoffentlich folgen noch mehr Hersteller dem Beispiel von Iglo und verlassen diesen Lobbyverband, der offenkundig nur die Interessen der Süßwaren- und Junkfood-Industrie vertritt. Der BLL darf sich nicht wundern, wenn sich immer mehr Unternehmen gegen seinen ewiggestrigen Kurs stellen. Viele Lebensmittelunternehmen haben erkannt, dass sich die Verbraucherinnen und Verbraucher eine verständliche Kennzeichnung von Zucker, Fett & Co. mit der Nährwert-Ampel wünschen. Der Lobbyverband schadet mit seiner rückwärtsgewandten Politik nicht nur den Verbraucherinnen und Verbrauchern, sondern auch den Herstellern, die es besser machen wollen."

Luise Molling von foodwatch

Vorreiter Iglo, Danone und Bofrost

In Deutschland haben neben Iglo auch Danone und Bofrost sowie weitere kleinere Unternehmen begonnen, ihre Produkte mit dem Nutri-Score zu kennzeichnen. Andere Unternehmen der Lebensmittelbranche haben sich jedoch gegen den Nutri-Score positioniert. Der BLL hat ein eigenes System zur Lebensmittel-Kennzeichnung veröffentlicht und empfohlen.

Zuletzt hatte das Landgericht Hamburg im April die Kennzeichnung von Iglo-Verpackungen mit dem „Nutri-Score“ per einstweiliger Verfügung vorläufig gestoppt. foodwatch kritisierte, dass Ernährungsministerin Julia Klöckner den Nutri-Score längst bei der EU-Kommission hätte anmelden können – wie es die Regierungen von Frankreich, Belgien und Spanien bereits getan haben. Womöglich wäre es dann nie zu dem Gerichtsverfahren gegen Iglo gekommen.

mit dpa

 
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