Chef-Lobbyist der Industrie scheitert am GDA-System

Das GDA-System: trickreiche Zahlen, verwirrende Prozente

GDA-Kennzeichnung der Industrie

GDA steht für „Guideline daily amount” – Richtlinie für den täglichen Bedarf. Beim System der Industrie kennzeichnen Zahlenangaben den Gehalt an Kalorien, Zucker, Fett, gesättigten Fettsäuren und Salz pro Portion. Prozentangaben sollen über den Anteil am täglichen Bedarf informieren.

Die GDA-Kennzeichnung hat die Lebensmittelindustrie entwickelt. Unter dem Namen „1 plus 4”-Modell haben es sich später auch die Bundesverbraucherminister Horst Seehofer und Ilse Aigner (beide CSU) zu eigen gemacht. Vor allem Großkonzerne wie Nestlé und Kellogg's führten das GDA-Modell in einer Art Vorwärtsverteidigungsstrategie freiwillig ein, um eine farbliche Kennzeichnung zu verhindern. Die GDA ist bei den Herstellern deshalb so beliebt, weil sie damit ihre Produkte ganz einfach schönrechnen können:

Der Trick mit dem „täglichen Bedarf“

Auch bei den speziell für Kinder beworbenen Produkten wird der Kalorienbedarf für einer erwachsenen Frau angesetzt (2000 kcal). Bezogen auf den täglichen Kalorienbedarf von Kleinkindern wären die Prozentangaben beispielsweise auf den Fruchtzwergen von Danone viel höher.

Nährwertangabe auf einem 'Fruchtzwerg' von Danone

Der Trick mit der Portionsgröße

Die GDA-Angaben beziehen sich auf eine Portion, deren Größe der Hersteller selbst wählt. Je kleiner die Portion, desto kleiner wird natürlich die Prozentangabe und damit der Anteil an der empfohlenen Verzehrsmenge pro Tag. Wie britische Studien gezeigt haben, essen die Menschen durchschnittlich größere Portionen, als die Hersteller ansetzen. Unterschiedlich große Portionen machen es zudem sehr schwer, Produkte miteinander zu vergleichen. Der Kunde müsste, wenn er die unterschiedlichen Bezugsgrößen überhaupt bemerkt, die enthaltenen Mengen an Fett, Zucker und Salz erst umrechnen.

unrealistische Portionsgrößen bei der GDA-Kennzeichnung

Der Trick mit dem „Richtwert”

Der Richtwert, auf dem die GDA-Angaben fußen, ist vom Europäischen Verband der Lebensmittelindustrie (CIAA) selbst festgesetzt worden. Insbesondere der Richtwert für Zucker ist dabei wissenschaftlich umstritten.

"Es entsteht der Eindruck, dass bei Zucker eine "günstige" (willkürliche) Berechnung gewählt wurde", urteilt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung über den Zucker-Referenzwert der CIAA.

Chef-Lobbyist der Industrie scheitert am GDA-System



Zuletzt geändert am 27.09.2012
 
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