Die Mär vom Bio-Boom

Karotten

Jahr für Jahr meldet die Bio-Branche in Deutschland große Wachstumsraten. Es gibt kaum einen Discounter mehr, der ohne ökologische Lebensmittel auskommt. „Bio“ und „Boom“ – in den Köpfen vieler Verbraucher und in der Berichterstattung von Medien haben sich diese beiden Begriffe als festes Paar etabliert. Doch der vermeintlich echte Bio-Boom entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als märchenhafte Wunschvorstellung: Bio ist in Deutschland ein Nischenmarkt – und dürfte es noch lange bleiben.

Teilweise zweistellige Wachstumsraten, Schlagzeilen vom großen „Boom“ – seit Jahren ist Bio in aller Munde, der Hype scheint ungebrochen. Selbst Aldi, Lidl & Co. verkaufen Bio-Produkte, bei vielen Supermarktketten gehören Handelsmarken mit eigenen Bio-Signets zum Standard-Sortiment. Doch wer sich von solchen Schlagzeilen und Eindrücken blenden lässt, erhält ein verzerrtes Bild. Die schönen Wachstumsraten stehen nur auf einer Seite der Medaille – auf der anderen steht die Relation: Wachstum ja – aber auf extrem niedrigen Niveau.

Marktanteil unter fünf Prozent

So wuchs der Umsatz von Bio-Produkten im Jahr 2016 nach Angaben des Bundes Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) um 9,9 Prozent und stieg damit auf 10,04 Milliarden Euro. Am gesamten Lebensmittelmarkt machte dies aber 2016 gerade einmal 5,1 Prozent aus. Die Wahrheit hinter der Mär vom großen Boom lautet also: Bio ist Nische.

Es gibt wenig Anlass zur Vermutung, dass sich daran bald etwas ändern könnte. Ein wesentlicher Grund für den nach wie vor geringen Absatz von Bioprodukten sind die höheren Preise. Und die haben ihre Ursache nicht nur in geringeren Erträgen oder höheren Kosten etwa für die Tierhaltung, wie die foodwatch-Studie „Was kostet ein Schnitzel wirklich?“ eindrucksvoll dokumentiert hat. Sondern auch im unfairen Wettbewerb. Denn dieser sichert der konventionellen Landwirtschaft einen erheblichen Startvorteil: Während Bio-Bauern höhere Kosten tragen, um Umweltschäden zu vermeiden, bürden konventionelle Landwirte diese der Allgemeinheit auf. Denn der Einsatz etwa von Mineraldünger oder Pflanzenschutzmitteln belastet das Grundwasser mit Schadstoffen. Doch nicht die Landwirte, die Trinkwasserkunden oder die Steuerzahler kommen für die Beseitigung dieser Schäden auf. Das ist eine indirekte Förderung der konventionellen Landwirtschaft, die solche Kosten nicht in ihre Produkte einpreisen muss – auch deshalbliegen die Endverbraucherpreise für Bio-Produkte häufig deutlich über denen für konventionelle Ware. In einem Wettbewerb mit so unterschiedlichen Startbedingungen kann Bio nicht gewinnen.

Zuletzt geändert am 05.10.2017
 
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